Vernetzung der Akteure, Andreas Liegerer

Diskurs

Initiativen und Projekte zur Berufsorientierung und Berufsvorbereitung sind vielerorts entstanden und arbeiten z.T. erfolgreich. Welche Hinderungsgründe gibt es Ihrer Ansicht nach, die eine intensive Zusammenarbeit und Vernetzung der Akteure erschweren? Wie könnte diese verbessert werden? 

Projekte zur Berufsorientierung bzw. -vorbereitung werden üblicherweise jährlich durch die finanzierenden Stellen neu vergeben. Ausschlaggebend für die Durchführung ist erfahrungsgemäß – entgegen anderslautender Erklärungen – in erster Linie der Preis. Das Resultat: Jedes Jahr arbeiten andere Träger in anderen Maßnahmen, deren Schwerpunkte möglicherweise ebenfalls variieren: Von Arbeitslosen über 50 oder solchen unter 25 bis hin zu Themenschwerpunkten wie Arbeitsplätze in der Landwirtschaft, im Weinbau oder in der Lager- bzw. Logistikbranche. Planungssicherheit und Kontinuität finden nicht statt. Wenn außerdem konkurrierende Bildungsträger die Maßnahmen durchführen bzw. in der Durchführung wechseln, kann weder Vernetzung noch Kooperation stattfinden. Das wäre zwar der Sache dienlich, aber kontraproduktiv, evtl. sogar existenzgefährdend für die durchführende Institution.

Abgesehen davon sind die Aufgabenstellungen bei den entsprechenden Zielgruppen so anspruchsvoll, dass in der Kürze der Maßnahmedauer (6 bis 8 Monate) und einem Stellenschlüssel von 1 zu 16 die Durchführenden genug damit zu tun haben, die „Kunden“ in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Allein aus pragmatischen Gründen muss deshalb auf einen Austausch von Inhalten zwischen den Maßnahmen und Projekten verzichtet werden. In Einzelfällen findet ein Austausch insoweit statt, dass es in unserer Region Trägerkooperationen und Bietergemeinschaften gibt. Aber auch hier bleibt der Austausch oft auf der rein organisatorischen, abwicklungstechnischen Ebene, auch deshalb, weil die Inhalte in der Ausschreibung vorgegeben sind.

Verbesserungsvorschlag: Andere Auswahlverfahren (Kompetenzerfassungen) bei der Bestückung der Maßnahmen, Möglichkeiten der Einflussnahme bei Inhalten und Abwicklung. Mehr Zeit für den Austausch gemachter Erfahrungen. Mehr Kontinuität in der Arbeit, Anteil der sozialpädagogischen Arbeit muss erhöht werden.

Beitrag von:
Andreas Liegerer, Diplom-Pädagoge und Journalist für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit; Bildungswerk des Alzeyer und Wormser Handwerks gGmbH

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