Vernetzung der Akteure, Dr. Birgit Schäfer

Diskurs

Initiativen und Projekte zur Berufsorientierung und Berufsvorbereitung sind vielerorts entstanden und arbeiten z.T. erfolgreich. Welche Hinderungsgründe gibt es Ihrer Ansicht nach, die eine intensive Zusammenarbeit und Vernetzung der Akteure erschweren? Wie könnte diese verbessert werden? 

Hinderungsgründe, die eine intensive Zusammenarbeit und Vernetzung der Akteure erschweren, können u.a. sein
(1) Konkurrenz zwischen Schulen untereinander,
(2) unterschiedliche Erwartungshaltungen in der Kooperation zwischen Schule und Betrieb,
(3) mangelnde Kooperation zwischen Schule und Eltern,
(4) mangelnde Zeit bzw. mangelnde Einsicht der Notwendigkeit von Schulentwicklung im Lehrerkollegium.

Zu (1):
Wenn z.B. zunehmend die Bedeutung neuer Formen von Betriebspraktika für eine verbesserte Berufsorientierung erkannt wird, dann kann diese eine Konkurrenz zwischen Schulen untereinander um Praktikumplätze hervorrufen.
Kooperative Abstimmungsprozesse z.B. durch Beiräte Schule und Beruf, Netzwerke auf regionaler sowie Agenturen auf Landesebene können hier Abhilfe schaffen.

Zu (2):
Schulen und Betriebe müssen die Möglichkeit erhalten, ein gemeinsames Verständnis von Berufsorientierung zu entwickeln und umzusetzen. Einigkeit muss darüber herrschen, dass eine systematische Berufsorientierung nicht nur von dem Engagement einzelner Personen abhängig sein darf, sondern als Querschnittsaufgabe der ganzen Schule – für das gesamte Kollegium – verstanden werden muss.
Unterschiedlichen Erwartungshaltungen kann durch schriftlichen Kooperationsvereinbarungen – als Kernstück der Zusammenarbeit zwischen Schule und Betrieb – im Vorfeld vorgebeugt werden.

Zu (3):
Durch frühzeitiges Einbeziehen der Eltern in den Schulalltag – im Sinne einer ganzheitlichen Berufsorientierung -, gegenseitige Akzeptanz und Vertrauen kann der Blick gemeinsam auf die (Lern-)Entwicklung der Jugendlichen gerichtet werden. Dazu muss allerdings zunächst im Kollegium das Bewusstsein für die Notwendigkeit einer verbesserten Eltern-Schule-Kooperation geschaffen werden.

Zu (4):
Als Bedingung für eine stabile und erfolgreiche Netzwerkarbeit muss ein materieller oder ideeller Nutzen für alle Beteiligten erkennbar sein. Kooperationen leben von intensiven persönlichen Beziehungen, die permanent gepflegt werden müssen und das benötigt Zeit. Angesichts dicht gefüllter Lehrpläne haben viele Schulen hiermit Probleme. Es ist deshalb sinnvoll, entsprechende Kapazitäten in den Schulalltag, etwa in Maßnahmen zur Schulprofilbildung, einzuplanen.

Beitrag von:
Dr. Birgit Schäfer; Stellvertretende Leiterin der wissenschaftlichen Begleitung zum
BMBF-Programm „Schule – Wirtschaft/ Arbeitsleben“; Universität Flensburg, Institut für Politik und Wirtschaft und ihre Didaktik

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