Nachhaltigkeit durch Kinderaugen

Der Begriff „Nachhaltigkeit“ wird allenthalben als zu komplex und schwer vermittelbar gebranntmarkt. Doch im Kern ist es vielleicht einfacher als mancher Wissenschaftler und Journalist denkt – wie manche Kinder zeigen.

Der 13-jährige Leo beispielsweise kann Nachhaltigkeit zwar nicht wissenschaftlich definieren, hat aber sehr wohl eine Vorstellung von der Verantwortung, die gemeint ist: Nachhaltigkeit bedeutet für ihn, „dass man nicht nur für jetzt denke, sondern auch an morgen. Dass wir keine Häuser bauen, die Gift enthalten. Dass man die Sachen nicht nur für jetzt sondern auch für später brauchen kann“. Von der heutigen Erwachsenengeneration erwartet er, „dass sie Hybrid- und Elektroautos weiterentwickeln, dass sie ein Tankstellennetz dazu aufbauen, dass es mehr Solarzellen gebe“. Die Berichterstattung über technische Alternativen zu den fossilen Energien ist offenbar auch bei den ganz Jungen bereits angekommen.

Doch Kinder haben durchaus auch ein Gefühl für die eigenen Handlungsmöglichkeiten: Fabio (10) bedauert es, „dass die Eisbären aussterben“. Er ist traurig, dass man es zu spät bemerkt habe und jetzt fast nichts mehr machen könne. Er selber hat sich aber vorgenommen, in Zukunft „kein Auto zu fahren“ und keine Sachen „von weit her“ zu kaufen. Auch Leo wird „sicherlich kein Auto fahren und nur das Fahrrad und die Bahn benutzen“. Darüber hinaus möchte er, „möglichst auf die Umwelt achten, den Kühlschrank nicht zu tief einstellen und nicht heizen, wenn es unnötig ist“.

Wenn man Kinder als Gradmesser für die gesellschaftliche Relevanz von Themen ansieht, zeigt sich, dass der Klimawandel bereits sehr weit in unser soziales Bewusstsein vorgedrungen ist. Allerdings scheint er nach wie vor hauptsächlich als Bedrohung und weniger als Chance wahrgenommen zu werden. Gerade auf die junge Generation wirken Angstszenarien doppelt beunruhigend. Insofern sollten wir versuchen, den Veränderungswillen von jungen Menschen besser und positiver zu nutzen – ein Grundverständnis für Nachhaltigkeit gibt es bereits…

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