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2010 | Deutschland, Deutsch

Unterwegs – Wenn die Malediven untergehen

Eine Picknickdecke am Elbufer. Darauf liegen Jennifer und ihre Gitarre. Fröhliche Menschen spazieren vorbei. „Ein bisschen ängstlich bin ich, wenn ich an die Zukunft denke. Weil ich nicht weiß, was auf uns zukommt.“

Was kommen wird

Die Umgebung und die ausgelassene Atmosphäre machen Jennifer die Vorstellung schwer, dass sich das Leben für viele Menschen auf dieser Erde drastisch verändern wird. Seit Beginn der Industrialisierung sind die globale Durchschnittstemperatur schon um 0,8°C und der globale Meeresspiegel um 12-22 Zentimeter angestiegen.
Dass sich das Klima ändert und die Menschen und ihr Konsum dafür der Hauptgrund sind, ist mittlerweile wissenschaftlicher Konsens. Nur in welchem Ausmaß? Und mit welchen Folgen für die verschiedenen Länder?

Wir wollen uns in drei deutschen Städten mit jungen Menschen unterhalten: Wie fühlt sich der Klimwandel an?

20. Juni 2010: Nieselregen in Hamburg.

In Hamburg ist heute autofreier Sonntag. Viele Menschen sind kostenlos mit Bus und Bahn in der Stadt unterwegs. Auch Simon mit seinen Freunden. Ob sie sich mit dem Klimawandel beschäftigen, wollen wir wissen. „Ich finde die Auswirkungen der Klimaveränderungen erschreckend. Mit Blick auf die Zukunft beängstigend. Wenn es jetzt schon öfter als früher beispielsweise starke Stürme gibt, wie es in der Extremform mit Orkan Kyrill Anfang 2007 der Fall war, dann kann einem schon schlecht werden. Wenn man davon ausgeht, dass in Zukunft so etwas noch häufiger und heftiger passieren wird.“
Simon erzählt, dass er darauf achtet, Gemüse und Obst aus der Umgebung von Hamburg einzukaufen. Somit vermeidet er unnötige Transporte, die viel CO2 in die Luft blasen. Und wie schätzt er die zukünftige Entwicklung in puncto Klima ein? Seine Antwort klingt optimistisch: „In 20 Jahren wird das Bewusstsein für die schlimmsten Folgen des Klimawandels so stark gewachsen sein, dass eine energiearme Lebensweise gesellschaftlich akzeptiert und damit normaler geworden ist.“

Es herrscht Jahrmarktatmosphäre. Überall bunte Stände und Zelte – Yogi-Tee, Taschen aus Biobaumwolle und regionales Obst und Gemüse wird angeboten.
Kinder springen auf bunten Trampolinen oder bestaunen junge Straßenkünstler, die eine wilde Mischung aus Breakdance und improvisierten Filmszenen darbieten. Marvin hat sich in eine lange Menschenschlange eingereiht. Er will seinen Führerschein einen Monat lang gegen ein Tickt für Bahn und Bus eintauschen. Eine sehr gute Idee, findet er und hofft, dass viele Menschen mitmachen und ihr Auto häufiger stehen lassen. Was kommt Marvin in den Kopf, wenn er an die Folgen des Klimawandels denkt? „Ich fühle mich schuldig, habe ein schlechtes Gewissen bei jedem Flug. Auch wenn ich selten fliege.“ Obwohl er sich viele Gedanken macht, hofft er, in 20 Jahren noch bewusster zu handeln. „Ich versuche schon jeden Tag etwas nachhaltiger zu sein, aber das bleibt schwer.“

An einem anderen Stand steht ein junges Mädchen vor einem Plakat: Das Auto ist viel mehr ein Stehzeug als ein Fahrzeug. Sie muss lachen. Wir wollen wissen, was sie über den Klimawandel denkt. „Bisher habe ich davon noch nichts gemerkt, aber ich finde es schon doof, wenn die Inseln, wie zum Beispiel die Malediven, vielleicht bald untergehen. Da kriegt man dann schon ein bisschen Angst, weil da so viele nette Leute wohnen. Ich war da nämlich schon im Urlaub.“
Und wie stellt sich die 11-Jährige ihr Leben in der Zukunft vor? „In 20 Jahren will ich Tierärztin sein oder in einer Bank arbeiten, wie mein großer Bruder. Ich weiß nicht, wie sich bis dahin das Klima verändert hat und was los ist, wenn das Erdöl alle ist. Da wird schon einiges anders sein.“

25. Juni 2010: Sonnenschein in Dortmund.

Katja ist 11. Wir treffen Sie im Zug mit ihren Eltern. Sie ist auf dem Weg zu einer Familienfeier. Auf dem Tisch im Abteil liegt ein Aufgabenblatt zum Klimawandel.
Wir fragen nach, was sie da macht.
Klimawandel sei bei ihr Thema in Erdkunde, sagt sie. „Und, wie merkst du den Klimawandel?“, fragen wir.
Den Klimawandel fühle sie, weil es wärmer wird und es im Winter viel geschneit hat. Schlimm findet Katja das nicht. Denn noch sei nichts Schlimmes passiert. „In 20 Jahren wird es noch viel wärmer sein als heute und schneien wird es kaum noch. Auch wird es noch mehr Technik geben als heute“.
Wir fragen sie, ob wir heute was ändern sollten, um dem Klimawandel zu begegnen. Katja überlegt. „Wir sollten die Atomkraftwerke abstellen, unseren Müll nicht überall hinwerfen und mehr Fahrrad fahren.“ Dann lacht sie. „Ich mache das ja auch, einfach so für meine Umwelt und mich.“ Während sie spricht, streift sie mit ihrer Hand über den Sattel ihres roten Zweirads.

26. Juni 2010: Wolken über Lennestadt.

Annika treffen wir auf einer Party. Sie hat sturmfrei und feiert das Ende des Abiturs. Auch der Klimawandel war ein Prüfungsthema. Was bedeuten die Veränderungen für sie? „Erstmal ist es ungut, nur wenn ich drüber nachdenke. Ich denke da nicht so drüber nach, weil ich meistens alle Sachen als selbstverständlich hinnehme. Und erst wenn ich darüber nachdenke, wird mir unwohl.“
Während ein Partygast unbekümmert die Musik aufdreht, lenken wir das Gespräch auf ihre Zukunft. „Mein Alltag wird irgendwie einfacher sein. Es wird gar nicht so einen enormen Break geben, sodass ich mich nach und nach anpasse. Vielleicht verändert sich meine Lebensweise, dass ich vorsichtiger werde, weil ich mehr schlimmere Ereignisse gesehen habe und auf solche Sachen vorbereitet bin.“ Eine genaue Vorstellung hat sie nicht. Auch die anderen, die wir befragen, zucken mit den Schultern.
Was können wir heute tun, um ein lebenswertes Morgen zu gestalten? Fragend schauen wir Annika an. Sie zögert erst und sagt dann: „Ich erwarte von euch, dass ihr die Aufmerksamkeit auf die klimatischen Veränderungen lenkt, die nicht nur in Deutschland passieren. Dass ihr das Bewusstsein der Leute fördert, dass sie über ihre Handlungen und die Auswirkungen nachdenken. Und dass sie sozusagen mehr darüber nachdenken, inwiefern sie daran etwas ändern könnten.“
Wir nicken und antworten augenzwinkernd: „Gut, dann fangen wir heute damit an.“

About Redaktion | CCCLab

Das Redaktionsteam des CCCLab bilden Fellows und MitarbeiterInnen des Kolleg für Management und Gestaltung Nachhaltiger Entwicklung (KMGNE).

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