„Limits to Growth“ – Unangenehme Wahrheiten

„Limits to Growth“ – Unangenehme Wahrheiten

Am 22. November 2006 stellte  der US-amerikanische Ökonom Dennis Meadows (geb. 7. Juni 1942 in Montana) seine Studie „Die Grenzen des Wachstums“ (1972, engl. Originaltitel: The Limits to Growth) in Berlin vor. Er präsentiert seine 1972 getroffenen Prognosen für das Systemverhalten der Erde als Wirtschaftsraum bis zum Jahr 2100 und setzt diese mit aktuellen Entwicklungen in Zusammenhang. Nachfolgend drei zentrale Phänomene, die von ihm unter anderen thematisiert werden:

1. Phänomen

Die Zusammenfassung des Meadows Berichts hat nicht den Anspruch, als offizielle Regel zu fungieren. Das Ziel dieses Berichts ist auch keine Voraussage für die Zukunft, sondern mehr eine Bilanz, die durch ein mathematisches Modell mögliche Szenarien aufzeigt. An dieser Stelle soll besonders die grundlegende Idee des Modells betrachtet werden, um zu erklären, wie diese verschiedenen Wachstumsarten (Bevölkerung, Wirtschaft und Umweltverschmutzung) voneinander abhängig sind:

Das Bevölkerungswachstum wirkt sich auf die Rohstoffe aus, welche von der Industrieproduktion  abhängen und die wiederum starken Einfluss auf die Industrieproduktion haben. Die Industrieproduktion ist zugleich ein starker Faktor, der die Umweltverschmutzung bestimmt.

Der Druck auf die Rohstoffe, ist in erster Linie auf das Bevölkerungswachstum zurückzuführen. Es liegt auf der Hand, dass umso mehr Rohstoffe produziert werden müssen, je mehr Nahrungsmittel benötigt werden. Es gibt jedoch noch einen weiteren  Aspekt, der berücksichtigt werden muss: nämlich, das aus der Wirtschaft stammende sogenannte „Ertragsgesetz“ (siehe D. Ricardo „On the Principles of Political Economy and taxation“), welches besagt, dass überall in der Welt dieselben Bedingungen herrschen, um ein ähnliches Produkt herzustellen, dieses aber viel mehr kosten kann.

Das wirtschaftliche Wachstum, hängt hauptsächlich mit der Entwicklung der Industrieproduktion zusammen. Diese Art von Wachstum allein ist kein Problem, jedoch aber die Konsequenzen für die Umwelt und die Bevölkerung, wenn man versucht, das Niveau dieses Wachstums immer weiter zu steigern, was heute das Hauptziel der industrialisierten Länder ist.

Die zunehmende Umweltverschmutzung kann sich unterschiedlich auswirken: auf die Bevölkerung und gleichzeitig auch auf die Industrieproduktion. Zum einen auf die Bevölkerung, weil es zu einem Bevölkerungsregelungsphänomen über Krankheiten kommen wird. Und zum anderen kann die Umweltverschmutzung gravierende Auswirkungen auf das Land haben, indem die Qualität von Produkten abnimmt und in der Folge weniger Lebensmittel für die wachsende Bevölkerung zur Verfügung stehen.

Ganz gleich welche Hypothese hier zugrunde gelegt wird, erklärt Dr. Meadows sehr anschaulich, dass es heutzutage viel zu spät ist, um unter das Niveau aus den 70er Jahren zurückzukehren. Und gerade deswegen muss der „Wachstumswettlauf“ beendet werden, wenn wir ein bisschen mehr Zeit haben wollen.

2. Phänomen

In der Wissenschaft besteht über den Zusammenhang, dass unsere kulturelle Einstellung zum industriellen Wachstum als das grundlegende Problem des Klimawandels anzusehen ist, schon lange Einigkeit. Es ist höchste Zeit einen kulturellen und ethischen Wandel in der globalen Gesellschaft einzuleiten. Unter anderem werden dafür Technologien benötigt, die es erlauben den Energiebedarf grundlegend zu verringern. Damit sind sogenannte Schlüsselinnovationen in der Wirtschaft und Industrie gemeint, wie z.B. Substitution schädlicher Stoffe, optimierte Verfahrenstechnik, Bionik.. Meadows stellt klar, dass das industrielle bzw. materielle Wachstum nicht gleichwertig zu betrachten ist mit dem menschlichen Fortschritt (Wirtschaftswachstum). In diesem Ansatz liegt die Chance zur Entkopplung von Wachstum und Energiebedarf, die zwingend und dringend ergriffen werden muss. Bisher werden neue Technologien nicht ausreichend genutzt, denn obwohl der Klimawandel ein globales Problem ist und das industrielle Wachstum schnellstmöglich abgebremst werden muss, handeln die Nationen nicht entsprechend ihrer Möglichkeiten, denn sie befürchten in Maßnahmen zu investieren, von denen sie nicht den Gesamtnutzen einstreichen können.

1994 entwickelten Mathis Wackernagel und William E. Rees von der University of British Columbia einen besonders einfachen wie anschaulichen Umweltindikator, um die Aufmerksamkeit der Weltbevölkerung auf die ökologischen Auswirkungen ihres Lebensstils aufmerksam zu machen. Das Modell des „Ökologischen Fußabdrucks“ bezeichnet die Fläche auf der Erde, die notwendig ist, um den Lebensstandard eines Menschen unter Fortführung heutiger Produktionsbedingungen dauerhaft zu ermöglichen. Zahlreiche Umweltdaten und Wirkungszusammenhänge werden zu einem handhabbaren Wert gebündelt (vgl. http://www.lfu.bayern.de/umweltwissen/doc/uw_86_oekologischer_fussabruck.pdf). Berücksichtigt werden Flächen, die zur Produktion von Kleidung und Nahrung oder zur Bereitstellung von Energie, aber auch zum Abbau des erzeugten Mülls oder zum Binden des freigesetzten Kohlendioxids benötigt werden. Das Modell verdeutlicht, dass die weltweit verfügbare Fläche zur Erfüllung der menschlichen Bedürfnisse um 23% überschritten wird und die Verteilung der in Anspruch genommenen Fläche sehr unterschiedlich verteilt ist.

Quelle: http://www.g-o.de/wissen-aktuell-bild-7697-2008-01-22-10139.html

Bei gegenwärtigem Verbrauch werden pro Person 2,2 Hektar Fläche beansprucht, es stehen aber nur 1,8 Hektar zur Verfügung. Europa benötigt z.B. 4,7 Hektar Fläche pro Person, kann selbst aber nur 2,3 Hektar zur Verfügung stellen, wodurch die europäische Biokapazität um 100% überbeansprucht wird (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96kologischer_Fu%C3%9Fabdruck). Des Weiteren ermöglicht das Modell die ökologisch sinnvollsten Verhaltensweisen ausfindig machen und Grundlagen für nachhaltige umweltpolitische Maßnahmen schaffen.

Um den eigenen Lebensstil zu überprüfen gibt es Online-Rechner (z.B. http://www.gjgt.de/fussabdruck/), die anhand von etwa 30 Fragen, den persönlichen ökologischen Fußabdruck ermitteln. Man stellt schnell fest, dass selbst bei bewusster Lebensweise die zur Verfügung stehende Kapazität schnell erreicht ist und bei der heute herrschenden Einstellung zu umweltgerechten Handeln noch viel Verbesserungsspielraum vorhanden ist.

Es bleibt festzuhalten: WIR haben noch immer die Möglichkeit richtige Entscheidungen für die Zukunft zu treffen, aber Lösungen müssen langfristig geplant und schnell angegangen werden.

3. Phänomen

Die Studie weist deutlich nach, dass Bevölkerungswachstum und industrielles Wachstum als Auslöser für den Klimawandel anerkannt werden müssen. 24 Jahre nach diesen Ergebnissen muss Meadows jedoch das ernüchternde Fazit ziehen, dass diese Entwicklung bis heute kaum entgegengewirkt wurde, um schwerwiegende Folgen zu verhindern. Langfristig führt ein starker Ressourcenverbrauch zu einem gesteigerten Kapitalbedürfnis, da die Ressourcen immer knapper werden, wodurch man die Möglichkeit zu industriellem Wachstum verliert. Verschärft wird dies noch durch den Aspekt, dass sowohl das Bevölkerungswachstum wie auch das industrielle Wachstum exponentiell verlaufen und auf diese Art Wachstumsgrenzen sehr schnell erreicht sein werden. Behält man gegenwärtige Entwicklungen bei, werden nach den Prognosen von Meadows die Grenzen bereits 2020, also in 10 Jahren erreicht sein.

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