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2010 | Deutschland, Deutsch

Szenarienarbeit und Farbgerechtigkeitsexperimente – Tag 2 der Sommeruniversität 2010

Auf dem Programm steht ein Szenarienspiel. Da die Bilder für die Zukunft kaum existieren oder sich durch Hollywood lediglich düsterste Dystropien a la Mad Max in den Köpfen verfestigt haben, soll diese Methode genutzt werden, um den Teilnehmern einen Zugang zu Visionen zukünftiger Lebensweisen zu eröffnen. Ziel ist es dabei eine Geschichte entstehen zu lassen, die den Tagesablauf einer Person in 2040 schildert. Durch die Beschreibung des Alltäglichen werden die Wegbarkeiten der Zukunft erahnbar und in eine unmittelbare Betroffenheit übersetzt. Die Erarbeitung einer solchen narrativen Schilderung ist zum Teil mühselig und verlangt einige Entscheidungen.

Um sich Schritt für Schritt der Geschichte anzunähern, sollten die Teilnehmer zunächst nach GIVEN, stabile Entwicklungsfaktoren, als auch nach DRIVERN, veränderbaren Variablen suchen, die Einfluss auf die zukünftige Entwicklung haben. Dazu wurden drei Gruppen gebildet, die sich darauf hin zurückzogen und und intensiv über Strukturelemente der Lebenswelt diskutierten. Zusammengefasst ergaben sich u.a. die folgenden Faktoren: Klima, Arbeit, Wohnen, Ernährung, Energie, Transport, Infrastruktur, Gesundheit, Biodiversität und Versorgung. In einem nächsten Schritt sollten diese Faktoren nun mit Inhalten befüllt werden, wobei sich zeigte, dass dies vielfältig geschehen kann. Eine Erhöhung der Temperatur um mehr als 2 Grad Celsius wurde allerdings verworfen, da sich daraus offenkundig nur apokalyptische Szenarien ableiten lassen. Bei der Präsentation der Faktoren ergab sich ein recht reges Gespräch über die einzelnen Faktoren, da zum Teil unterschiedliche Herangehensweisen gewählt wurden und einige Gruppen sich bereits in konkrete Szenarien hineindachten.

Den Hintergedanke dieses Suchprozesses bildet die Idee, dass die Gefahren der Gegenwart sich nicht ohne Weiteres ergeben, sondern aus tagtäglichen gesellschaftlichen Entscheidungen resultieren. Die momentane Situation kann dabei als ein Zustand betrachtet werden, der sich so über Jahrhunderte herausgebildet hat und auf Entscheidungen früherer Generationen fusst. Vor dem Hintergedanken, dass unsere Handlungen und Entscheidungen die gegenwärtigen Gefahren erzeugt haben, kann man den Moment der Entscheidung allerdings auch als ein Potential für Lösungen begreifen. Wir stehen ständig vor der Wahl von Handlungsalternativen – oft zieht eine Entscheidung eine weitere nach sich und man steckt in einer lock-in-Situation, die nur mit grossen Anstrengungen abgeändert werden kann. Die Arbeit mit der Szenarien verfolgt nicht die Absicht Prognosen für eine zukünftige Entwicklung abzugeben, sondern sich viel mehr der Gemachtheit von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zuverdeutlichen.

Zum Ende des Tages gab es eine farbige gruppendynamische Übung, angeleitet durch die Künstlerin Frau Birgit Wette. Leitthema dabei war das Thema Gerechtigkeit im weitesten Sinne – beispielsweise Gerechtigkeit im Bezug auf die Farbverteilung, den Respekt und die Wahrnehmung der einzelnen Gruppenmitglieder, ihrer Handlungen und Farbaufträge. Die folgenden Bilder geben einen kleinen Eindruck wie so etwas aussehen kann.

Buchempfehlungen des Tages:

Beck, Ulrich: Weltrisikogesellschaft; Frankfurt am Main 2007
Gruber-Manningel, Jutta, Thomas Pythel & Kathrin Wiener:„… uuund Action.!“ Medienorientierte Umweltkommunikation für Kinder und Jugendliche. München 2010
Latif, Mojib: Bringen wir das Klima aus dem Takt, Frankfurt am Main 2007
Leggewie, Claus & Harald Welzer: Das Ende der Welt, wie wir sie kannten, Frankfurt am Main 2009
Ott, Hermann E.: Wege aus der Klimafalle, München 2008
Stern, Nicholas: Der Globale Deal, München 2009
Welzer, Harald: Klimafalle. Wofür im 21. Jahrhundert getötet wird, Frankfurt am Main 2009

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