Die neue Generation einer populären Öko-Kultur

„Nie wurden Nachhaltigkeitsziele lauter bekundet, während sich die Lebenspraktiken immer weiter davon entfernen“, so die pessimistische Einschätzung des Universitätsdozenten und Vorsitzenden der Vereinigung für ökologische Ökonomie Niko Paech (Quelle: http://www.sueddeutsche.de/kultur/sz-serie-die-gruene-frage-rettet-die-welt-vor-den-weltrettern-1.1106177) .

Klimawandel und erneuerbare Energien sind mittlerweile zu populären Themen in den Medien geworden und haben längst Eingang gefunden in alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens. Doch wie sieht es in der jüngeren Generation aus, welche Lebenspraktiken und Motivationen werden von der Gesellschaft wirklich vermittelt? Die junge Generation wird durch Projektarbeiten und Unterrichtsschwerpunkte zu Klima und Energiethemen in der Schule besser aufgeklärt, als vor einigen Jahren – dies belegt eine Befragung verschiedener Schüler. Es wird viel über Klimathemen geredet, aber in Bezug auf den eigenen Lebensstil wenig reflektiert. Interesse an ökologischen Problemen hätte sie ja schon, so eine Schülerin (16 Jahre), aber man werde ausreichend in der Schule über Klimawandel und seine Folgen informiert. Sie blicke optimistisch in die Zukunft, denn die Gesellschaft würde sich in Zukunft zunehmend darauf einstellen und auch ihren Lebensstil anpassen. Das sehe man ja heute schon in dem sich ändernden Konsumverhalten der Menschen.

Und tatsächlich – zunehmend ist ein regelrechter Öko-Kult in den Medien und der Gesellschaft festzustellen, der als moderner Lebensstil popularisiert wird, aber wenig mit einer ökologisch umfassenden Lebensweise und einem ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Umwelt gemein hat. Im Alltag begegnet uns der „Klimaschutz“ tagtäglich. Als effektive Marketingstrategie wird die Konsumgesellschaft mit „Bio“ und Naturtextilien gelockt und ein umweltbewusster Lebensstil kommerzialisiert. Ökologisch bewusst Leben bis zu einem gewissen Grad, um weniger umweltfreundliche Aktivitäten zu legitimieren – so wird ein umweltfreundlicher Lebensstil in der modernen Gesellschaft oftmals praktiziert. Diese Schizophrenie der Gesellschaft zeichnet sich „in der Geländewagen fahrenden Stammkundschaft des Öko-Supermarktes, oder dem Besitzer eines Passivhaus, der jede Woche eine Flugreise antritt ab. […] Moral, die gekauft werden kann und garantiert weder Mühe noch Einschränkungen bedeutet.“ So beschreibt Niko Paech in seiner Polemik in der Süddeutschen eine neue Schizophrenie der Gesellschaft.  Das Thema Klimawandel wird zu einem neuen Dresscode für die moderne Gesellschaft.

Dies hat auch Auswirkungen auf die Haltung und Motivation der Jugendlichen. Nur wenige Jugendliche als auch Erwachsene sind für umfassende Sofortmaßnahmen in Sachen Klimaschutz bereit, sofern sie ihren Lebensstil nicht als eingeschränkt gefährdet sehen.  So fordert ein Schüler (18 Jahre), dass auch  leicht lebbare Möglichkeiten angeboten werden müssen, um den Klimawandel zu bekämpfen bzw. Optionen aufgezeigt werden, die ohne großen Aufwand umsetzbar sind und keine starken Einschränkungen zur Folge haben. Wenn man in so eine Runde Schüler hineinblickt, möge man an der Zukunft unserer Welt zu zweifeln beginnen. Früher oder später wird es einen Punkt geben, an dem es nicht ausreichen wird Teil der Öko-Kultur zu sein, sondern an dem das eigene Wohlbefinden in den Hintergrund gerückt werden muss oder zwangsweise gerückt werden wird. Was wird dies für eine riesige Erschütterung  für diese ehemaligen, so optimistischen Schüler bedeuten? Hier stellt sich die berechtigte Frage, ob die heutige Öko-Kultur nicht eher einen großen Schleier um die ernsthaften Probleme gelegt hat und so zu einer Verschiebung der Tatsachen geführt hat, welche der jüngeren Generation vorgelebt wird. Ein Schleier, welcher dazu berechtigt ohne Halt zu konsumieren und die Ökosysteme auszubeuten. In der Art, so lange wir Ökoprodukte kaufen, wird alles in Ordnung sein!

Doch es gibt auch Hoffnung. „Die Gesellschaft ist viel zu wenig in Klimathemen involviert und dafür sensibilisiert“, so eine 18-jährige Schülerin. Sie sieht ein großes Defizit in der Aufklärung und Vermittlung von Klimathemen und fordert mehr Werbung in Bezug auf die Klimaproblematik. Auf diese Weise könne man die Gesellschaft mehr dazu bringen über ihren Lebensstil zu reflektieren und ins Bewusstsein rufen, wie dringend der Handlungsbedarf in diesem Bereich ist. So bleibt wohl nur zu hoffen, dass es noch weitere solcher Schüler gibt, welche ihren allseits beliebten Laptop nicht nur für facebook, myspace oder movievideo verwenden, sondern sich auch ab und zu für über die Problematik des Klimawandels informieren. Doch – sollte es nicht auch Aufgabe der Gesellschaft sein, den Wunschschleier zu durchbrechen und eine kritische Betrachtung der Tatsachen zu lehren?

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