Welt im Wandel

„Business as usual“  kann keine Option mehr sein. Darüber dürften sich alle einig sein. Wenn wir diesen Planeten für zukünftige Generationen erhalten wollen, muss sich einiges ändern.

Der Bericht der WBGU (Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen) nennt drei zentrale Transformationsfelder:

  • Energiesysteme (inklusive Verkehr)
  • Urbane Räume
  • Landnutzungssysteme (Land- und Forstwirtschaft inklusive Waldrodungen)

Nach der neolithischen Revolution, der Erfindung und Verbreitung von Ackerbau und Viehzucht und der industriellen Revolution steht uns eine weitere Große Transformation hin zu einer klimaverträglichen Gesellschaft bevor. Diese Transformation wird anders als die anderen beiden nicht weitgehend ungesteuert und fast von selbst ablaufen, sondern wir müssen sie aus Einsicht und Umsicht für die nächsten Generationen selbst zum Laufen bringen und steuern. Eine wichtige Rolle spielen in diesem Zusammenhang die Städte.

Nachhaltige Städte
Städte sind gleichzeitig ein großer Teil des Problems, aber auch dessen Lösung. Zum Beispiel wird in Städten weltweit ca. 80% der Treibhausgase emittiert, der ökologische Fußabdruck der Stadt Berlin beträgt für alle BerlinerInnen zusammen eine Fläche von 15.040.759,14 ha, die ca. dem 168-fachen der Stadtfläche von Berlin entspricht.

Allerdings herrscht in Städten auch ein großes Potential für Verbesserungen. Ein guter Ansatzpunkt mit hohem Einsparpotential sowohl bezüglich Energie als auch Fläche, ist der Verkehr. 44% der Siedlungsflächen Deutschlands werden von Verkehrsflächen beansprucht. Wenn man den öffentlichen Verkehr stärkt und Autos größtenteils überflüssig macht, könnten Teile dieser Flächen entsiegelt und bepflanzt werden.

Momentan ist die Attraktivität des Autos noch viel zu groß, öffentliche Verkehrsmittel sind zu teuer und zu unflexibel, die wenigsten Städte sind fahrradfreundlich. Hier ist auch der Staat gefragt. Durch die Privatisierung werden die Verkehrssysteme unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten geführt und sind meist viel zu teuer. Außerdem hat die Trennung von Geschäftsvierteln und Wohnvierteln dazu geführt, dass wir täglich große Wege innerhalb der Stadt auf uns nehmen müssen. Durch die Aufhebung dieser Trennung könnten viele Wege überflüssig werden.

Beim Bau und der Renovierung von Gebäuden gibt es viele Möglichkeiten Ressourcen zu sparen. Durch große Fensterflächen auf der Südseite, Solar-, Wind-, und Abfallenergieanlagen, Speicherböden und –wänden, der Nutzung von Regenwasser und der Benutzung von Baustoffen mit besserer Wärmedämmung ist ökologischer Städtebau möglich.

Auch der einzelne, konsumierende Stadtmensch verfügt über viele Möglichkeiten, den nötigen Transformationsprozess voranzutreiben.

Konsum – Die Macht des Konsumenten


You Tube:  The Product is you!

Das Leben als Stadtmensch macht uns zu einem konsumierenden Menschen. Alles ist immer und überall erreichbar, das Stadtbild ist geprägt von Läden, Plakaten und Litfaßsäulen. Viele verbringen ihre Freizeit am liebsten in den Konsumtempeln „Shoppingcenter“. Die Produktionsschritte vor dem Verkauf liegen im Dunkeln und die Folgen unseres Konsums sind uns meist nicht bewusst. Ein gutes Beispiel ist die Fleischproduktion: Vorstellung und Wirklichkeit liegen hier sehr weit auseinander.

Fleischproduktion
Die Industrie wirbt mit glücklichen Schweinen und Kühen, vollbusigen Almschönheiten und grünen Wiesen. Der traditionelle Bauernhof existiert jedoch kaum noch.

„Produktionsbedingungen“ – Tierquälerei
Die meisten Tiere, die seit Geburt dafür vorgesehen sind, in unseren Mägen zu landen, haben bis zu ihrem Tod das Tageslicht höchstens auf dem Weg vom Mastbetrieb zum Transporter gesehen. Sie leben nicht auf grünen Wiesen, sondern in dunklen Buchten mit Spaltböden. Auf Streu oder Einstreu wird somit verzichtet, da die Böden so konstruiert sind, dass die Exkremente durch die Spalten fallen. Durch diese Böden entstehen Schäden an den Beinen und Füßen der Tiere, da dies aber nicht das Gewicht und somit auch nicht den Verkaufspreis beeinflusst, stört dies die Produzenten nicht weiter. Im Gegenteil: durch die Überfüllung in der Massentierhaltung können sich die Tiere sowieso nicht bewegen, ihnen bleibt nur die Wahl zwischen Essen und Schlafen, so verlieren sie aber auch kein Gewicht. Ein Vorteil für den Produzenten.

Natürlich leiden viele dieser Tiere an Krankheiten und durch Stress ausgelösten Symptomen. Aus diesem Grund werden sie mit Medikamenten, vor allem mit Antibiotika und Hormonen gefüttert. Diese landen über Fleisch, Milch, Eier und Fäkalien wieder in der Umwelt. Gleichermaßen gelangen Antibiotika und sonstige Mittelchen dadurch in unseren Nahrungskreislauf. Die Langzeitfolgen sind bis heute noch kaum absehbar.

Landverbrauch
Für die Produktion von Fleisch wird sehr viel mehr Land benötigt als für die Produktion pflanzlicher Nahrungsmittel. Auf der Fläche, die man für die Produktion von einem Kilo Fleisch benötigt, könnte man im gleichen Zeitraum zum Beispiel 200kg Tomaten oder 160 kg Karotten ernten. Die Welternährungsorganisation FAO der UNO publizierte 2006 eine Studie über diese Zusammenhänge. Sie stellte darin fest, dass 70% des abgeholzten Amazonaswaldes für Viehweiden verwendet wurden, ein Großteil der restlichen 30% diente dem Anbau von Futterpflanzen. In der gleichen Studie berichtet die FAO, dass 70% des weltweiten landwirtschaftlich genutzten Landes der Viehhaltung diene.

Wasserverbrauch
Ähnlich sieht es beim Verbrauch von Wasser aus.Für die Herstellung eines Burgers werden zum Beispiel 2400 Liter Wasser benötigt. Der größte Teil des in Verbrauchsgütern steckenden Wassers kommt aus der Landwirtschaft. Durch eine Anpassung unser Ernährungsgewohnheiten kann sehr viel Wasser eingespart werden. Um den eigenen Speiseplan wasserfreundlicher zu gestalten, sollte man vor allem weniger Fleisch essen. Denn für ein Kilo Kartoffeln werden 900 Liter Wasser benötigt, für ein Kilo Weizen 1300 Liter, für ein Kilo Eier 3.300 und für eine Kilo Rindfleisch ganze 15.500 Liter.

Klimaschäden: Waldrodung – Vertriebswege – Methanolausstoß
Die Fleischproduktion trägt aus verschiedenen Gründen massiv zum Klimawandel bei. Man geht davon aus, dass der Einfluss der Nutztiere auf die Klimaerwärmung höher ist als der des weltweiten Verkehrs. Der Leiter des Wuppertal-Instituts für Klima, Umwelt und Energie, Ernst U. von Weizsäcker sagt dazu: „Die Beiträge der Rinderhaltung zum Treibhauseffekt sind ähnlich groß wie die des gesamten Autoverkehrs, wenn wir die Waldrodung fürs Rind und für Futtermittel einbeziehen. (…) Und die Verwandlung von Savannen in Wüsten, die Erosion in Berggebieten, der übermässige Wasserbedarf der Rinder, der gigantische Energiebedarf der Mastviehhaltung sind einige weiter Gründe dafür, dass wir mit jedem Pfund Rindfleisch der Umwelt schwer zusetzen.“ Auch die Enquete Kommission „Schutz der Erdatmosphäre“ des Deutschen Bundestages beschreibt in ihrem Schlussbereicht den Zusammenhang zwischen Kuh und Klimawandel: „Eine durchschnittliche Kuh hat damit das Treibhauspotential eines durchschnittlichen Personenkraftwagens.“

Dies sind nur einige negative Folgen des Fleischkonsums. Der Vegetarierbund Deutschland e.V. hat die Folgen des Fleischkonsums in einem Schaubild zusammengestellt.

Haben wir eine Wahl?
Trotz all der Macht des Verbrauchers, muss dieser überhaupt die Möglichkeit der Wahl haben. Der Politikwissenschaftler Benjamin Barber sagt dazu im Interview:

„Das Argument der Privatisierer, der Neoliberalen, lautet, dass der Konsument als Konsument Bürger ist. Dass der Konsument, indem er kaufend eine private Wahl trifft, seine politischen Rechte ausübt und Einfluss nimmt. Private Entscheidungen allein aber können niemals den öffentlichen Raum gestalten. Private Entscheidungen haben soziale Folgen, die durch private Entscheidungen allein nicht in den Griff zu bekommen sind. Besuchen Sie Los Angeles. Da können Sie 200 verschiedene Automodelle mieten oder kaufen: einen Hummer, Chevrolet oder Hybrid. Das fühlt sich wie Freiheit an. Nur mit der U-Bahn fahren können Sie nicht, weil es keine gibt.“

Ein Mangel an Alternativen spricht uns aber nicht von unserer Verantwortung frei. Mit politischen Aktionen kann man sich Wahlmöglichkeiten auch erkämpfen: Ein Beispiel ist die Website themeatrix.com. Dort werden Hintergründe der Fleischindustrie auf unterhaltsame und altersgerechte Art und Weise dargestellt und Tipps für den Alltag gegeben. Es wird auch dazu aufgerufen bei Mitarbeitern in Supermärkten genau nachzufragen, oder vegetarisches Essen in der Schulkantine zu fordern.

Eine Antwort auf „Welt im Wandel

  1. Genau das alles sage ich schon eine ganze Weile. Wenn es mehr Menschen gäbe, die dies täten, hätten wir wesentlich weniger Probleme. Jemand sagte kürzlich „Die Finanzkrise kann gelöst werden, man muss es nur tun.“ Nun, die Umweltkrise kann gelöst werden, man muss es nur tun. Es ist wirklich so einfach. Das wollen wir auch auf unserem Blog zeigen: hiergruentz.wordpress.com

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s