„Nachhaltige Lebensentwürfe in verschiedenen sozialen Milieus“

Wo müssen wir ansetzen?

Dr. Silke Kleinhückelkotten gab eine Einführung in die Forschungsansätze des ECOLOG-Instituts. Sie zeigte auf Grundlage der Sinus-Milieu Studien von 2009 sowie einer Delphi-Studie zu idealtypischen nachhaltigen Lebensstilen, wie nachhaltige Lebensentwürfe integriert werden. Hierbei wurde der Blick auf die Bürger_Innen gerichtet, die als politisch Aktive und Konsumierende handeln können.

Wie werden die Bürger_Innen erreicht?

Andersherum können Gesetze und materielle Anreize zum Umdenken und einem nachhaltigen Lebensstil führen. Bildung und Einsicht oder Überzeugung werden hierbei als Optimum angesehen.

Folien des Vortrags „Nachhaltige Lebensstile in verschiedenen sozialen Milieus“

Was wird unter einem idealtypischen nachhaltigen Lebensstil verstanden oder welche Attribute müssen erfüllt sein?

Die Delphi-Studie wurde mit Experten aus Wissenschaft und Praxis zu Nachhaltiger Entwicklung geführt und anhand dessen Werte, Fähigkeiten und Wissen den Attributen Suffizienz, Effizienz und Konsistenz zugeordnet. Es scheint, als würden Konsistenz und Effizienz Kategorien einfacher in nachhaltige Lebensentwürfe integrier- und umsetzbar sein. Das liegt u.a. daran, dass Suffizienz nicht dem derzeitigen Wertesystem unterliegt und demnach vor allem einen gesellschaftlichen Wandel mit sich bringen müsste. Ein nachhaltiger Lebensstil ist demnach durch Wissen über „ökologische Probleme“, Alternativen sowie Zusammenhängen aber auch „über sinnvolle Prioritäten für Verhaltensänderung“ gekennzeichnet. Dies zeigt sich in den Werten und Einstellungen wie Solidariät, Selbstverwirklichung oder geringer Besitz und Statusorientierung. Selbst- und Sozialkompetenz prägen die Fähigkeiten, die einen nachhaltigen Lebensstil ausmachen.

Diese Ansätze verband Frau Kleinhückelkotten mit Vorstellungen eines „Guten Lebens“.

 „Es ist kompliziert auf Lebensstile einzuwirken.“

– 

Wie anschlussfähig ist dieses „schöne Bild“ eines nachhaltigen Lebensstils in der Gesellschaft?

Dafür greift das ecolog-Institut auf vorhandene Daten zurück und bezieht dabei nicht nur die Lage (Einkommen, Status etc.) mit ein sondern ebenfalls Alltagsorientierungen und Wertevorstellungen. Die Aussagen sind meist sozial gewünscht und ergeben so eine Diskrepanz zwischen den vermeintlichen Orientierungen und den darausfolgenden Handlungen. Die entsprechenden Wertehaltungen sind vorhanden, das konkrete Verhalten resultiert daraus jedoch nicht. Zwar bevorzugen die Gruppe der Etablierten eher Fairtrade-Produkte, das schließt den Kauf jedoch nicht ein.

Insgesamt ergibt sich ein Bild, dass ein Spannungsfeld zwischen dem „desinteressierten Materialisten“ und dem „Nachhaltigkeitspionier“ eröffnet.

Dennoch lässt sich erkennen, dass eine Nachhaltigkeitskommunikation zielgruppenspezifisch ausgerichtet sein muss und u.a. durch die Betonung der Langlebigkeit und Bescheidenheit traditionelle Milieus ansprechen würde. Selbstenfaltung, also wie kann ich mich dadurch verwirklichen, würde eher die jüngeren Milieus ansprechen und Effizienz verbindet hohes Statusbewusstsein mit Umweltbewusstsein. Zunächst erscheinen die Modernen Performer, Experimentalisten, Postmaterialisten (am ehesten als Nachhaltigkeitspionier zu bezeichnen) aber auch Etablierte als prädestinierte Ansprechgruppen. Konservative nähern sich den ökologischen Vorstellungen der Postmaterialisten an. Die gegenseitige Orientierung beeinflusst dabei Handlungen und Orientierungen.

Die Bilanzierung bleibt noch offen sowie die Anpassung an die neue Sinus-Milieu-Studie oder eigens entworfene.

Fazit: Es gibt kein Milieu, dass einen nachhaltigen Lebensstil lebt aber es sind Anschlussmöglichkeiten vorhanden, um ein Umdenken anzuregen. Suffizienz ist immer noch auf ein „gutes Leben“ beschränkt und eher einer „kleinen Avantgarde“ vorbehalten.

Die Fragen bleiben: Wo bin ich? und Welche Milieugruppe könnte ich zunächst erreichen?

Ich gespannt auf den nächsten Vortrag.

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