Ist die Schule schuld am Klimawandel?

Ein Plädoyer für einen Paradigmenwechsel in der Umweltpädagogik.
Was wir Wissen und was wir tun sind zwei unterschiedliche Dinge, das ist vielen klar. Unser Wissen in (pädagogisches-) Handeln zu übertragen zeigt einen Kreislauf von Fragen auf, die in vielen Bereichen wie Politik, Bildung und Wissenschaft permanent zu klären sind.

Die Frage nach der Schuld am Klimawandel ist ein Thema, das in internationalen Verhandlungen und Konferenzen immer wieder auftritt. Es wird besonders von den G77+China wiederholt ins Gespräch gebracht. Warum sollen jetzt auch sie für den Klimawandel bezahlen, wenn sie diesen nicht gleichermaßen verursacht haben?

Exakt diese Argumentation finden wir auch in der Schule wieder. Dort wird streng nach Lehrplan der Frage nachgegangen, wieso wir Stromsparen, weniger Fleisch essen und auf Wachstum verzichten sollen, obwohl wir keine direkte Schuld an den Veränderungen tragen. Um eine emotionale Bindung bei den Jugendlichen zum Thema Nachhaltigkeit herzustellen, wird sich zumeist der Erhobenen-Zeigefinger-Methode bedient. So auch z.B. bei diesem Video von Germanwatch und Brot für die Welt:

„Klimagericht“

“Der Klimawandel verschärft den Hunger auf der Welt.”

Ein so alltägliches Geschehen wie das familäre Abendessen wird in Verbindung mit dem Abholzen der Regenwälder, Dürre- und Flutkatastrophen und den daraus folgenden humanitären Notlagen gebracht. So geschickt es vielleicht ist, ferne erschreckende Geschehnisse in das häusliche Wohnzimmer zu bringen um Nähe zu schaffen, es wird nur wenige dazu bringen, eigene Konsequenzen daraus zu ziehen. Erkenntnisse aus der Psychologie besagen schon seit Langem, dass Verhaltensänderungen nur durch positive Motivation bewirkt werden können.

Eine Herausforderung ist die Interdisziplinarität, die sich aus der Debatte der Klimagerechtigkeit ergibt. Darf das reiche Europa das wesentlich weniger entwickelte Indien dazu bringen, seine CO2- Emissionen zu reduzieren und dadurch vielleicht seinen Wachstumsraten schaden? So äußert Maria, 16, den Wunsch, “dass auch Länder wie China darauf achten müssen weniger Klimagase zu produzieren.”
Im Vorwort zu Michael Humes “Why we disagree about Climate Change”, schreibt Steve Rainer (University of Oxford): “Our recognition of climate change as a threat to the ways of life we are accustomed…depends on our view of Nature, our judgement about scientific analysis, our perceptions of risk, and our idea about what is at stake – economic growth, national sovereignty, species extinction, or the lives of poor people in marginal environments of developing countries – and whether it is ethically, politically, or economically justifiable to make trade-offs between these.”

Maria besucht das Seminar nachhaltiges Wirtschaften. In diesem wird ihr gelehrt, dass man z.B. mit Rohöl so wirtschaften sollte, dass für die nächsten Generationen etwas übrig bleibt. Auch Richard, 18, assoziiert das Thema Nachhaltigkeit mit Sparen: “Weniger Auto fahren, das Licht ausschalten, weniger Fleisch essen, weniger transportierte Waren nutzen”. Nachhaltigkeit bedeutet für ihn ebenso Verzicht und wirklich verantwortlich für die Zukunft unseres Planeten fühlt er sich nicht. “Ich kenne einige Leute, die halt so Öko drauf sind, die werden das schon machen”. Die Folgen des Klimawandels kennt er nur aus dem Erdkundeunterricht.

Schule könnte viel mehr, aber will sie es denn auch? Die Idee “Nachhaltigkeit” als Unterrichtsfach einzuführen ist schon lange nichts neues mehr, denn Umweltfragen dürfen nicht nur durch die Brille einer Disziplin betrachtet werden. Und eine gute Note in Erdkunde schafft alleine kein Bewusstsein und fördert nicht die Motivation etwas zu verändern. Dies zeigt eine Schwierigkeit bei den gängigen Lehrmethoden an Schulen, wie auch an vielen Umweltbildungseinrichtungen. Eine Herausforderung, der sich die einzelnen Institutionen stellen müssen, um nicht eine Mitschuld am Klimawandel zu tragen.

Schule kann sich Best Practice Beispiele abgucken, sei es ihre Schüler und Schülerinnen zu motivieren, an einem Umweltgipfel teilzunehmen

http://www.jug2011.de/der-gipfel/machen/jugendumweltgipfel.html

oder aber auch eine Klimaexpedition zu starten

http://germanwatch.org/en/thema/bildung/bildung-klima/klimaexpedition

Autor/innen: Christine Hellerström, Hannes Bever und Anja Schelchen.

2 Antworten auf „Ist die Schule schuld am Klimawandel?

  1. Zum eigenen Schulfach: Es gibt ziemlich viele Themen, die in der Schule interdisziplinär behandelt werden sollten. Aber brauchen wir dann für jedes dieser Themen ein eigenes Schulfach? Sollten diese Themen nicht vielmehr fächerübergreifend behandelt werden (z.B. in Projekten)?

  2. Sehr schöne Hinleitung zu einem zentralen Problem der „Umweltpädagogik“, wobei sich dies auch auf die Gesellschaft und mediale Vermittlung übertragen lässt, oder? Eine fächerübergreifende Behandlung der Thematik scheint angemessen, wobei dabei auf ein starres Abarbeiten verzichtet werden sollte und eher (wie CSPANNAGEL schreibt) eine Projektorientierung angemessen erscheint. Das Wissen scheint ja vorhanden nur eben mit Resignation und „was kann ich denn da schon machen“ einherzugehen. Also wären sicherlich Projekte am besten, die an der Lebenswelt ansetzen und vor Ort beginnen.

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