#fokusland | Das Millenium wird nachhaltig – Von den Millenium zu den Sustainable Goals

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Globales lokal denken

Betrachtet man die Ursachen, Auswirkungen, sowie potentielle Lösungen der globalen Umweltprobleme, so sind diese auf unterschiedlichen Ebenen und bei unterschiedlichen Akteuren angesiedelt. Lokale Themen gewinnen so die Dimension globaler Probleme. So auch in der Agrarindustrie. Eine  nachhaltige Landwirtschaft beispielsweise steht u.a. in Zusammenhang  mit der Verfügbarkeit und nachhaltigen Bewirtschaftung von Wasser, dem  Schutz terrestrischer Ökosysteme sowie nachhaltigen Produktions- und Konsummustern.

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Die  biologische und die traditionelle bäuerliche Landwirtschaft, die zwar  weniger Masse produziert, dafür aber schonender mit den begrenzten  Ressourcen umgeht,  ist, langfristig gesehen, deswegen die Zukunft. Eine flächendeckende Nahversorgung mit regionalen Lebensmitteln von  kleinbäuerlichen Betrieben, deren Förderung und eines klares “Nein” zum  Transatlantischen Handelsabkommen (TTIP) sollte daher oberstes Anliegen in der nationalen Umsetzung der neuen Ziele für nachhaltige Entwicklung, der Sustainable Development Goals (SDGs) darstellen.

Die Grundlage für die Erreichung der SDGs ist somit auch ein Wirtschaftssystem, welches nicht auf den kapitalistischen Maximen des ständigen Wachstums und des Wettkampfes gegeneinander aufbaut. Außerdem ist es problematisch, dass wir Entwicklung immer noch verstärkt als wirtschaftliche Entwicklung und somit umsatzorientiert, denken und weniger als soziale Entwicklung. Es muss dementsprechend eine Transformation zu einem Wirtschaftssystem stattfinden, welches menschliche Arbeit  wertschätzt, Ressourcen schont und trotzdem einen  guten Lebensstandard für alle bietet. Solch eine Transformation ist keine Utopie, sondern möglich. Europaweit sprießen Grass Root Movements, wie “Transition Towns” die genau diese Ziele verfolgen.

Politische Bildung in allen Ländern ist daher von Bedeutung um kritisches Konsumbewusstsein und partizipative Einmischung der Zivilbevölkerung zu stärken, um gemeinsam Forderungen an Politik und Wirtschaft stellen zu können und um gemeinsam darüber zu philosophieren. Die SDGs sind ein Schritt in die richtige Richtung, vorausgesetzt, dass sie übergreifend gedacht und verbindlich für alle Nationen verhandelt und umgesetzt werden.

Wer oder was sind SDGs?

Die 17 Sustainable Development Goals sind die baldigen Nachfolger der Millenium Development Goals (MDGs) welche schon im Jahr 2000 von den Vereinten Nationen  verabschiedet wurden. Inhaltlich sind die neuen Ziele breit gefasst: Neben der  Armutsbekämpfung werden auch Aspekte wie nachhaltige Konsum-  und Produktionsmuster, der Klimaschutz sowie  friedliche und inklusive Gesellschaften thematisiert. Mit den SDG’s werden auch wir in Deutschland in die globale Verantwortung genommen. Sie gelten gleichermaßen für alle Länder –  ob  ökonomisch arm oder reich. Da mittlerweile die globale Mittel- und Oberschicht den größten ökologischen Fußabdruck verzeichnet, resultiert, dass alle Staaten „gemeinsame, aber unterschiedliche Verantwortlichkeiten“ übernehmen müssen. Außerdem sollten die SDGs an den entsprechenden Beitrag zur Verursachung der Umweltprobleme und an den Entwicklungsstand einer Nation angepasst werden. Was das bezüglich einzelner SDGs bedeuten kann, soll im Folgenden diskutiert werden.

Der Konsument hat die Macht! Oder?!

SDG 12: Nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster sicherstellen.  

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Konsum ist tief im Alltag verankert: Tagtäglich treffen wir viele Entscheidungen, die mit Konsumfragen zusammenhängen. Dabei wird in einem Großteil der westlichen Gesellschaften der Wohlstand insbesondere über den Konsum definiert, die Freiheit des Konsums zelebriert und Konsum als integraler Bestandteil des Lebensstils betrachtet. Das heisst, dass viele Menschen ihre Identität über ihr Konsumverhalten definieren und wenig Bewusstsein dafür mitbringen, welche Auswirkungen dies auf die globalen Ressourcen und  Ökosysteme hat.  Entsprechende Konsummuster zu verändern, stellt deswegen eine große Herausforderung aber auch Notwendigkeit für eine nachhaltige Entwicklung dar.

Der Konsument verfügt über Wahlfreiheit im Alltag und damit über Nachfragemacht, durch welche er Einfluss auf das Warenangebot nehmen kann. Allerdings ist auch der Konsument in gesellschaftliche und wirtschaftliche Strukturen eingebettet: Der mündige Bürger kann sich zwar dafür entscheiden Bio und regionale Produkte zu kaufen, aber das Angebot muss auch dementsprechend gegeben sein. Infolgedessen ist es zentral, sowohl Anreize auf Seiten der Konsumenten als auch der Produzenten zu setzen.

Die Politik ist hier gefordert, steuernd  in die regionale Wirtschaftsförderung wie auch entsprechende Richtlinien einzugreifen.Ein falscher Schritt wäre es dagegen, Regulierungen und Kontrollen aufzugeben und den freien Markt zu öffnen. Allerdings sollte man sich auch bewusst sein, dass eine nachhaltige Produktion ein verändertes Konsumverhalten nicht ersetzen kann.

Dementsprechend müssen den Konsumenten glaubwürdige und fundierte Informationen frei und leicht zugänglich, in einer anschaulichen und verständlichen Form, zur Verfügung gestellt werden. Insgesamt ist dabei Bildung, ausgerichtet auf eine Problematisierung des eigenen Konsumverhaltens und eine Darstellung alternativer Verhaltensweisen, von zentraler Bedeutung. Weil der mündige Bürger allerdings angesichts einer Flut von vielfältigen Informationen überfordert sein kann, sind staatliche Regulierungen und Kontrollen äußerst wichtig und beispielsweise das Transatlantische Handelsabkomen (TTIP) keine Option.

Letztendlich bedeutet Konsum ein Bewusstsein dafür: Was brauche ich wirklich? Was will ich, warum? Dieses Bewusstsein muss sich einerseits in der Gesellschaft und Wirtschaft herausbilden, aber im ersten Schritt bei jedem selbst.

Nahrung ist genug für alle da! Oder?!

SDG2: Hunger beseitigen, Ernährungssicherheit und verbesserte Ernährung erreichen, eine nachhaltige Landwirtschaft fördern.

Grundsätzlich liegt das Problem der heutigen Nahrungsmittelproduktion nicht primär in der Produktionsmenge – pro Tag wird laut UNCTAD mit 4.600 Kalorien pro Kopf global fast doppelt so viel Nahrung produziert, wie für eine gesunde Ernährung benötigt wird. Vielmehr liegt es in der Frage der Verteilung sowie der nachhaltigen Produktion. Es geht also nicht darum, immer mehr und mehr zu produzieren, sondern dafür zu sorgen, dass jeder Mensch auf dieser Erde Zugang zu gesunder Nahrung hat.

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Die industrielle Landwirtschaft, welche aber eben diesem Prinzip folgt, hocheffizient auf Massenproduktion sowie Monokultur setzt und global immer weiter expandiert, kauft weltweit vor allem in den Entwicklungsländern zunehmend günstiges Land, um noch mehr und noch billiger produzieren zu können. Die Folge: Obwohl die bäuerliche Landwirtschaft vielerorts den lokalen Bedarf an Nahrungsmitteln befriedigen könnte, wird sie dennoch zunehmend von einer auf globalen Handel ausgelegten Lebensmittelindustrie verdrängt. Hinzu kommt, dass internationaler Import und Export lokale Märkte zerstört.

Diese Zusammenhänge weisen klar auf die Interdependenz zwischen lokaler, nationaler und internationaler Handlungsebene hin. Unser Handeln hier hat vielfältige Auswirkungen in unterschiedlichen Regionen der Erde. Die SDGs, wenn sie richtig verhandelt werden, können dazu beitragen, dass auf individueller und politischer Ebene nachhaltige Entscheidungen bevorzugt getroffen werden. Damit tragen sie zu einer besseren Zukunft für uns alle bei.