Containern mit dem Bundespräsidenten

Impressionen der „Woche der Umwelt“ 2016 in Berlin

 

Bei strahlendem Sonnenschein eröffnete Bundespräsident Joachim Gauck die Woche der Umwelt am 7. Juni im Park von Schloss Bellevue in Berlin. Dabei wurde nicht nur die Frage aufgeworfen, wie wir alle miteinander auf diesem Planeten leben wollen und können, sondern auch, wie wir sie besser machen. Jugendliche des Aktionsbündnisses „Zukunft Selber Machen“ forderten den Bundespräsidenten mit einer Weltkugel in den Händen auf, zu erzählen, wie er persönlich die Welt besser macht. Zuallererst habe er zu diesem Austausch ins Schloss eingeladen, aber ganz persönlich wolle er Marmelade aus übrig gebliebenem Obst kochen. „Vielleicht, wenn ich Rentner bin, geh ich abends bei den Supermärkten vorbei und gucke, ob ich das einsammeln kann.“ Obwohl heftiger Applaus gespendet wurde, ergänzte Gauck: „Jetzt geht das noch nicht. Derzeit fahre ich Rad und spare Strom.“

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Um Einsparungen ging es auch an vielen anderen Stellen, wie so oft um CO2-Emissionen. Auf der Hauptbühne wurde unter dem Begriff „Große Transformation“ die Frage der Veränderungsbereitschaft und Stärkung der Selbstverantwortung in der Gesellschaft diskutiert. In vielen Bereichen seien schon enorme Fortschritte gemacht worden, meinte Bärbel Hohn, Vorsitzende des Ausschusses für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit. „Das Einzige sind die Kühe mit ihrem Methan, die wir nicht so schnell CO2 frei kriegen.“ Frei allerdings, das seien die Äcker, nämlich von Insekten. Früher hätte man nach 10 Kilometern die Windschutzscheibe von etlichen Insekten befreien müssen, heute könne man 300 km fahren, ohne eine Säuberung. Der Verlust von Artenvielfalt, die nach oben getriebene Fleischproduktion – Bloß wenige Beispiele, warum Klimaschutz mit den Nachhaltigkeitszielen verbunden werden müsse.

Was macht Deutschland falsch? Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands, forderte verbindliche Rahmen. Der Verbraucher benötige klare, verlässliche Informationen, wie beispielsweise die Eierkennzeichnung. Warum also nicht auch eine CO2-Kennzeichnung? Der Staat sollte sagen: „Ich gebe euch verlässliche, gute Informationen“, so Müller. Internetbotschafterin der Bundesregierung Gesche Joost hielt gegen dieses Regeldefizit, denn Vorschriften auf Verpackungen machten keinen Spaß. Anders sei das mit frei gewählten Ernährungsstilen. Vegan zu leben sei eine positive Lebenshaltung, kein Verbot. Das habe sie im Internet beobachtet, besonders dort, wo sich über Ernährung ausgetauscht wird. Frau Joost propagierte Verbraucherforen im Netz als neue Formen des aktiven Handelns.

„Ich sehe Bürgerpartizipation durch das Netz als Teil nachhaltiger Entwicklung“.

Auch an anderer Stelle fragten sich Experten und Besucher, wie nachhaltige Entwicklung gestaltet werden kann. In den je 7 Fachforen, die zeitgleich stündlich stattfanden, war das Interesse groß am Thema Bildung, denn wie lernen wir Nachhaltigkeit?

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Rita Schwarzelühr-Sutter, DBU-Kuratoriumsvorsitzende, zeigte sich angetan von der Frage einer Jugendlichen, warum es kein Schulfach Nachhaltigkeit gebe. Bildung ist Ländersache, weshalb eine zeitnahe Integration in das Lehrangebot nicht zu erwarten sei. Trotzdem gab sie ein klares Statement für mehr Nachhaltigkeit in Bildungseinrichtungen ab: „Es liegt in unserer Verantwortung, gerechte und hochwertige Bildung zu gewährleisten und zu fördern. Bildung ist der Schlüssel zu nachhaltiger Entwicklung.“

In der Diskussionsrunde wurden nonverbale Bildungsräume gefordert ebenso wie bundesweite Netzwerke, über die angepasste Lehrveranstaltungen entwickelt werden. Schüler des Städtischen Gymnasiums Hennef berichteten von ihren eigenständigen Aktionen für Mitschüler aller Stufen außerhalb des Schulangebots. Dieses erstreckt sich von Interviews mit Passanten auf dem Marktplatz, Upcycling-Workshops, Fotowettbewerben bis hin zur Errichtung einer Veggie-Wunschbox in der Mensa, über die vegetarische Lieblingsgerichte der Schüler von der Kantine nachgekocht werden.

„Engagement dieser Stärke ist unter Studenten immer weniger der Fall“,berichtete Miriam Block vom netzwerk n e.v.. Zumindest längerfristiges Einbringen sei durch das Bachelor-Master-System verringert worden. Im ersten Jahr müsse sich jeder selbst umschauen, einfinden und einarbeiten, im zweiten seien diejenigen dann sehr aktiv und im dritten komme der Abschlussstress, das könne sie aus eigener Erfahrung sagen. Gerade die Erfahrung und das Wissen gehe dann mit dem Umziehen in eine andere Stadt für das weiterführende Masterstudium verloren. Die Initiativen ständen damit jedes Jahr wieder vor einem Problem. Um dieses zu lösen, bildete sich das netzwerk n. Es bündelt bundesweit als Vernetzungsplattform Wissen, Erfahrungen und Kompetenzen zwischen studentischen Initiativen, einzelnen Studierenden, Absolvent*Innen und Promovierenden. So könne die Wissenschaftspolitik aktiv mitgestaltet werden.

Auch ohne festes Engagement kann jeder derzeit direkt die Aktion von „Zukunft Selber Machen“. Unter dem Hashtag #selfmadefuture können Statements zum eigenen weltverbesserndem Handeln abgegeben werden, denn das Ziel ist groß: 1 Million Statements sollen zusammenkommen.

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Obschon es nur zwei Tage waren, kann insgesamt eine positive Bilanz gezogen werden. Für viele Unternehmen ist Nachhaltigkeit und Klimawandel nicht mehr nur Marketingstrategie, sondern ein ernsthaftes Thema. Nach der Einigung der Staaten auf der COP 21 sollte die Stimmung eigentlich positiv sein. Trotzdem ließ viele Zuhörer und Partizipanten die fehlende Wahrnehmung der Brenzlichkeit und die schleppende Umsetzung dieser globalen Vereinbarungen nicht los. Ein denkwürdiges Zitat von Peter Sloterdijk, eingeworfen von einem Diskutanten, könnte als Antwort auf die Frage taugen, warum wir besseren Wissens nicht nachhaltig handeln:

Die Menschen sind Zukunftsatheisten, sie glauben nicht an das, was sie wissen.

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