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2017 | Deutschland

Der Anfang einer Reise

Nachhaltigkeit zu leben ist eine Herausforderung – ob es um nachhaltigen Konsum, nachhaltige Bildungslandschaften oder nachhaltigen Klimaschutz geht. Das wird uns auch durch den Konsens unserer Alltagsgespräche und durch zögerliches politisches Handeln suggeriert. Die 17 Sustainable Development Goals der UN gelten als globale Ziele zur Sicherung einer nachhaltigen Entwicklung auf ökologischer, ökonomischer und sozialer Ebene. Nachhaltigkeit wird damit in allen Dimensionen forciert und globale Umweltveränderungen werden grundlegend einbezogen. Denn ohne die Bemühungen einer grundlegenden Sicherung an ökologischen Grundlagen, ist auch die Umsetzung hochwertiger Bildung oder die Arbeit an einer nachhaltigen Konsumkultur gar unmöglich.

SDG 13 Climate Action

Die Menschheit ist dabei, ihre Existenzgrundlage zu vernichten. Klingt schlimm, ist es auch. Der Kern dabei: der Verbrauch fossiler Brennstoffe. Die damit einhergehende globale Erderwärmung bedingt einen Wandel des Klimas. Die klimaassoziierten Umweltveränderungen und Auswirkungen betreffen unterschiedliche Länder und Regionen in verschiedenem Ausmaß. Sie sind mehr oder weniger extrem spürbar und werden in den nächsten Jahren sogar noch zunehmen: das erhöhte Risiko von Extremwetterereignissen wie Starkniederschlägen und Hochwasser gefährdet Existenzgrundlagen. Hohe gesundheitliche Belastungen durch verminderte Lebensmittelsicherheit und Wasserqualität nehmen zu, Erkrankungen bahnen sich ihren Weg und sowieso ist die weltliche Infrastruktur in Sachen Sicherheit mürbe.

Aber wir wollen den negativen Kern und das Potenzial einer mittelschweren Sinnkrise an dieser Stelle der Geschichte gar nicht weiter ausführen. Denn viele Länder und Regionen sehen und verstehen das Problem und handeln.

Als SDG 13 verbirgt sich hinter „Climate Action“ das Ziel, anthropogene Einflüsse auf das Klimasystem zu mindern und die globale Erwärmung sowie ihre Folgen zu verlangsamen. Klimapolitisch heißt das insbesondere, den CO2-Ausstoß zu verringern und die 2°C-Grenze der globalen Erderwärmung nicht zu überschreiten. Neben der Nutzung regenerativer Energien wird in nationalen Klimaschutzplänen ein verändertes Verkehrs-, Bau- und Konsumverhalten gefragt. Im Bereich der Klimafolgenanpassung soll die Widerstandsfähigkeit von Orten, Individuen und der natürlichen Umwelt erhöht werden. Hierbei geht es um Gebäudearchitektur, Infektionsschutz, Katastrophenschutz und Notfallpläne.

Um die Transformation voranzubringen, müssen alle an einem Strang ziehen. Jede*r Einzelne kann durch nachhaltiges Konsumverhalten und einen ressourcenarmen Lebensstil Veränderung bewirken. Climate Action heißt dabei auch, sich dem Jetzt bewusst werden und es kommunizieren, um eine geeignete Klimakultur gemeinsam zu gestalten.

SDG 4 Quality Education

Eine Straße voller Hieroglyphen

Könnt ihr euch vorstellen durch die Straßen zu laufen und nur wirre Buchstaben zu sehen? Keine Schriften zu verstehen, Zeitung, Straßenschilder, Anzeigen, Briefe einfach nichts. Es ist für die meisten kaum noch vorstellbar, ein Leben ohne Buchstaben zu führen, ein Leben ohne Lesen und Schreiben. Doch selbst in Deutschland gibt es ca. 7,5 Millionen Analphabeten, die von der Welt der Buchstaben ausgeschlossen bleiben.

Bildung ist die zentrale Voraussetzung für das Mitwirken in der Gesellschaft und in globalen Prozessen. Nur wer die aktuellen Themen der Welt versteht, mitbekommt, was die Politik beschäftigt und wie Prozesse funktionieren, kann dazu seine Meinung preisgeben.

Bildung für Alle ist somit eines der wichtigsten Ziele, eine Transformation unserer Gesellschaft anzuregen. In vielen Schulen werden immer noch die gleichen Fächer unterrichtet wie vor 20 Jahren. Es gibt neue Technologien, neue Wissensgebiete und viel mehr Möglichkeiten, an Informationen zu kommen als es früher möglich war. Daher sollte man anfangen, auch die Strukturen in der Schule zu verändern. Alte Unterrichtsmethoden aufzulockern und neue Themen an die Schüler*innen zu bringen.

Könnt ihr eine Eiche von einer Buche unterscheiden? Und lernt ihr, wie man sein Geld sinnvoll anlegt? Das wahrscheinlich weniger, aber dafür könnt ihr ganz einfach die dritte Ableitung einer Funktion 4-Grades bestimmen oder?

Innerhalb der Grundausbildung sollte der Fokus mehr auf lebensnahen und aktuellen Themen liegen. Ein Basiswissen zum Klimawandel und zur Wertschätzung der Natur sollte angestrebt werden. Nur wer seine Umwelt versteht und diese wertschätzt, kann sich für ihren Schutz einsetzten. Es geht darum, der breiten Bevölkerung eine nachhaltige Lebensweise näherzubringen. Die ersten Grundsteine dazu sollten schon in der Schule gelegt werden. Denn mit Menschen zu kommunizieren, die verstehen was die Probleme unserer Welt sind, macht es viel einfacher, diese auch zu lösen.

Anfangen kann man damit, Fächer einzurichten, deren Schwerpunkte auf globalen Umweltproblematiken liegen, mit den Kindern öfter in Diskussion treten, sie selbst Probleme erkennen lassen und gemeinsam eine Lösung finden. Weg vom puren Frontalunterricht und Schüler*innen unterschiedlicher Meinungen Ansichten diskutieren lassen und diese respektieren. Man sollte öfter nach draußen gehen und die Umwelt kennen lernen, die Natur kennen lernen. Klein anfangen, aber früh anfangen, das ist die Lösung. Bringen die Schüler*innen ausreichend Wissen über nachhaltige Entwicklung und Konfliktlösungen mit, sind sie gut gewappnet, in unserer globalisierten Welt den Transformationsprozess voranzubringen.

SDG 12 Responsible Consumption and Production

2. August 2017 – Earth Overshoot Day: ab diesem Tag verbrauchen wir weltweit mehr Ressourcen als nachwachsen können. Jedes Jahr rückt dieser Tag im Kalender ein wenig weiter nach vorne. Vor 30 Jahren haben wir mit unseren Ressourcen noch so gehaushaltet, dass diese erst am 19. Dezember verbraucht waren – also 139 Tage später. Obwohl die Problematik des Klimawandels schon damals bekannt war – mit der Agenda 21 fand das Leitbild der Nachhaltigkeit immerhin schon 1992 in Rio Einzug in die internationale Politik – geht der Ressourcenverbrauch nicht zurück. Im Gegenteil: er beschleunigt sich scheinbar unaufhaltsam Jahr für Jahr.

Mit SDG 12 Responsible Consumption and Production haben die Staaten nun erneut die Relevanz ressourcenschonenden Konsums und Produktion anerkannt. Neben der Umsetzung des 10-Jahres-Rahmens von Programmen zu nachhaltigen Konsum- und Produktionsmustern von 2012 werden die effiziente Nutzung natürlicher Ressourcen, die Eindämmung der Nahrungsmittelverschwendung, ein umweltverträglicher Umgang mit Chemikalien, Unternehmensverantwortung sowie Bildung für Nachhaltige Entwicklung forciert.

Auch auf individueller Ebene besteht Handlungsbedarf. Sei es der Sonntagsbraten, Kleidertauschparties, Do-It-Yourself, Upcycling, Reparaturwerkstätten, Mitfahrgelegenheiten, Wohnkooperativen – die Möglichkeiten, sich dem Teufelskreislauf des Konsums zu entziehen, sind vielfältig. Seit 2017 schafft Schwedens Regierung beispielsweise durch Steuerreduzierungen Anreize, Dinge zu reparieren und wirkt damit der Wegwerfgesellschaft entgegen. Getreu dem Motto Sharing is Caring sollten wir unsere täglichen Konsumentscheidungen überdenken und uns unserer Wirkungskraft bewusst werden. Und vielleicht ist Zeit doch schöner als Geld, gemeinsam schöner als allein, teilen schöner als festhalten.

Ja, Nachhaltigkeit zu leben ist eine Herausforderung. Aber der Anfang der Reise hin zu einer nachhaltig lebenden Gesellschaft ist auch spannend, voller interessanter und neuer Möglichkeiten und insbesondere: dringend notwendig.

 

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