Wo stehen wir und wohin wollen wir mit der Reallabor-Forschung: Reallabor Symposium Karlsruhe

Am 27. April 2018 fand in Karlsruhe das vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg (MWK) veranstaltete „Reallabor Symposium“ anlässlich des Abschlusses der ersten Förderphase der Baden-Württemberger Reallabore (BaWü-Labs) statt. Die Veranstaltung gab viel Raum für Austausch und Diskussionen zwischen und über die derzeit insgesamt 14 BaWü-Labs, welche vom MWK nach einem Expertenbericht ins Leben gerufen wurden.

csm_700x360_reallabor_symposium_1ca873856c

(Quelle: Quartier Zukunft, Katja Saar)

Der Tag startete mit einem von Studierenden gestalteten Nachhaltigkeitsspaziergang, der im Rahmen des Reallabors 131: KIT findet Stadt (Karlsruher Institut für Technologie) in Karlsruhe entstand. Beim Spaziergang durch die Karlsruher Oststadt konnten die Interessierten, hauptsächlich aus der Wissenschaft, aber auch Vertreter*innen von zivilgesellschaftlichen Initiativen, Studierende und (wenn auch wenige) Bürger*innen den Zukunftsraum besuchen. Dies ist ein ehemaliges Ladengeschäft, das nun das „Herzstück“ des R131 bildet und Raum für Veranstaltungen, Treffpunkte, Büros und Diskussionen bietet.

Eingeleitet wurde das Symposium im  Bürgerzentrum Südstadt durch Felix Wagner vom MWK, welcher den Hintergrund der Forschungsförderung von Reallaboren in Baden-Württemberg beleuchtete. Nur am Rande wurden die anderen Förderansätze wie z.B. das Kopernikusprojekt ENavi erwähnt.

Auf der BaWü-Lab Messe konnten die 14 Reallabore Baden-Württembergs  in Form von Ständen, Exponaten und Kurzfilmen „besucht“ werden. In den persönlichen Gesprächen wurden immer wieder die Herausforderungen durch den hohen Arbeitsaufwand bei beschränkten personellen, finanziellen, wie auch zeitlichen Ressourcen zum Thema. Eine Folge ist, dass ein Großteil der Publikationen über Reallabore von der Begleitforschung stammt und nicht von den direkt in den Projekten beteiligten Wissenschaftler*innen. Durch die starke Forschungsförderung innerhalb Baden Württembergs besteht die Gefahr, dass der Diskurs von einigen wenigen Institutionen und regionalen Projekten bestimmt wird.

Die Wissenschaftsministerin Theresia Bauer hob im Anschluss nicht nur die eigenen Leistungen hervor, sondern rief von allem zur Weiterentwicklung des Reallabor-Ansatzes und der Öffnung universitärer Einrichtungen für die Gesellschaft auf. Deutschland stehe hier im internationalen Vergleich noch hintenan. Der Oberbürgermeister von Karlsruhe, Frank Mentrup beleuchtete die Stadtgeschichte. Es zeigte sich, dass Karlsruhe bereits früher ein Ort von Partizipation und Mitbestimmung war. Heute liege der Fokus auf Innovationsentwicklungen und partizipativen, experimentellen Ansätzen wie Reallaboren als Schnittstellen zwischen Wissenschaft und Gesellschaft.

Die fachlichen Einblicke in die Begleitforschung zu den Reallaboren gaben erste Einblicke in vorläufige Forschungsergebnisse. Bisher scheinen die Bildungspotentiale der Projekte noch nicht voll ausgeschöpft. Die „Realexperimente“, also das Testen gemeinsam mit gesellschaftlichen Akteur*innen entwickelter Ideen spielen in der Praxis eine geringere Rolle als in der Theorie vermutet. Dies mag womöglich an Beschränkungen durch gesetzliche Regelungen liegen, welche ein Austesten von Innovationen nur beschränkt erlauben. Auch ungeklärte Regelungen und Verantwortlichkeiten bei einem möglichen Scheitern der Versuche könnten ein Hindernis sein.

In der Fishbowl-Diskussion, einer Podiumsdiskussion mit Beteiligung der Zuhörenden, wurden die angesprochenen Punkte noch einmal aufgegriffen und die Frage gestellt „Reallabor, wohin gehst du?“ Eugen Huthmacher vom BMBF kritisierte, die Diskussion um Reallabore drehe sich zu sehr um den Weg und weniger um den Zusatznutzen  und gesellschaftlichen Einfluss. Andere hielten dagegen, gerade der Prozess sei das verbindende Element der Reallabore. In jedem Fall mag es Sinn machen, sich das ursprüngliche kritische und systemtransformierende Element von Reallaboren in Erinnerung zu rufen. Dabei geht es nicht nur um die Entwicklung technischer Lösungen z.B. für Energieprobleme, sondern auch um einen gesellschaftlichen Suchprozess wie wir in Zukunft im Einklang mit den verfügbaren Ressourcen leben wollen und können. Diese Frage kann keine wissenschaftliche Disziplin und die Forschung allein beantworten, sondern es braucht gemeinsame Aushandlungsprozesse mit der Gesellschaft und vor allem Bürger*innen. Diese waren während der Veranstaltung leider nur vereinzelt zugegen. Möglicherweise weil die Veranstaltung unter der Woche stattfand bzw. im Vorfeld nicht öffentlichkeitswirksam kommuniziert wurde.

Das am Abend stattfindende Reallabor Theater (Scientific Theater Freiburg) und vor allem die vor dem Gebäude in der Wohnsiedlung stattfindende Feuershow bekamen dann aber doch die Aufmerksamkeit einiger Passanten und Anwohner beobachteten die Wissenschaftler*innen von ihren Balkonen aus. Reallabore können hier Raum und Anlass zur Annäherung und gemeinsamer Arbeit geben, was über die gegenseitige Beobachtung hinausreicht. In Baden-Württemberg gibt es schon gute Beispiele.

Das KMGNE ist aktuell über das BMBF Projekt ENavi an den Reallaboren Elde-Quellgebiet und Nordwest-Mecklenburg zum Thema Energie beteiligt. Darüber hinaus finden in dem Projekt  Digitale Bildungslandschaft, das von der Robert Bosch Stiftung gefördert wird, Arbeiten zu Reallaboren statt.

 

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s