Nachhaltigkeit erzählen: Lokale Lösungen unter die Lupe nehmen

Klimarekorde werden wöchentlich gebrochen, die Plastikflut in den Ozeanen nimmt unkontrollierbare Ausmaße an, Arten sterben aus, jeden Tag, jede Sekunde. Egal, wohin man schaut, droht der Weltuntergang. Dass diese Probleme real und bedrohlich sind, ist keine Frage.

Doch wie wir damit umgehen, ist etwas, das wir hinterfragen sollten. Anstatt dem Problemberg immer noch weiteren negativen „Müll“ aufzuhalsen, wäre es hilfreich, verschiedene Lösungsansätze und Ideen genauer unter die Lupe zu nehmen. Kleinräumige, kreative, lokal individuelle Strategien zur Bezwingung dieses Problembergs gibt es zuhauf – nur erfahren wir viel zu selten davon. Gerade im Bereich Nachhaltigkeit im Stadtleben sprießen allerorts kleine Ideen aus dem Boden, die sich aber auch leicht in anderen Orten umsetzen lassen können.

Die folgenden drei Geschichten erzählen von kleinen oder größeren Projekten, die unser Leben ein bisschen nachhaltiger machen können. Nachahmung empfohlen!

Detroit: Mit Nachhaltigkeit und Urban Gardening dem Wegzug trotzen

Urban Gardening in Detroit (USA).
Foto: Michigan Municipal League. (Lizenz: CC BY-ND 2.0, keine Änderungen).

Bis vor etwa zehn Jahren stand es schlecht um die US-Stadt Detroit: Durch den Zusammenbruch der Automobilindustrie verließen viele Menschen die Stadt, in der Hoffnung, anderswo bessere Lebensbedingungen zu finden. Arbeitslosigkeit und Kriminalität stiegen rapide an, durch Zwangsenteignungen ähnelten ganze Straßenzüge einer Geisterstadt. Viele blieben jedoch auch in der Stadt, die für sie Heimat bedeutete. Anstatt aufzugeben, wurden sie kreativ: Überall sprossen Bürgerinitiativen aus dem Boden, die das Ziel haben, die Menschen vor Ort zu versorgen. Urban Gardening wird in Detroit großgeschrieben.

So zum Beispiel auch die „D-Town Farm“ – ein kleines Team aus Festangestellten und Freiwilligen beackert hier rund 3 Hektar Land und baut mit nachhaltigen Methoden 30 verschiedene Obst- und Gemüsesorten und Kräuter an. Jeder kann mithelfen, Gemeinschaft und Integration sind zwei der Hauptkriterien der Farm. Das Hauptziel des Projektes ist es, Nahrungsmittelsicherheit für die schwarze Bevölkerung der Stadt zu garantieren. Außerdem wollen die Mitglieder der „D-Town Farm“ urbane Landwirtschaft in den Fokus rücken, gesunde Ernährung den Menschen näherbringen und junge Leute ermutigen, im Nahrungsmittelbereich zu arbeiten – sei es in der Landwirtschaft, Imkerei, oder Tierzucht.

Solche Kooperationen und Projekte können die Gemeinschaft der lokalen Bevölkerung stärken, nachhaltige Landwirtschaft mit kommunalen Bedürfnissen verbinden und den Menschen neue Blickwinkel geben. Vielleicht auch ein Modell, das in vielen anderen Städten anwendbar ist. So könnten sie ihre Nahrungsmittelsicherheit dadurch wesentlich nachhaltiger gestalten – und nebenbei auch unter sozialen Aspekten profitieren.

Autorin: Leonie Fößel.

Aufgemöbelt: Wir retten einen Schrank

Zu schade für den Sperrmüll ist dieser Buffetschrank.
Foto: Marian Hüer.

Sein Alter ist ihm anzusehen. Etwas wackelig steht er auf seinen Füßen und seine Haut ist vernarbt in all den Jahren. Und doch wollen meine Mitbewohnerin Olivia und ich ihn in unsere WG aufnehmen, diesen alten Buffetschrank. Da ihn sonst niemand haben will, dürfen wir ihn kostenlos von den Vorbesitzern mitnehmen. Er besteht aus zwei Teilen: Unten eine Art Kommode mit zwei Türen und zwei Schubladen darüber, oben eine Vitrine mit zwei Glastüren. Er ist für sein Alter noch gut in Schuss: die Türen gehen ohne Probleme auf und zu, die zwei Glasscheiben sind intakt. Allerdings riecht er stark nach „Garage“ und sein Holz hat wirklich eine Behandlung nötig: Flecken, Kratzer, Holzwurmlöcher.

Was jetzt ansteht, ist heutzutage fast ungewöhnlich: eine Reparatur. Etwas zu reparieren heißt, etwas wieder brauchbar zu machen. Es bedeutet auch, Dinge weiter- und wiederzuverwenden. Und wer etwas repariert, setzt sich intensiv mit dem Gegenstand auseinander, den sie oder er wieder flott macht.

Olivia und ich informieren uns erstmal über Holzwürmer und lernen, dass sie eigentlich Larven sind. Und zwar die des Gemeinen Nagekäfers. Wir lernen, dass das befallene Holz nicht zwingend mit Holzwurmgift behandelt werden muss – ein Nervengift, das auch für Menschen nicht ungefährlich ist. Nach etwas Recherche stoßen wir auf ein paar Hausmittel, die Holzwürmer gar nicht mögen, aber die nicht umwelt- und menschenschädlich sind. Essigessenz wird das Mittel der Wahl. Riecht auch scheußlich, aber ist wesentlich ungefährlicher. Randbemerkung: Essig ist auch deutlich günstiger. Als nächstes schleifen wir das Holz ab und lasieren es anschließend. Eine Menge Arbeit. Aber es ist auch ein wohltuender Ausgleich, Tastatur und Maus ab und zu gegen Schleifmaschine und Pinsel zu tauschen. Es ist schön, zu sehen, wie der Schrank allmählich wieder frisch aussieht.

Inzwischen steht der Schrank im Gemeinschaftsraum unserer WG. Er sieht nicht perfekt aus (wer tut das schon?). Aber er ist wirklich hübsch geworden. Sein Holz hat wieder Farbe bekommen und dank der neuen Füße steht er auch wieder sicher. Reparieren ist wirklich eine spannende Sache. Nervenaufreibend ja, aber unglaublich lehrreich und in einigen Momenten auch wiederum sehr entspannend. Und es scheint, als wäre der Schrank so viel mehr zu unserem geworden als hätten wir ihn einfach nur gekauft.

Autor: Marian Hüer.

Ein Blick in die Zukunft: Bus und Bahn – kostenlos rechnet sich!

Vorbild Tallinn: kostenloser ÖPNV. Bald in ganz Europa?
Foto: Schnitzel_bank (Flickr.com) (Lizenz: CC BY-ND 2.0, keine Änderungen).

Was es in Estlands Hauptstadt Tallinn im Nahverkehr seit sechs Jahren gibt, wird nun europaweit für den Nah- und Fernverkehr eingeführt. Nach der gescheiterten CO2-Steuer haben sich die EU-Länder darauf geeinigt, etwas Verbraucherorientiertes zu machen, das die Verbraucher darin unterstützt, das Auto stehen zu lassen und sie dabei noch wirtschaftlich entlastet. Klimaschutz soll schließlich Spaß machen.


Die Trams, Züge und Busse sind modern, sauber, barrierefrei – und keineswegs überfüllt. Wer möchte, kann den WLAN-Anschluss nutzen. Viele Städte kämpften bislang mit dem zunehmenden Verkehr und den Problemen, die er mit sich bringt. Das ist nun vorbei. Finanziert wird das Vorhaben in Deutschland mit den Millionen Euro, die bislang dazu verwendet wurden, eine Autobahn leicht angeschrägt zu bauen, so dass Autos selbst in Kurven 200 km/h fahren können.

Autorin: Gisela Best.

Argumente für eine nachhaltige Lebensweise gibt es viele. Was oft zu kurz kommt, sind die Visionen für eine gelingende und nachhaltige Zukunft. Geschichten, die Menschen inspirieren. Beispiele und Vorbilder, die ihnen zeigen, dass diese Veränderung – richtig angepackt – nicht Verzicht, sondern ein besseres Leben bedeuten kann. Wir Teilnehmer*innen der Internationalen Sommeruniversität 2019 des CCCLab möchten mit diesen kleinen Geschichten einen Beitrag leisten.

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s