Von Vielfalt, anderem Wirtschaften und unseren Potenzialen

Die Sustainable Development Goals (SDGs/ Ziele für nachhaltige Entwicklung) wurden in New York im September 2015 im Rahmen der 2030-Agenda von 193 Ländern unterzeichnet und gelten als Meilenstein in der großen Transformation der Welt hin „zum Besseren“. Die SDGs appellieren erstmalig an alle Länder gleichermaßen. Auch Industrieländer haben sich „zu entwickeln“, um die Ziele zu erfüllen. (Martens J. & Obenland W. (2016): Die 2030-Agenda: Globale Zukunftsziele für nachhaltige Entwicklung. S.9). Im Rahmen der Internationale Sommeruniversität 2020 in Kanitz beschäftigen wir uns mit den Narrativen der SDGs und planetarischen Leitplanken. Wir diskutieren über die gegenwärtigen Narrativen der SDGs und neuen Narrativen, welche Potenzial zur Transformation der bestehenden gesellschaftlichen und kulturellen Verhältnisse besitzen und möglicherweise zu zukünftigen Narrativen wachsen können. Zwei uns wichtig erscheinende SDGs stellen wir euch an dieser Stelle vor, mit unseren wünschenswerten neuen Narrativen:

Ziel 5: Gleichstellung des Geschlechter

1. Das Aufbrechen klassischer Rollenbilder verschafft Frauen im privaten als auch öffentlichen Bereich die Chance der vollkommenen, gesellschaftlichen Teilhabe.

Gleichstellung gefährdet die traditionelle Form von Familie zum Leid der Gesellschaft – so ein Quatsch und trotzdem – das normierte Leitbild der Aufgabenverteilung in der Familie in dem die Partnerin ihrem Partner beruflich den Rücken freihält, vertraten Männer (mit Partnerin) in Deutschland im Jahr 2015 noch mit 80% in allen Altersgruppen (Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2016): Männerperspektiven: Auf dem Weg zu mehr Gleichstellung, S.10). Aber diese Norm verliert in den jüngeren Generationen zunehmend an Zustimmung und das ist auch gut so, denn erst das Aufbrechen klassischer Rollenbilder verschafft Frauen im privaten als auch öffentlichen Bereich die Chance der vollkommenen gesellschaftlichen Teilhabe.

2. Keine Gesellschaft kann es sich leisten, die Potenziale einer Hälfte der Menschheit zu vernachlässigen, daher müssen gleiche Bildungschancen für alle gewährleistet werden.

So viel ist bekannt: Lebens- und Berufsverläufe sind bei Frauen, als auch bei Männern, nicht nur von individuellen Entscheidungen abhängig, sondern werden in gleicherweise auch von gesellschaftspolitischen Wertehaltungen und wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen beeinflusst. Viele junge Menschen folgen aus diesem Grund immer noch klassischen Rollenbildern bei ihrer Berufswahl. Damit sich jedes Kind unabhänig vom Geschlecht frei für einen Beruf entscheiden kann, ist es wichtig schon im Kleinkindalter für diese Thematik zu sensibilisieren.

3. Private Care-Arbeit und die Arbeit in sozialen Berufen werden gesellschaftlich gewürdigt und Männer und Frauen sind in ihnen in gleicher Weise vertreten.

Dieses zukunftsweisende Narrativ gründet sich auf dem gegenwärtigen Zustand, dass mehrheitlich Frauen im sozialen Bereich der Gesellschaft aktiv bzw. vertreten sind. Im privaten Haushalt kümmern sich öfter Mütter als Väter um die Kinderbetreuung und in Berufen wie Erzieher*in, Krankenpfleger*in, Pädagog*in sind Frauen stärker vertreten. Darüber hinaus ist die Care-Arbeit zuhause ist unentohnt und der Verdienst in sozialen Berufen im Vergleich zu anderen Tätigkeiten zu niedrig. Wenn die im Narrativ benannten Transformationsprozesse vollzogen würden, entstünde eine höhere Wertschätzung für die Arbeit im sozialen Bereich. Die gleichmäßige Aufteilung der Verantwortung fördert die Zusammenarbeit und ist somit eine stabilere Stütze für die Gesellschaft.

SDG 8: Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum

1. Das Potenzial der Gesellschaft steigt mit der Vielfalt eines Jeden, mit seiner Weise und seinen Talenten.

Im derzeitigen Diskurs steht nach wie vor Wohlstand und Wirtschaftswachstum durch Leistungserbringung im Vordergrund. Eine Leistungsgesellschaft lebt davon, dass jeder seine Aufgaben/seine Rolle in der Gesellschaft auf eine bestimmte Weise erfüllt. Als transformatives Narrativ sehen wir daher einen Wandel zu einem Fokus auf die Stärken des Individuums als erstrebenswert. Wenn jede*r sich so einbringt, wer er*sie es am besten kann und auf die eigene Art, ensteht eine breitgefächerte und vielfältigere Gestaltung der Gesellschaft. Somit eröffnen sich mehr Möglichkeiten für neue Innovationen und Potenziale für die Zukunft.

2. Gleichsame Wohlstandsmaximierung für alle (Länder) geht nur ohne Ausbeutung.

Dass wir in Deutschland verschwenderisch und nicht nachhaltig mit unserem Ressourcen umgehen, zeigt das Konzept des ökologischen Fußabdrucks. Demnach verbrauchen wir mehr als uns zusteht. Ganz konkret: Würde die gesamte Weltbevölkerung leben und Ressourcen verbrauchen wie wir, wären mehr als drei Erden notwendig. (Umweltbundesamt (2019): Earth Overshoot Day 2019: Ressourcenbudget verbraucht. Online unter: https://www.umweltbundesamt.de/themen/earth-overshoot-day-2019-ressourcenbudget (letzte Nutzung: 16.07.2020) Dies signalisiert, dass wir anderen auf diesem Planeten etwas entnehmen, welches unserer Meinung nicht rechtens ist und ihnen Leid – wie Hunger, geringeren Zugang zu sauberem Wasser und Strom – zuführt. Diesen Ländern werden die Möglichkeit und die Hoffnung entrissen, „sich zu entwickeln“ um aus der Armut weg zu gelangen. Wir haben schließlich nur diese eine Erde. Gleichzeitig ist Verschwendung und Missbrauch von Ressourcen durch oftmals alleinig profitorientiertes Wirtschaften ein Problem geworden in der westlichen Welt. In Deutschland werden ein Drittel aller Lebensmittel täglich weggeschmissen und 16% der Bevölkerung erleiden an Fettleibigkeit (Martens J. & Obenland W. (2016): Die 2030-Agenda: Globale Zukunftsziele für nachhaltige Entwicklung. S.35ff). Nach unserer Meinung ist das derzeit vorherrschende Narrative in unserer Gesellschaft in Sachen Konsum- und Produktionsweise eher: „Umso mehr Wachstum, desto besser geht es dem Land und der Bevölkerung“.

3. Kreislauforientiertes Wirtschaften ist nur mit der verantwortungsvollen Nutzung der terrestrischen Rohstoffe und der Arbeitskraft möglich.

Wollen wir als menschliches Wesen produktiv arbeiten, brauchen wir ausreichend Schlaf, eine ausgewogene Ernährung und Bewegung. Sind wir länger gestresst, rangt unser Körper nach Erholung – in gleicher Weise funktioniert es mit dem lebendigen System unserer Erde. Wollen wir auf lange Sicht ein gutes Leben führen und die Wirtschaft am Laufen halten, geht das nur mit einer verantwortungsvollen Nutzung der terrestrischen Rohstoffe. Profitorientiertes Denken und schnelles Verbrauchen, z.B. bei der Abholzung des Regenwaldes gelten hier nicht. Das lebendige System Erde gerät bald außer Kontrolle und braucht eine Blaupause. Das derzeitige Narrativ ist jedoch noch „Wirtschaftswachstum ist notwendig, um Wohlstand zu generieren“. Der Glaube an unendliches Wachstum als etwas Gutes ist (wie im vorherigen Narrativ) unserer Meinung nach ein Irrglaube, da wir nur eine Erde mit endlichen Ressourcen haben.

Autorinnen: Johanna, Sarah, Lotta, (Caro) (Gruppe 3 / 2020)

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