03.10.2040 – DIE LAGE AM MITTWOCH

Nina Schleidt, Nicol Hartz & Marie-Lisa Feller

Jeden Mittwoch berichten unsere Autorinnen und Autoren über die aktuellen Themen, die uns in diesem Jahr 2040 beschäftigen. An dem heutigen Mittwoch, dem 50. Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung, wollen wir nicht nur historisch zurückblicken, wir wollen unser Augenmerk insbesondere auf die ökonomischen Entwicklungen richten, die ganz wesentliche Stellschrauben waren auf dem Weg zur großen Transformation. Von der Arbeit als Beitrag zum Gemeinwohl, über ressourcenschonende Konsummuster bis hin zum neuen Schulfach „Glück“. Wir haben an diesem heutigen Jahrestag ein buntes Potpourri verheißungsvoller Neuigkeiten für Sie zusammengestellt, die Mut machen für den weiteren transformativen Weg und auch ein bisschen stolz, auf das was wir in so kurzer Zeit doch noch geschafft haben. 

Aber schauen Sie selbst. Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen. 

PS: Schon gewusst, die LAGE AM MITTWOCH pflanzt pro gelesenen Artikel einen Baum im Dannenröder Wald – einstiger Schauplatz der Klimaaktivist:innen, die damals noch in der deutlichen Unterzahl waren.  

Buchveröffentlichung: Tim Jackson über unseren Weg zum Wohlstandskonzept

„Unser Wohlstandskonzept 2040 – Aus Utopie wurde Wirklichkeit“ lautet der Titel von Tim Jacksons neu erschienenem Buch. Er beschreibt in den knapp 400 Seiten rückblickend, wie wir es schafften, die Volkswirtschaften der westlichen Welt Schritt für Schritt zu transformieren: von einer reinen Wachstumslogik hin zu einer Entkopplung von Wachstumsgedanken und Wohlstand. Was 2009 mit der Veröffentlichung seines damals noch revolutionär klingenden Buches „Wohlstand ohne Wachstum“ als kleines wachstumskritisches Nischenthema galt, ist nun breit anerkannter Konsens, auch in den klassischen Wirtschaftswissenschaften. In einem Interview mit dem Autor beschreibt dieser, die Etablierung eines neuen Indexes, dem Better Life Index, der sich ganzheitlich an verschiedenen Faktoren für gesellschaftliches Wohlergehen orientiert, wie etwa Lebenszufriedenheit, Umwelt oder Gesundheit.

Auch im Journalismus hat sich die Berichterstattung von einem neoklassischen Wachstumsparadigma gewandelt. Die heutige Berichterstattung konzentriert sich verstärkt darauf, Projekte, Ziele und Entwicklungen abzubilden, die gesellschaftlichen Wohlstand anhand sozialer und ökonomischer Kriterien messen und stellt dabei aber immer die Ökologie und die planetaren Grenzen in den Mittelpunkt. 

Über die Diversität und Wertschätzung des Faktors Arbeit

Scheint heute die Idee, Arbeit ausschließlich für ihren Beitrag zum Bruttosozialprodukt zu bewerten schon fast altertümlich, war es lange Zeit Normalität, Arbeit anhand ihrer wirtschaftlichen Produktivität zu messen und basierend darauf gesellschaftlich anzuerkennen. „Der Begriff Arbeit hat in den vergangenen Jahrzehnten eine neue Bedeutung bekommen für die Menschen“, so die Bundesministerin für Arbeit, Soziales und Zeitwohlstand in einem Interview (Ausgabe 09/2040). Weg von einer engen Definition einer 40-Stunden Woche, lässt der Begriff heute vielfältige Arbeitskonzepte zu: Für manche bedeutet das eine 20-Stunden Woche, andere legen ein GAP-Jahr ein, Mutter- und Vaterschaftszeit erfahren große gesellschaftliche Wertschätzung und sind durch das reformierte Sozialversicherungssystem sehr gut abgesichert. Eines haben sie alle gemein: Sie orientieren sich an ihrem Beitrag zum Gemeinwohl. Auch wenn dadurch in den vergangenen Jahrzehnten viele Jobs besonders im Börsen- und Finanzsektor weggefallen sind, finden heute die meisten Menschen eine Arbeit oder Beschäftigung ohne Druck, da nicht die finanzielle Absicherung im Mittelpunkt steht, sondern Sinnhaftigkeit, Gemeinwohl und Selbstbestimmung.

Die Regularien der Kommission für nachhaltige Innovation und Technologie zeigen erste Wirkungen in Sachen Klimaschutz

Die Einberufung der Kommission für nachhaltige Innovation und Technologie jährt sich heute zum 10. Mal. Vor dem Hintergrund der Digitalisierung und der sich rasant entwickelnden neuen Technologien, wurde die Kommission damit beauftragt, jede neue technologische Entwicklung kritisch von der Kommission für nachhaltige Innovation und Technologie geprüft und bewertet. Maßstab ist damit nicht mehr die rein technische Fähigkeit, ein Produkt oder Prozess zu erschaffen, sondern die Frage, ob dies von der Gesellschaft gewollt und gebraucht wird. Die Arbeit der Kommission habe nachweislich einen großen Einfluss gehabt auf die Entwicklung neuer Innovationen und Technologien, so Claus Friedrich, Professor für Re-Modernisierung an der Universität Berlin. „Der lange weit verbreitete Gedanke der ökologischen Modernisierung wurde abgelöst von einer Reformierung des Fortschrittsgedanken. Fort-Schritt bedeutet nicht ‚weiter, schneller, höher‘ sondern nachhaltiger, ressourcenschonender und sozialverträglich.“ Deutschlandweite Innovationen wie etwa die Speicherung von Energie der Erneuerbaren Energien haben maßgeblich dazu beigetragen das Klima zu schützen und den Ausstieg aus den fossilen Energieträgern früher umzusetzen als von der Bundesregierung geplant.

Ergebnisse der Umweltbewusstseins Studie 2040 veröffentlicht 

Weniger Konsum macht glücklich. 80% der Befragten konsumieren insgesamt bewusster und weniger. 90% der Befragten gaben an Kaufabsichten standardmäßig zu hinterfragen und sich in den meisten Fällen gegen den Kauf zu entscheiden. Hilfreich seien hierbei auch die mittlerweile obligatorischen Fragen zur Kaufabsicht in allen Online-Shops. 

Suffizienz-Forscherin Laura Kratzer ist sich sicher, dass die Einführung des Pflicht-Schulfachs „Glück“ und die Integration von Klimaschutz-Themen im gesamten Lehrplan dazu beitragen, dass der Anteil der Befragten unter 30 ein komplett verändertes Konsumverhalten zeigt und als Motivatoren mehrheitlich intrinsische Faktoren, wie z.B. Entschleunigung, nennt. 

Unown wird 20 – Zeit für einen Rückblick

Das Modeunternehmen wurde 2019 von Linda Ahrens und Tina Spießmacher gegründet und bietet, wie mittlerweile viele weitere Unternehmen, Kleidungsstücke zur Miete an. Die beiden Hamburger:innen haben mit ihrer Vision von einer nachhaltigen Modewelt eine Bewegung losgetreten, die heute nicht mehr wegzudenken ist. Waren es 2021 noch 60 Kleidungsstücke, die jede:r Deutsche im Durchschnitt pro Jahr neu kaufte, sind es heute nur noch 10 Teile. Dass uns Mode dennoch Spaß macht und unsere Looks nach wie vor abwechslungsreich sind, haben wir Unternehmen wie Unown zu verdanken, die mit ihrer Leasing-Idee eine neue – vollkommen auf Service ausgerichtete – Art des Wirtschaftens prägten. Wir sind heute nur noch selten Eigentümer:innen von Produkten, sondern in den meisten Fällen Nutzer:innen. 

„Als wir vor über 20 Jahren anfingen, lag die durchschnittliche Lebensdauer unserer Kleidungsstücke im Shop bei 6-12 Monaten, heute sind wir bei 4-5 Jahren. Über diese Entwicklung freuen wir uns besonders. In unseren Shop kommen nur langlebige Produkte – das hat den Druck auf Modeunternehmen erhöht und somit nachhaltig zu einer Verbesserung der Qualität beigetragen“, sagt Linda Ahrens. 

Auf gutem Weg

Die Bundesregierung legt heute ihren Klimabericht vor. Der Bericht informiert über die Einhaltung des Klimaschutzgesetzes und bewertet einzelne Maßnahmen, die Deutschland in spätestens 4 Jahren klimaneutral machen soll. Wir blicken heute genauer auf die Kreislaufwirtschaft. Zahlreiche Maßnahmen, die über die letzten 30 Jahre eingeführt wurden, führen heute dazu, dass wir eine nahezu vollständige Zirkularität und Klimaneutralität bei Produkten haben: Plastiksteuer, Design-4-Recycling, Mindestrezyklatquoten, verbesserte Sortiertechniken und -infrastruktur und regelmäßige Aufklärungskampagnen, die Verbraucher:innen über Mülltrennung und -vermeidung informieren. Deutschland sei insgesamt weniger abhängig von Importen, da nur noch wenige Rohstoffe aus dem Ausland benötigt werden, so Clara Husbold, stellvertretende Sprecherin der Bundesregierung. Die Gewinnung von Sekundärrohstoffen findet zu 100% in Deutschland statt, das wiederum schafft neue Arbeitsplätze.

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