Die Workshopleiter der Sommeruniversität 2017 stellen sich vor: Workshop Radio/Podcast

Featured

Sebastian Schöbel-Matthey

Gebürtiger Oranienburger, studierter Berliner, seit 2012 Journalist beim Rundfunk Berlin-Brandenburg und seit Februar 2016 Korrespondent im ARD-Hörfunkstudio Brüssel.
Angefangen habe ich als Autor und Infografiker in der Onlineredaktion des rbb und als Reporter beim Inforadio. Die Kombination von alten und neuen Ausspielwegen gehörte für mich von Anfang an zum  Job dazu, auch wegen meiner multimedialen Ausbildung an der electronic media school in Potsdam-Babelsberg. Jetzt faszinieren mich v.a. die neuen Möglichkeiten für das Radio: Podcasts, besser noch „Audio on demand“ allgemein, bieten völlig neue Möglichkeiten für Radiojournalisten. Für mich als „Öffi-Funker“ dabei natürlich absolutes Vorbild: National Public Radio in den USA.

Twitter: @SebaSchoebel
Email: sebastian.schoebel@hr.de

Die Workshopleiter der Sommeruniversität 2017 stellen sich vor: Workshop Animation

Featured

Human Sharghi Namin

Geboren 1980 in Teheran zu Zeiten der Revolution und des ersten Golfkriegs zog Human Sharghi Namin mit seiner Familie zuerst an die US-amerikanische Ost- und dann Westküste. 1987 ging es dann von San Francisco nach Nordrhein-Westfalen.
Hier studierte er 2001 an der Heinrich Heine Universität in Düsseldorf Amerikanistik und Beat-Literatur bei Klaus Uellenberg sowie Klangmontage an der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf bei Prof. Dr. Elena Ungeheuer. Als Vorgruppe von u. a. Beatsteaks, Datsuns, Hellacopters und Mia verbrachte er Anfang bis Mitte der 2000er mit Rockauftritten in Emo- und Posthardcore Bands und spielte Bass und Gitarre. 2005 studierte er Design und Kunst an der Fachhochschule Düsseldorf und Dortmund bei Prof. Ovis Wende, H. D. Schrader, Prov. Dr. Ralf Bohn und Prof. Dr. Marcus S. Kleiner. 2013 folgte ein Studium der Animation zum audiovisuellen Autorenfilmer bei Prof. Frank Geßner und Prof. Gil Alkabetz an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf.

Deutschland – ein Entwicklungsland – Die SDGs als Zwischenziele zu einer gerechten und nachhaltigen Weltgemeinschaft!

Featured

Bei der Umsetzung der Globalen Nachhaltigkeitsziele braucht es nicht nur in Deutschland eine Priorisierung, in der wir verschiedene Ebenen unterscheiden müssen, sondern eine globale. Natürlich ist es wichtig Hunger zu reduzieren, aber was ist hierbei die gemeinsame Basis? Welche Ziele sollten zunächst erfüllt sein, damit andere wirklich ganzheitlich angegangen werden können? Welche sind eher vordergründig als “Prestige-Ziele” zu sehen, nachhaltig und effektiv nur durch ein ganz anderes System zu bewerkstelligen? Dafür müssen zunächst ein paar grundlegende Fragen beantwortet werden.

Was ist die geistige Basis einer gerechten und nachhaltigen Weltgemeinschaft?

Damit Menschen gemeinschaftlich und kohärent handeln, braucht es gute Bildung und Aufklärung, die sich für ein Weltbürgertum einsetzt. Es braucht Menschen, die sich als globale Bürger begreifen und Verantwortung für sich, die Gesellschaft und unsere Umwelt übernehmen – ob im ländlichen oder im städtischen Gebiet.

Das SDG4 ist hierbei als „Bildungsziel“ zu nennen, wird jedoch nicht explizit genug. Es bleiben die Fragen offen: Worum geht es eigentlich im Bereich von Bildung? Welche Parameter sind wichtig?

Sowohl Kinder als auch Erwachsene müssen in einer nachhaltig ausgerichteten Bildung Grundlagen wie die Bedeutung von Menschenrechten kennenlernen. Sie brauchen persönliche Erfahrung und einen hohen Reflexionsgrad im Bereich menschlichen Miteinanders und sollten eine Antwort in Bezug auf die Frage nach Verantwortung für sich, für die Gesellschaft und die Welt entwickeln. Da dies eine generationenübergreifende Angelegenheit ist, muss auch Erwachsenenbildung viel mehr gefördert und in den Fokus gerückt werden. In Deutschland sieht sich über 50% der erwachsenen Bevölkerung als “ausgelernt” an. Es braucht also nicht nur an Schulen zielgerichtete und ansprechende globale Bildungsformate, sondern auch in Altersheimen, Werk- und Arbeitsstätten…etc.. Diese Formate sollten auch einen direkten Bezug zum alltäglichen Arbeitsleben und seiner globalen Wirkung herstellen. Wie sind die heutigen Dynamiken der Welt zu verstehen? Was bewirke ich jeden Tag mit meiner Arbeitskraft, meinem Konsum und Lebensstil? Was kann ich direkt tun, um mehr Verantwortung für die globale Lage zu übernehmen? Auch in Altersheimen gibt es viel geistiges Potential, welches ausgeschöpft werden kann – gerade bei Menschen die noch etwas in der Welt bewirken wollen und denen Enkeltauglichkeit durchaus wichtig ist. Integrative Mehrgenerationswohnformen können viel bewirken, da der Lerneffekt nicht einseitig ist. Es kann sich eine Gemeinschaft bilden, so sowohl Sozial- , als auch Umweltkompetenz befördert.

Im ländlichen Raum Deutschlands braucht es hierbei im Bereich globaler Bildung tendenziell noch mehr größere Perspektiven, um vorhandene geistige Grenzen abzubauen. Während im städtischen Raum zwangsläufig mehr Offenheit durch die Konfrontation der verschiedenen Lebenswelten entsteht, gibt es auf dem Land wenig wissenschaftlich-betreuten, bildenden Umgang mit brennenden Themen wie Flüchtlingsproblematik, Umweltzerstörung, Klimawandel oder Energie- und Ernährungswende.

Ohne Bildung in Bezug auf unsere globale Lage und unsere damit einhergehende Verantwortung werden wir jedoch nicht zu einer nachhaltig handelnden Menschheit werden. Dabei muss Bildung die Balance finden, einerseits die globale Dringlichkeit zu vermitteln andererseits aber auch den lokalen Nutzen und Möglichkeiten herauszustellen. Sonst entsteht das Gefühl der Überforderung und am Ende tut sich nichts (aktuell wissen eigentlich alle, dass es schlimm ist, und dennoch tut sich zu wenig).

Was ist die physische Basis einer gerechten und nachhaltigen Weltgemeinschaft?

Landwirtschaft ist zentral für unser Leben. Aus ihrer Frucht, den Nahrungsmitteln, können wir Menschen unser Grundbedürfnis nach Nahrung stillen. Was jedoch braucht es, um diese langfristig und effizient betreiben zu können? – Es braucht zunächst die Einhaltung unserer Planetarischen Grenzen und damit einhergehend eine Stabilität unserer Ökosysteme. Wenn diese Basis für Alle wegbricht, Können auch andere SDG nicht mehr verfolgt werden, wie etwa Hunger- und Armutsbekämpfung. Wir müssen schlicht die Organe der Erde am Leben erhalten, denn auf einem toten Körper können wir nicht existieren. Das zweite SDG ist also ein wichtiges Ziel einer globalen Weltgemeinschaft, braucht aber als Grundlage den Schutz unserer Ökosysteme, das SDG15.

Neben vereinzelten städtischen Initiativen wird Naturschutz, Landwirtschaft und Artenvielfalt hauptsächlich im ländlichen Raum relevant. Um eine ganzheitliche Vorgehensweise garantieren zu können, braucht es auch in diesem Bereich zunächst eine gute Kenntnis und Förderung der Grundlagenforschung. Er ist zudem selbstverständlich stark verbunden mit der Bekämpfung des Klimawandels und der Sicherung von Artenvielfalt.

Als konkretes Beispiel spielt dabei die nachhaltige Landwirtschaft eine tragende Rolle. Unter anderem sollten alle relevanten Ökosysteme, die Bodenqualität sowie das Klima durch sie geschützt werden. Demnach ist die Nutzung von Düngemittel, Herbiziden und Pestiziden sowie die Abhängigkeit fossiler Energieträger und klimaschädlicher Produktionsweisen (bspw. Massentierhaltung) zu hinterfragen und Alternativen zu finden. Dafür sind Rahmenbedingungen zu geben: regulierende Gesetze, Anreizsysteme (CO2- und Stickstoff-Steuer für Nahrungsmittel) und Maßnahmen wie beispielsweise Pufferstreifen, um landwirtschaftliche Flächen zum Schutz der Ökosysteme, sind nötig. Ferner muss der Etablierung von Monokulturen und der Nutzung wertvoller landwirtschaftlicher Flächen zur Energieerzeugung bzw. der reinen Futtererzeugung für Nutztiere entgegengewirkt werden. Dazu muss sich die europäische und auch die deutsche Förderlandschaft ändern. Noch immer werden Großbetriebe gefördert und kleinere Betriebe können sich nicht halten. Die Änderung der Förderlandschaft hätte einen starke Auswirkung auf den ländlichen Raum, dieser könnte mehr Aufschwung erleben, durch eine regionalere Produktionsweise.

Diese Handlungsstränge starten im ländlichen Raum, münden jedoch schließlich auch in internationale Zusammenarbeit. Der globale Gedanke bedeutet im landwirtschaftlichen Bereich, dass die eigene Produktion nicht mehr für den Export subventioniert werden darf, da dies anderen Ländern erschwert, der eigenen Produktion nachzugehen. Nur wenn alle Länder die gleichen Möglichkeiten haben, eine nachhaltige Landwirtschaft zu fördern, kann Umwelt- und Klimaschutz gelingen und eine tatsächliche Transformation hin zu einer nachhaltigen Gesellschaft ermöglicht werden.

Wie kann all dies so effizient wie möglich umgesetzt werden?

Um eine kohärente und globale Nachhaltigkeitsentwicklung zu realisieren und dabei so effizient wie möglich vorgehen zu können, braucht es die Stärkung globaler – , aber auch die Förderung von sogenannten „Multi-Akteur“ -Partnerschaften. Das letzte SDG tritt auf die Bühne.

Zunächst scheint das SDG17 wenig bis keine Relevanz in Bezug auf Anforderungen, die sich für deutsche Rahmenbedingungen, Strukturen, Produktionsweisen und Lebensstile im ländlichen Raum ergeben, zu haben. Bei genauerer Betrachtung entpuppt sich dieses letzte SDG jedoch als eines der wichtigsten Ziele, um sinnvoll zum Handeln zu kommen.

„Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“ – mit diesem Ausspruch beschrieb schon Aristoteles den Grundsatz der Synergie. Es geht hierbei also längst nicht nur um die noble Geste partnerschaftlichen und gemeinsamen Vorgehens, nein, es geht schlicht um Effizienz und – wie es in den SDG’s überall vorkommt – um kohärentes globales Handeln. Nun betrifft dieser Grundsatz Globaler Partnerschaften nicht nur die Ebene internationaler Politik wie z.B. die Mobilisierung finanzieller Mittel, Kapazitätsaufbau im Bereich der sogenannten Entwicklungsländer oder die Förderung gerechter und nachhaltiger Handelsbedingungen. Auch der Bereich sogenannter systemischer Fragen wird im Zuge des SDG17 genannt. Im Unterpunkt 17.17 heißt es wörtlich: “Die Bildung wirksamer öffentlicher, öffentlich-privater und zivilgesellschaftlicher Partnerschaften aufbauend auf den Partnerschaften und Mittelbeschaffungsstrategien bestehender Partnerschaften unterstützen und fördern.”

Wie kann dies nun gelingen?

Insbesondere an der Schnittstelle zwischen den sogenannten „Grassroot-Bewegungen“ und Politik können in hohem Maße innovative und entscheidende Strategien hin zu einer stabilen und nachhaltigen Entwicklung generiert werden. Es muss dabei von allen politischen und administrativen Seiten ein partizipativer und hochtransparenter Dialog gesucht werden, um auch in zivilgesellschaftliche Kreise vorzudringen. Man sollte dabei „auf Augenhöhe“ kommunizieren, um gemeinsam die nächsten Schritte zu besprechen, kreative Ideen zu fördern und neue spannende Formate zu entwickeln. Es sollten Multiplikatoren gefunden und gefördert werden, welche verschiedene soziale Schichten und Bewegungen ansprechen, ländliche Regionen mit städtischen Perspektiven in Kontakt kommen und vice versa, regionale mit nationalen und internationalen Ebenen in Austausch gelangen…etc.. All dies kann jedoch nur gelingen, wenn klar umrissene und allgemein verständliche Strukturen entwickelt werden und wahrhaft nach Zusammenarbeit im Sinne eines kleinsten gemeinsamen Nenners gesucht wird. Hierfür muss – man kann es nicht anders sagen – insbesondere von der Politik wirkliche Beziehungsarbeit geleistet werden. Wie können wir eine konstruktive und authentische Gesprächskultur in unserem System etablieren? Welche Formate eignen sich am besten hierzu? Wie kann gegenseitiger Respekt und produktiver Austausch gefördert werden?

Nur so kann das volle Potential einer offen ausgerichteten gemeinsam handelnden Gesellschaft ausgeschöpft und Multi-Akteur-Partnerschaften entstehen.

Das Wort “Mittelbeschaffungsstrategie” kreist zudem längst nicht nur um die Beschaffung von Sachmittel wie Geld, Technologie und Baumaterial handelt. Insgesamt läge hierbei der Fokus viel zu sehr auf Geld. Geld spielt zwar eine grundlegende Rolle in unserer Welt und dem System des Kapitalismus, aber Motivation und Begeisterung können so nicht vermittelt werden. Es gibt – auch in Deutschland – unglaublich viele Menschen, welche von Leidenschaften angetrieben sind, sie aber nicht sinnvoll umsetzen können. In jedem Wissenschaftler, jedem überzeugten Sozialarbeiter – überall da wo es nicht primär darum geht, Geld oder Prestige zu gewinnen, gibt es eine eigene Faszination etwas in der Welt und Gesellschaft zu bewegen. Diese zu fördern kann ungeahnte Energie freisetzen! Sie schlummert überall.

Für eine grundsätzliche Veränderung ist anstatt Geld viel eher eine Grundversorgung, eine Grundsicherheit, wichtig. Eine bestimmte Lebensqualität soll für alle Menschen bereitgestellt sein. Hierfür gibt es viel mehr Möglichkeiten der Absicherung als das momentan als alternativlos hingestellte Lohn-Arbeitssystem. Das Modell des Bedingungslosen Grundeinkommens ist nur eine von vielen Möglichkeiten. Oder einfach eine Grundvergütung für ehrenamtliche, nachhaltige Arbeit. Es braucht neue Instanzen, konsequente, zielgerichtete Umsetzung, um Menschen zu empowern.  Die Angst der Politik vor systemischen Veränderungen hemmt Pilotprojekte – mehr Mut, vielleicht auch zu versagen – wäre gut. Letztlich zeigen private Initiativen zum Grundeinkommen, welche sich über Crowdfunding finanzieren, dass die Menschen ein starkes Gemeinschaftsgefühl besitzen und die Welt ein Stück besser machen wollen. Die Energien, Kräfte und Wünsche wohnen jedem einzelnen von uns inne: Für eine geeinte Menschheit, die Verantwortung für Sich, die Gesellschaft und unseren Planeten übernimmt!

“Neben uns die Sintflut”: Wie können nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster in Deutschland und Europa gefördert werden? (SDG 12)

Featured

Die Anforderungen an die deutsche und europäische Politik zur Förderung nachhaltiger Konsum- und Produktionsmuster sind gewaltig. Denn in globalisierten „Externalisierungsgesellschaften“ (Lessenich, 2016) ist so gut wie jedes Produkt Teil einer komplexen Wertschöpfungskette, die auf der Logik des Outsourcings und damit der Ausbeutung von Mensch und Natur zum Sonderpreis beruht. Solang nicht nachhaltige Produkte und Produktionsprozesse deutlich günstiger verfügbar sind als nachhaltige, greift ein politischer Glaube an ethischen Individualkonsum zu kurz. Deutlich effektiver wäre eine umfassende Umstrukturierung finanzieller und steuerlicher Anreizsysteme zur Förderung einer gemeinwohlorientierten Produktion und Konsumption.

Internalisierung von sozial-ökologischen Kosten als Schlüssel

Warum konsumieren die meisten Menschen in Europa nicht nachhaltig? Platt gesagt: Weil es uns auch nicht gerade leicht gemacht wird. Ausgiebige Nährstofflisten und „Made in China“-Labels vermitteln uns den Anschein, zu wissen, woher unsere Produkte stammen und unter welchen Bedingungen sie produziert wurden. Dennoch bleibt ein Großteil der sozial-ökologischen Kosten für Konsument*innen im Verborgenen bzw. kann leicht ignoriert werden, insbesondere, wenn sie weder im eigenen Land verursacht werden noch sich im Endpreis niederschlagen. Ganz im Gegenteil – der in Massenproduktion, aus EU- und Nicht-EU-Ländern hergestellte Honig ist sogar  dreimal so billig wie der Stadtbienenhonig vom Marktstand um die Ecke.

Unter diesen Umständen die Entscheidung für nachhaltigen, teureren Konsum dem/r einzelnen Konsument*in zu überlassen, halte ich angesichts der Dringlichkeit der globalen Umwelt- und Klimakrise und wachsenden sozialen Ungleichheiten für grob fahrlässig. Erst, wenn ein sozial-ökologisch verträgliches Produkt genauso viel oder weniger kostet als das unverträgliche, ist nachhaltiger Konsum auf breiter gesellschaftlicher Ebene möglich. In der Praxis bedeutet das: Unternehmen sollen für die sozial-ökologischen Kosten, die sie im Wertschöpfungsprozess verursachen, finanziell aufkommen, während sie für den sozial-ökologischen Nutzen, den sie bringen, finanziell belohnt werden. In der Gesamtrechnung würde dies dazu führen, dass nachhaltige Produkte günstiger werden als nicht nachhaltige Produkte.

Wirtschaftspolitik gemeinwohlorientiert ausrichten

Ähnliches Foto

Die Gemeinwohlmatrix berechnet gesellschaftliche Kosten und Nutzen eines Unternehmens anhand fünf ethischer Dimensionen. Quelle: Gemeinwohlökonomie

 

Gleichzeitig sollten Subventionen, steuerliche und rechtliche Vorteile (z.B. bei der Kredit- und Auftragsvergabe, öffentlichen Beschaffung) für Großkonzerne in allen Branchen abgebaut werden, denn sie sind es, die den Großteil der sozial-ökologischen Kosten verursachen. Dies auch noch politisch zu fördern, ist absurd. Mit den daraus freiwerdenden Ressourcen sollte auf die gleiche Weise regionale, kleinteilige Produktion gefördert werden. Dies würde die Entstehung regionaler Wirtschaftskreisläufe mit weniger Transportwegen und direkteren, solidarischeren Handelsbeziehungen befördern und wäre somit ein langfristiger, struktureller Beitrag zu nachhaltigeren Produktions- und Konsummustern. Die Gemeinwohlökonomie-Bewegung (GWÖ) bietet z.B. mit der eigens entwickelten “Gemeinwohlbilanz” einen spannenden Ansatz zur Berechnung der sozial-ökologischen Kosten und Beiträge eines Unternehmens an die Gesellschaft.[1]

Kreislaufwirtschaft als Produktionsmaßstab der Zukunft

Bildergebnis für programa reciclagem de embalagens o boticario

Die Prinzipien einer Kreislaufwirtschaft vom Produktdesign bis zum Recycling. Quelle: Ellen MacArthur Foundation

 

Zudem sollten Unternehmen im Sinne einer Kreislaufwirtschaft[2] und Verlängerung der individuellen Nutzungsdauer in einem bestimmten Zeitrahmen dazu verpflichtet werden, ihre Produkte so zu designen, dass sie möglichst lange halten und (von Nutzern oder vom Unternehmen) repariert werden können. Auch sollte jedes Einzelteil nach der Nutzung wieder in den Stoffkreislauf eingebracht und wiederverwertet werden können. Flankierend könnten Forschungs- und Entwicklungsprogramme im Bereich Kreislaufwirtschaft gefördert und Anreize für Konsument*innen geschaffen werden, ihre Produkte reparieren zu lassen statt neu zu kaufen. Auch das Thema Lebensmittelverschwendung sollte durch entsprechende Gesetze und Anreizsysteme auf der Produzenten- und Konsumentenebene adressiert werden (z.B. durch eine Verpflichtung zur Verarbeitung von nicht normgetreuem Obst und Gemüse; zum Verkauf fast abgelaufener Produkte zum niedrigeren Preis; zur Lockerung des MHDs).

Menschenrechte gelten weltweit – auch für Unternehmen

Ähnliches Foto

Multinationale Konzerne lassen ihre Produkte gern dort herstellen, wo die Arbeitsbedingungen schlecht und Löhne niedrig sind, wie hier in Bangladesch. Quelle: Ver.di / ©Mustafa Quraishi

 

Ein weiterer wichtiger Schritt zur Förderung nachhaltiger Produktions- und Konsummuster wäre die verbindliche Verankerung der UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte[3] in nationalem Recht, inkl. wirkungsvoller Sanktionsmechanismen. Die UN-Leitprinzipien verpflichten Unternehmen und Staaten, menschenrechtliche Risikofaktoren in ihrer Lieferkette zu identifizieren; Maßnahmen zu ergreifen, um diese Risikofaktoren abzustellen und konkret Abhilfe zu leisten, wenn es zu Menschenrechtsverletzungen kommt (z.B. in Form von Entschädigungszahlungen). Der Nationale Aktionsplan der Bundesregierung (2016) [4] hat dazu eine erste rechtliche Grundlage geschaffen, die allerdings weit hinter den Erwartungen zurück blieb und Unternehmen und Staaten noch viel zu viele Spielräume und Schlupflöcher lässt.[5]

 

Quellen:

[1] Die Gemeinwohlökonomie (GWÖ). https://www.ecogood.org/de/gemeinwohl-bilanz/

[2] Ellen Mac Arthur Foundation (n.d.). Circular Economy. https://www.ellenmacarthurfoundation.org/circular-economy

[3] UN Global Compact (2014). Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte. https://www.globalcompact.de/wAssets/docs/Menschenrechte/Publikationen/leitprinzipien_fuer_wirtschaft_und_menschenrechte.pdf

[4] Auswärtiges Amt (2016). Nationaler Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte. http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Aussenpolitik/Aussenwirtschaft/Wirtschaft-und-Menschenrechte/Aktuelles/161221_NAP_Kabinett_node.html

[5] CorA-Netzwerk (2017). Kein Mut zu mehr Verbindlichkeit. http://www.cora-netz.de/cora/wp-content/uploads/2017/03/2017-02-06_CorA-ForumMR-VENRO_NAP-Kommentar_%C3%BCberarb.pdf

Weiterführende Literatur:

Brand, U., & Wissen, M. (2017). Imperiale Lebensweise. München: oekom Verlag.

Felber, C. (2012). Gemeinwohlökonomie. Wien: Deuticke Verlag.

Giegold, S. & Embshoff, D. (2008). Solidarische Ökonomie im globalisierten Kapitalismus. Hamburg: VSA Verlag.

Lessenich, S. (2016). Neben uns die Sintflut. Die Externalisierungsgesellschaft und ihr Preis. Berlin: Hanser Verlag.

Schöne Neue Welt? – Die Erde und die Nachhaltigkeits-Agenda 2030

Featured

von Emily Joy Neumann, Madeleine Porr und Silke Schoenwald
Wo die wilden Kerle spielen

Paolo Calleri: “Wo die wilden Kerle spielen” (27.09.2015)

Sollte etwa das einzige nachhaltige Ergebnis der 17 UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDG) das persönliche Glücksgefühl gewesen sein, mit dem sich am 25. September 2015 die 193 Staats- und RegierungslenkerInnen in die Arme fielen? Zu widersprüchlich scheinen nämlich viele dieser Ziele der aktuellen globalen Wirklichkeit gegenüberzustehen.

Die drei Autorinnen kommentieren im Folgenden beispielhaft drei SDG und zeigen die Anforderungen im deutschen bzw. europäischen Kontext auf, damit es auch zu Glücksgefühlen durch das Erreichen dieser drei Ziele kommt.

 

E_SDG_Icons-12SDG Nr. 12: 
„Nachhaltige Konsum- und Produktionsweisen sicherstellen“


Dieses Nachhaltigkeitsziel behandelt hauptsächlich die Bewirtschaftung und Nutzung von Ressourcen, die Abfallvermeidung und das Einsparen von umweltschädlichen Chemikalien. Außerdem verlangt es ein Nachhaltigkeitsbewusstsein der Bevölkerung.

Widersprüche

Was da so nonchalant auf dem 12. Platz daherkommt, ist tatsächlich eine Absichtserklärung ganz grundlegender Art: Menschen ändern ja nur sehr ungern und schwerfällig ihr – mehrheitlich nicht nachhaltiges – Verhalten, ob nun als UnternehmensführerIn, beim persönlichen Einkauf oder beim Essen. Noch dazu, wenn sich im Laufe der Zeit auch gesamtgesellschaftliche Wertvorstellungen und Prioritäten verschoben haben. 

So ist das Gewinnstreben im kapitalistischen Wirtschaftssystem ein anerkanntes Handlungsziel geworden und hat sich damit in eines der Hauptprobleme verwandelt, die dem SDG 12 Beschränkungen auferlegen; denn für viele Unternehmen lohnt es sich – zumindest finanziell – schlichtweg nicht, nachhaltige(re) Entscheidungen zu treffen, solange nicht die tatsächlichen Kosten ihres Handelns bilanziert werden müssen. 

Doch wird das Wachstums- und Gewinnstreben der Unternehmen ja immer nur durch ein entsprechendes KonsumentInnenverhalten gestützt. Bestes Beispiel: der Fleischkonsum. Eine durch künstlich niedrige Preise und gezielte Werbemaßnahmen forcierte Nachfrage liefert den einschlägigen UnternehmerInnen die besten Argumente für Massentierhaltung und großflächigen Anbau von Tierfutterpflanzen – mit den bekannten Folgen: Tierquälerei, verminderte Anbauflächen für Nahrungspflanzen für Menschen, zunehmender Mangel an Trinkwasser für die Menschen, Anstieg des Kohlendioxids in der Erdatmosphäre und ungebremster Temperaturanstieg dort usw. …

Anforderungen für die Umsetzung

Welche Wege stehen uns für das Erreichen von SDG 12 auf deutscher und europäischer Ebene offen bzw. können sofort zu breiten Straßen ausgebaut werden?

  • umfassende generationenübergreifende Bildungs- u. Aufklärungsarbeit, die so genannte Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)
  • verantwortungsbewusster Umgang mit allen unseren Ressourcen – auf persönlicher ebenso wie auf institutioneller Ebene, mit dem Staat in der Vorbildfunktion; insbesondere die Produktion und Verwendung von Plastikverpackungen sanktionieren
  • deutlich sicht- und erfahrbare staatliche Förderung aller Initiativen zu BNE sowie Ressourcen-Schonung und -Effizienz, im privaten wie im unternehmerischen Bereich
  • für die betriebs- und die volkswirtschaftlichen Bilanzen zur Pflicht machen, dass die Folgekosten für Umwelt und Gesellschaft mit eingerechnet werden.

E_SDG_Icons-15SDG Nr. 15: 
„Landökosysteme schützen, wiederherstellen und ihre 
nachhaltige Nutzung fördern, Wälder nachhaltig bewirtschaften, 
Wüstenbildung bekämpfen, Bodendegradation beenden und umkehren 
und dem Verlust der biologischen Vielfalt ein Ende setzen“

Widersprüche

Auch das drittletzte (!) Nachhaltigkeitsziel birgt jede Menge Zündstoff, denn es geht um nichts weniger als um die Rückkehr zu einem respektvollen Umgang mit dem Boden, auf und von dem wir leben. Und auch dieses Ziel steht einer diametral entgegengesetzten gängigen Sichtweise gegenüber: nämlich die Erde als Rohstoffreservoir anzusehen, das nach Kräften und technischen Möglichkeiten geplündert werden kann. 

Dieselbe deutsche Bundesregierung, die die Agenda 2030 mit unterschrieben hat, kann im Politikpapier 8 ihres Wissenschaftlichen Beirats Globale Umweltveränderungen unter dem Titel “Zivilisatorischer Fortschritt innerhalb planetarischer Leitplanken” jetzt den Begriff “Erdsystemleistungen” lesen, wenn von der lebens- und nahrungsspendenden “Mutter Erde” die Rede ist.

Wirtschaftliches Gewinn- und Wachstumsstreben führen auch beim SDG 15 dazu, dass z. B. im Tourismus-Sektor (aktuelles Beispiel Rügen) statt auf Entschleunigung und auf dezentrale touristische Angebote in und mit der Natur zu setzen, die Infrastruktur Schritt für Schritt in Form von großen Straßen und Hotelhochhäusern ausgebaut wird. So geht bei der Flächenausweisung und -nutzung der Zweikampf weiter zwischen Bettenburgen-Investoren einerseits und den Schutzgebieten (u.a. Nationalpark, Biosphärenreservat) andererseits.

Betongegossene Straßen und Plätze drängen hier wie anderswo auch landwirtschaftliche Nutzflächen und umliegende Lebensräume wie Wald- und Wiesenflächen zurück oder zerstören diese nachhaltig. Neben der langfristigen Bodendegradation wird so auch der Verlust der biologischen Vielfalt eher befördert statt, wie anvisiert, darauf hinzuarbeiten, den Verlust zu beenden.

Anforderungen für die Umsetzung

  • Auch für die Umsetzung von SDG 15 brauchen Deutschland bzw. Europa nicht bei Null anzufangen: Schon die Umsetzung existierender internationaler Leitlinien, wie z.B. die Einhaltung der “Guten landwirtschaftlichen Praxis” durch heimische Bäuerinnen und Bauern, zusammen mit dem Blick auf die Anbauerfahrungen in anderen Ländern, birgt großes Potenzial für eine Verbesserung der Situation. 
  • Der Natur abgeschaute Konzepte wie Permakultur, Hauptfruchtanbau mit Unterbau oder ein Zurück zum jährlichen Wechsel der Anbaupflanze wie in der „Dreifelder-Wirtschaft“ sind Beispiele aus einer landwirtschaftlichen „Vergangenheit“, die vielleicht in Vergessenheit geraten sind, aber auch heute noch funktionieren. 
  • Aus Asien und Südamerika grüßen Erfolgsrezepte früherer menschlicher Hochkulturen wie die Terra Preta (hoch fruchtbare menschengemachte, aber sich selbst reproduzierende schwarze Erde) und die vielfältige Nutzung so genannter Effektiver Mikroorganismen.

E_SDG_Icons-09SDG Nr. 9: 
„Eine belastbare Infrastruktur aufbauen, 
breitenwirksame und nachhaltige Industrialisierung fördern 
und Innovationen unterstützen“

Dass es hier die unterschiedlichsten Interpretationen geben wird, dürfte nicht verwunderlich sein – angefangen bei der Übersetzung der englischen Begriffe aus den Originaldokumenten. 

Wird es wirklich um den Aufbau einer “resilient infrastructure” gehen? Und um eine nachhaltige und “inclusive industrialization”? Dann wird wohl z. B. …

  • … flächendeckend in Gebäude und Straßenbeläge aus nicht bodenversiegelnden, “atmenden” und nachwachsenden Rohstoffen wie Bambus, Lehm, Stroh, Reiskleie etc. investiert werden;
  • … konsequent in allen gesellschaftlichen Bereichen dafür gesorgt werden, dass jeder Mensch in seiner Individualität akzeptiert wird und die Möglichkeit hat, in vollem Umfang an ihr teilzuhaben oder teilzunehmen;
  • … in großem Maßstab die Arbeit regionaler ProduzentInnen-KonsumentInnen-Netzwerke für die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln erleichtert und unterstützt werden (über zinslose staatliche Darlehen, vereinfachten Zugang zu den notwendigen Ressourcen, geringe Steuersätze u.v.m.);
  • … transministeriell der Aufbau dezentraler lokal-regionaler Mini-Industrien mit ausschließlich erneuerbaren Ressourcen gefördert werden, die in Zusammenarbeit mit Hochschulen und anderen Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen flexibel und in kurzer Zeit nachhaltige Innovationen umsetzen können; u.v.m.

* * *

Ja, die 193 Staats- und RegierungslenkerInnen müssen wirklich überglücklich gewesen sein, als sie diese drei Nachhaltigkeitsziele zusammen mit den anderen 14 verabschiedeteten. Überglücklich vor allem über ihren offensichlich damit verbundenen Entschluss, endlich dem neoliberalen Denk- und Wirtschaftsmodell den Rücken zu kehren, das ja einem nachhaltigen Leben und Wirtschaften so lange im Wege stand und nun obsolet ist. 

Und richtig nachhaltig überglücklich dürfen sie auch deshalb sein, weil sie wissen, dass ihnen überall – im eigenen Land wie weltweit – kompetente Menschen mit überzeugenden und längst erprobten alternativen Konzepten bei der Umsetzung der SDG zur Seite stehen.


Phosphor, Vielfalt oder Hunger? Wie wir den Boden in unserem Land nutzen (wollen)

Featured

Landnutzung und nachhaltige Entwicklung in ländlich geprägten Regionen

 

Ohne den Schutz der Böden wird es nicht möglich sein, eine wachsende Weltbevölkerung zu ernähren, die Erderwärmung unter 2 Grad Celsius zu halten und den Verlust der Biodiversität zu stoppen.(Bodenatlas, 2015, S. 8)

 

Ein Kernziel der neuen Entwicklungsziele der UN ist die weltweite Umsetzung einer nachhaltigen Entwicklung innerhalb planetarer Grenzen (1). Im Gegensatz zu den alten Millennium-Entwicklungszielen gelten die neuen Ziele nicht nur für sog. Entwicklungsländer, sondern für alle Regionen dieser Erde. Auf allen Ebenen und auch für die Entwicklung im ländlichen Raum definieren die globalen Nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs) konkrete Vorgaben für ein gutes und zukunftsfähiges Leben.

 

 

 

 

 

“walk to Caxton 4 / Monoculture 3” by Andy / Andrew Fogg is licensed under CC BY 2.0

 

Jede Region in Deutschland ist also verantwortlich dafür, die Umsetzung der globalen Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Nicht, indem ganz nebensächlich abgeglichen wird, ob dieser oder jener Zielindikator erreicht wird, sondern indem Verbesserungsvorschläge entwickelt werden, die mehrere Ziele gleichzeitig berücksichtigen. Ein Häkchen am Ziel Ernährungssicherheit bedeutet eben nicht, dass dafür Ziele wie Umwelt- und Naturschutz oder nachhaltige Produktionsbedingungen vernachlässigt werden können.

Wenn z.B. die Umstellung auf nachhaltige Landwirtschaft auf Kosten der Ernährungssicherheit geht, oder die Intensivierung der Flächennutzung zur Ertragserhöhung auf Kosten der biologischen Vielfalt geht, ist die Entwicklung schlichtweg nicht nachhaltig, egal wie erfolgreich einzelne Ziele auf Nachhaltigkeit ausgerichtet werden.

Gerade in ländlichen Räumen Deutschlands können eine Vielzahl von SDGs erfolgreich umgesetzt werden. So geht es im ländlichen Raum insbesondere darum, eine nachhaltigere Bewirtschaftung von Wald- als auch von Ackerflächen zu erreichen.

Hierbei spielt zum einen die Nachhaltigkeit landwirtschaftlicher Produktionssysteme eine wichtige Rolle. Die Art und Weise der agrarindustriellen Produktion nimmt einerseits maßgeblichen Einfluss auf die Ernährungssicherheit und Versorgung mit Lebensmitteln (Ziel 2), andererseits beeinflusst  sie den Zustand der Böden und die ökologische Vielfalt (Ziel 15). So ist es vor allem die Landwirtschaft, die im Modell der planetarischen Grenzen (siehe 2, 3, 4) Einflüsse jenseits der ökologischen Belastbarkeitsgrenzen für unseren Planeten verursacht, zum Beispiel durch eine erhöhte Stickstoff- und Phosphorbelastung, aber auch durch eine fortschreitende Umwandlung von Landfläche in Ackerland (siehe Abbildung 1). Mit der Landnahme und Übernutzung intensiv bewirtschafteten Ackerlands einher geht der Verlust biologischer Vielfalt und die Gefährdung ökologischer Systeme. Einen Brückenschlag zwischen beiden Zielvorgaben vermag Ziel 12 zu schlagen, in dem vorgeschlagen wird, den negativen Einfluss menschlichen Wirtschaftens auf die natürliche Umwelt durch die Etablierung nachhaltiger Konsum- und Produktionsmuster zu reduzieren. So ist z.B. für die Entwicklung in Deutschland vorgesehen, bis 2030 eine nachhaltige Bewirtschaftung und effiziente Nutzung der natürlichen Ressourcen zu erreichen, und sogar schon bis 2020 einen umweltverträglichen Umgang mit Chemikalien und allen Abfällen zu sichern und die Freisetzung in Luft, Wasser und Boden erheblich zu verringern (6).

 

Abbildung 1: Die landwirtschaftliche Nutzung trägt in mehreren Bereichen maßgeblich zur Überschreitung planetarer Belastungsgrenzen bei (Vgl. Meier, 2017).

 

Ein Beispiel ist der Umgang mit Phosphor im dt. Agrarsektor: Phosphor als Düngemittel ist notwendig, um die Erträge auf dem Acker zu erhöhen, was wiederum zur Ernährungssicherheit beiträgt. Allerdings wird großflächig mehr Dünger ausgebracht, als die Pflanzen aufnehmen können. Sowohl Phosphat und als auch Nitrat sickern in die Böden und belasten diese übermäßig. Zudem wird gewarnt, dass Phosphor-Gestein eine endliche Ressource ist (1), wobei die Vorräte möglicherweise in den nächsten Jahrzehnten erschöpft sein werden (5). Da Phosphor im Gegensatz zu fossilen Energiequellen als nicht-ersetzbar gilt, wird vor massiven Ertragsverlusten und somit Ernährungsengpässen gewarnt (1, 5).

Erster Hoffnungsschimmer ist eine neue Düngetechnik, die das bereits in Übermengen in den intensiv bewirtschafteten Böden vorhandene Phosphor durch Mikroorganismen zurückgewinnt (7). Pilze und Bakterien dieser Mixtur sorgen dafür, dass im Boden vorhandener Dünger von den Pflanzen wieder aufgenommen werden kann. Weiterer Vorteil ist, dass wieder Leben in die Äcker kommt: auf Versuchsfeldern in Brandenburg habe man nach zwei Jahren sogar wieder Regenwürmer entdeckt (7). Auch die Idee eines “erneuerbaren” lokalen Stoffkreislaufes zur Gewinnung von Phosphor aus Biomasse und Urin ist nicht neu, findet jedoch noch keine hinreichende Anwendung (5).

Zum anderen ist ein Drittel der Fläche Deutschlands Waldgebiet – doch ein großer Teil davon ist von Monokulturen geprägter Wirtschaftswald. Um den Verlust biologischer Vielfalt aufzuhalten (Ziel 15), muss deshalb der Flächenanteil der Wälder mit natürlicher Waldentwicklung drastisch erhöht werden. Zudem leisten Wälder einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz (Ziel 13), zum Schutz der Böden und zur Erhaltung eines funktionierenden Wasserhaushalts (Ziel 6). Der aktive Schutz der Wälder ist also ein Beitrag zu gleich mehreren SDGs.

“Monoculture” by lindsey elliott is licensed under (CC BY-NC-ND 2.0)

 

Um im ländlichen Raum eine Vielzahl von SDGs erfolgreich umzusetzen, sind zahlreiche Maßnahmen erforderlich. Anbei eine Auswahl dringend notwendiger Schritte:

Anforderungen an die deutschen und europäischen Rahmenbedingungen im Bereich Landwirtschaft:

  • Die Verwendung von Düngemitteln stärker regulieren und vor allem auch reduzieren (6). Umweltfreundlichere Alternativen zu konventionellen Agrochemikalien fördern (durch finanzielle Anreize oder Verbot bzw. Obergrenzen nicht-nachhaltiger Düngemittel).
  • Die Bestimmungen des dt. und europäischen Biosiegels verschärfen und die Einhaltung sicherstellen (statt sie aufzuweichen, wie derzeit für den Bereich der Massentierhaltung diskutiert wird).

Anforderungen an die deutschen und europäischen Rahmenbedingungen im Bereich Waldwirtschaft:

  • Die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt muss das Ziel umsetzen, dass der Flächenanteil der Wälder mit natürlicher Waldentwicklung drastisch erhöht wird. Mindesten fünf Prozent der Waldfläche sind notwendig.
  • Zudem muss die Flächenversiegelung gestoppt werden.
  • Flächen der Naturschutzgebiete, Nationalparks, Natura 2000-Gebiete sowie die Flächen des Nationalen Naturerbes müssen weiterhin geschützt und stetig ausgeweitet werden.

Anforderungen an die globalen Strukturen:

  • Durch Maßnahmen wie transparente Lieferketten und Bodennutzungsrichtlinien verhindern, dass die Produktionsflächen in Ländern des globalen Südens für die Konsumbedürfnisse der Menschen im globalen Norden erweitert werden (6).
  • Eine Kreislaufwirtschaft für Düngemittel in konventioneller Landwirtschaft einführen um den Bedarf an Düngemittel sowie die negativen Folgen durch intensive Nutzung zu reduzieren (1).

Produktionsweisen:

  • Intensive, groß-industrielle Massentierhaltung verringern.
  • Kleinbäuerliche Betriebe, extensive Weidehaltung und ökologischen Landbau fördern.
  • Der Schutz von Landökosystemen durch andere Produktionsweisen sollte einem holistischen Ökosystemansatz folgen, der auch die Menschen, die die Naturräume nutzen (z.B. Landwirte), sehr viel stärker als bislang einbezieht und ihre Erfahrungen und Bedarfe in den Fokus rückt. Hier spielt die Einbeziehung von lokalem Wissen eine zentrale Rolle.

Lebensstile:

  • Fleischkonsum reduzieren. Bewusstseinswandel über Fleischkonsum fördern.
  • Bioprodukte, regionale und saisonale Produkte konsumieren.
  • Solidarische Landwirtschaft unterstützen.
  • Holz- und Papierverbrauch senken und auf die Nutzung von Recyclingpapier und zertifizierter Holzprodukte (z.B. FSC Siegel) umschwenken.
  • Konsum von Produkten reduzieren, die mit Landnahme in Ländern des globalen Südens verbunden sind, z.B. Palmöl.
  • Ein Umdenken bezüglich des westlichen Konsumverhaltens fördern: Bereitschaft zur Einschränkung von Produktvielfalt im Supermarkt erhöhen und Bewusstsein darüber erlangen, dass für den Konsum (u.a. in Deutschland) ein enormer Verbrauch von Ressourcen anderer Regionen in Kauf genommen wird.

 

Hermine Bähr, Johanna Ickert und Miriam Schauer

 

Referenzen:

(0) Chemnitz, C., & Weigelt, J. (2015). Bodenatlas. Daten und Fakten über Acker, Land und Erde. Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS), Berlin, Potsdam.

(1) WBGU (2015): http://www.wbgu.de/videos/videos-wbgu/video-messner/

(2) Meier, T. (2017): Planetary boundaries of agriculture and nutrition – an Anthropocene approach. In: Proceedings of the Symposium on Communicating and Designing the Future of Food in the Anthropocene. Humboldt University Berlin.

(3) Steffen, W. et al. (2015): Planetary boundaries: Guiding human development on a changing planet. In: Science.

(4) Rockström, J. et al. (2009): A safe operating space for humanity. In: Nature. 461, 2009, S. 472–475.

(5) Cordell, D., Drangert, J. O., & White, S. (2009). The story of phosphorus: global food security and food for thought. Global environmental change, 19(2), 292-305.

(6) Martens, J. und Obenland, W. (2016): Die 2030-Agenda. Globale Zukunftsziele für nachhaltige Entwicklung.  https://www.globalpolicy.org/images/pdfs/GPFEurope/Agenda_2030_online.pdf

(7) Wilhelm, F.: Kommt die Dünge-Revolution aus Georgien?, in: Nordkurier, S. 5, 13. Juli 2017

Der Anfang einer Reise

Featured

Nachhaltigkeit zu leben ist eine Herausforderung – ob es um nachhaltigen Konsum, nachhaltige Bildungslandschaften oder nachhaltigen Klimaschutz geht. Das wird uns auch durch den Konsens unserer Alltagsgespräche und durch zögerliches politisches Handeln suggeriert. Die 17 Sustainable Development Goals der UN gelten als globale Ziele zur Sicherung einer nachhaltigen Entwicklung auf ökologischer, ökonomischer und sozialer Ebene. Nachhaltigkeit wird damit in allen Dimensionen forciert und globale Umweltveränderungen werden grundlegend einbezogen. Denn ohne die Bemühungen einer grundlegenden Sicherung an ökologischen Grundlagen, ist auch die Umsetzung hochwertiger Bildung oder die Arbeit an einer nachhaltigen Konsumkultur gar unmöglich.

SDG 13 Climate Action

Die Menschheit ist dabei, ihre Existenzgrundlage zu vernichten. Klingt schlimm, ist es auch. Der Kern dabei: der Verbrauch fossiler Brennstoffe. Die damit einhergehende globale Erderwärmung bedingt einen Wandel des Klimas. Die klimaassoziierten Umweltveränderungen und Auswirkungen betreffen unterschiedliche Länder und Regionen in verschiedenem Ausmaß. Sie sind mehr oder weniger extrem spürbar und werden in den nächsten Jahren sogar noch zunehmen: das erhöhte Risiko von Extremwetterereignissen wie Starkniederschlägen und Hochwasser gefährdet Existenzgrundlagen. Hohe gesundheitliche Belastungen durch verminderte Lebensmittelsicherheit und Wasserqualität nehmen zu, Erkrankungen bahnen sich ihren Weg und sowieso ist die weltliche Infrastruktur in Sachen Sicherheit mürbe.

Aber wir wollen den negativen Kern und das Potenzial einer mittelschweren Sinnkrise an dieser Stelle der Geschichte gar nicht weiter ausführen. Denn viele Länder und Regionen sehen und verstehen das Problem und handeln.

Als SDG 13 verbirgt sich hinter „Climate Action“ das Ziel, anthropogene Einflüsse auf das Klimasystem zu mindern und die globale Erwärmung sowie ihre Folgen zu verlangsamen. Klimapolitisch heißt das insbesondere, den CO2-Ausstoß zu verringern und die 2°C-Grenze der globalen Erderwärmung nicht zu überschreiten. Neben der Nutzung regenerativer Energien wird in nationalen Klimaschutzplänen ein verändertes Verkehrs-, Bau- und Konsumverhalten gefragt. Im Bereich der Klimafolgenanpassung soll die Widerstandsfähigkeit von Orten, Individuen und der natürlichen Umwelt erhöht werden. Hierbei geht es um Gebäudearchitektur, Infektionsschutz, Katastrophenschutz und Notfallpläne.

Um die Transformation voranzubringen, müssen alle an einem Strang ziehen. Jede*r Einzelne kann durch nachhaltiges Konsumverhalten und einen ressourcenarmen Lebensstil Veränderung bewirken. Climate Action heißt dabei auch, sich dem Jetzt bewusst werden und es kommunizieren, um eine geeignete Klimakultur gemeinsam zu gestalten.

SDG 4 Quality Education

Eine Straße voller Hieroglyphen

Könnt ihr euch vorstellen durch die Straßen zu laufen und nur wirre Buchstaben zu sehen? Keine Schriften zu verstehen, Zeitung, Straßenschilder, Anzeigen, Briefe einfach nichts. Es ist für die meisten kaum noch vorstellbar, ein Leben ohne Buchstaben zu führen, ein Leben ohne Lesen und Schreiben. Doch selbst in Deutschland gibt es ca. 7,5 Millionen Analphabeten, die von der Welt der Buchstaben ausgeschlossen bleiben.

Bildung ist die zentrale Voraussetzung für das Mitwirken in der Gesellschaft und in globalen Prozessen. Nur wer die aktuellen Themen der Welt versteht, mitbekommt, was die Politik beschäftigt und wie Prozesse funktionieren, kann dazu seine Meinung preisgeben.

Bildung für Alle ist somit eines der wichtigsten Ziele, eine Transformation unserer Gesellschaft anzuregen. In vielen Schulen werden immer noch die gleichen Fächer unterrichtet wie vor 20 Jahren. Es gibt neue Technologien, neue Wissensgebiete und viel mehr Möglichkeiten, an Informationen zu kommen als es früher möglich war. Daher sollte man anfangen, auch die Strukturen in der Schule zu verändern. Alte Unterrichtsmethoden aufzulockern und neue Themen an die Schüler*innen zu bringen.

Könnt ihr eine Eiche von einer Buche unterscheiden? Und lernt ihr, wie man sein Geld sinnvoll anlegt? Das wahrscheinlich weniger, aber dafür könnt ihr ganz einfach die dritte Ableitung einer Funktion 4-Grades bestimmen oder?

Innerhalb der Grundausbildung sollte der Fokus mehr auf lebensnahen und aktuellen Themen liegen. Ein Basiswissen zum Klimawandel und zur Wertschätzung der Natur sollte angestrebt werden. Nur wer seine Umwelt versteht und diese wertschätzt, kann sich für ihren Schutz einsetzten. Es geht darum, der breiten Bevölkerung eine nachhaltige Lebensweise näherzubringen. Die ersten Grundsteine dazu sollten schon in der Schule gelegt werden. Denn mit Menschen zu kommunizieren, die verstehen was die Probleme unserer Welt sind, macht es viel einfacher, diese auch zu lösen.

Anfangen kann man damit, Fächer einzurichten, deren Schwerpunkte auf globalen Umweltproblematiken liegen, mit den Kindern öfter in Diskussion treten, sie selbst Probleme erkennen lassen und gemeinsam eine Lösung finden. Weg vom puren Frontalunterricht und Schüler*innen unterschiedlicher Meinungen Ansichten diskutieren lassen und diese respektieren. Man sollte öfter nach draußen gehen und die Umwelt kennen lernen, die Natur kennen lernen. Klein anfangen, aber früh anfangen, das ist die Lösung. Bringen die Schüler*innen ausreichend Wissen über nachhaltige Entwicklung und Konfliktlösungen mit, sind sie gut gewappnet, in unserer globalisierten Welt den Transformationsprozess voranzubringen.

SDG 12 Responsible Consumption and Production

2. August 2017 – Earth Overshoot Day: ab diesem Tag verbrauchen wir weltweit mehr Ressourcen als nachwachsen können. Jedes Jahr rückt dieser Tag im Kalender ein wenig weiter nach vorne. Vor 30 Jahren haben wir mit unseren Ressourcen noch so gehaushaltet, dass diese erst am 19. Dezember verbraucht waren – also 139 Tage später. Obwohl die Problematik des Klimawandels schon damals bekannt war – mit der Agenda 21 fand das Leitbild der Nachhaltigkeit immerhin schon 1992 in Rio Einzug in die internationale Politik – geht der Ressourcenverbrauch nicht zurück. Im Gegenteil: er beschleunigt sich scheinbar unaufhaltsam Jahr für Jahr.

Mit SDG 12 Responsible Consumption and Production haben die Staaten nun erneut die Relevanz ressourcenschonenden Konsums und Produktion anerkannt. Neben der Umsetzung des 10-Jahres-Rahmens von Programmen zu nachhaltigen Konsum- und Produktionsmustern von 2012 werden die effiziente Nutzung natürlicher Ressourcen, die Eindämmung der Nahrungsmittelverschwendung, ein umweltverträglicher Umgang mit Chemikalien, Unternehmensverantwortung sowie Bildung für Nachhaltige Entwicklung forciert.

Auch auf individueller Ebene besteht Handlungsbedarf. Sei es der Sonntagsbraten, Kleidertauschparties, Do-It-Yourself, Upcycling, Reparaturwerkstätten, Mitfahrgelegenheiten, Wohnkooperativen – die Möglichkeiten, sich dem Teufelskreislauf des Konsums zu entziehen, sind vielfältig. Seit 2017 schafft Schwedens Regierung beispielsweise durch Steuerreduzierungen Anreize, Dinge zu reparieren und wirkt damit der Wegwerfgesellschaft entgegen. Getreu dem Motto Sharing is Caring sollten wir unsere täglichen Konsumentscheidungen überdenken und uns unserer Wirkungskraft bewusst werden. Und vielleicht ist Zeit doch schöner als Geld, gemeinsam schöner als allein, teilen schöner als festhalten.

Ja, Nachhaltigkeit zu leben ist eine Herausforderung. Aber der Anfang der Reise hin zu einer nachhaltig lebenden Gesellschaft ist auch spannend, voller interessanter und neuer Möglichkeiten und insbesondere: dringend notwendig.

 

Recuerdo cuando dije que este invierno…

“Recuerdo cuando dije q este invierno, sería menos frío que el anterior… y aquí estoy, congelándome”  Era lo que sonaba en la cabeza de mi amigo y la mía, la semana pasada, mientras tomábamos un té para pasar el frío terrible que vive la zona central de Chile estos días de otoño.

Es así como empezamos a pensar en opciones para evadir un poco el frío que se nos vendría en el invierno, sobre todo en la noche.

-El calientacama para mí es la salvación- dije.

-Pero eso gasta mucho!!  Yo creo que compraré unas sábanas de polar- dijo mi amigo.

-No gasta, sólo lo prendes unos minutos antes de acostarte y la cama está lista – respondí

– Pero el calor se va y el polar mantiene el calor todo el tiempo.

– Luego mantienes el calor con las frazadas. Además la tela de polar es poco ecológica, viene del petróleo- respondí.

– A sí? Y toda la energía que gasta el calientacama, seguramente es muy ecológico.

-Si claro, y el petróleo es lo mejor que hay en el mundo. Muy bueno para el medio ambiente y no genera ninguna guerra.

-Busca cuánto gasta un calientacama versus una sábana de polar y conversamos.- Me respondió, dando fin a la conversación.

Y ahí quedé, con la misión y las ganas de saber qué pasa con estos objetos que tan útiles son para nosotros.

Después de hacer una mini búsqueda por el mundo de google me di cuenta que la tela de polar, al parecer, no es tan malvada como yo pensaba.  Esta es una fibra textil 100% poliéster, imitación de la tela de lana. Es una tela cuya relación peso/abrigo es muy favorable, ya que pese a ser muy liviana abriga mucho y sirve para fabricar, por ejemplo, sombreros, chalecos sin mangas, bufandas, polerones, cintillos, mitones, ropa deportiva, casacas, pantalones de buzos, gorros, guantes, medias, pijamas para camping, chalecos de pescador, chalecos de trabajo, ropa infantil, ropa de bebé, ropa para mascotas, frazadas, etc. etc….

new-piktochart_22890486_a0aea4686fcf29525acf665f24642ffdd2b481f4

Esta tela es fabricada  a partir de desechos plásticos  lo que la convierte en un tela ecológica según la clasificación ambiental de la organización europea MADE-BY.  Esta organización dedicada a la moda sostenible, elaboró el año 2009, una clasificación ambiental de los textiles naturales y sintéticos, donde el polar es registrado en la categoría A, en cuanto a que huella de carbono es mínima o de bajo impacto, en comparación, por ejemplo, a una polera de algodón, según consta en la publicación del blog del diario El País.

Debemos tener en cuenta, que aunque la huella de carbono de esta fibra, desde su proceso de producción, hasta que está lista para transformarse en tejido, está catalogada en la categoría A, una vez que la comenzamos a utilizar y lavar, puede ser un peligro para el ecosistema marino.

Según un estudio de la University of New South Wales en Australia  publicado por el diario El País,  , el uso cada vez más habitual de las prendas deportivas y de montaña, de alto contenido en esta fibra, ha hecho que en los últimos 50 años, el volumen de microfibra que vertido al medio ambiente haya crecido en un 450%. Las montañas de polyester y de nylon del mar proceden de las aguas que salen de las lavadoras y van a parar a  los pulmones y el estómago de los peces e invertebrados y de ahí pasan al torrente sanguíneo afectando por ejemplo al sistema inmunológico.

Los investigadores están divididos en cuanto a la solución para este problema. Unos creen que la investigación debería centrarse en fabricar lavadoras que reduzcan la liberación de microfibras, limitando la fuerte agitación e instalando filtros más eficaces. Otros creen que la clave está en el origen de la contaminación, que hay que descifrar qué tejidos desprenden más microfibras y dejar de fabricarlos.

Por otro lado, buscando sobre calientacamas encontré que en su mayoría están hechos de poliéster o de algodón convencional, fibras incluidas en las últimas categorías de eficiencia energética desde su proceso de producción, hasta que está lista para transformarse en tejido, por lo que en cuanto a materiales este artefacto no sería tan ecológico.

En cuanto al gasto en energía eléctrica del hogar, según la marca Imetec, un calientacama unipersonal gastaría $12 pesos por noche, mientras que GamaItaly, asegura que “máxima eficiencia térmica, mínimo consumo de energía”. También encontré en el “Las cosas que me gustan” una entrada  titulada “Cuánta energía gastamos?”, donde nombran la  existencia de una máquina, “Whats Up”, que al conectarla a los equipos eléctricos puede arrojar el monto que gastan en watts y en dinero, resultando el Calientacamas  con un gasto de 1,2 Watts por hora , siendo un costo al mes, relativamente bajo.

Bueno, para mí, quedan en el mismo escalón las sábanas de polar como el calientacama, pero sigo prefiriendo este último, ya que al haber algo tangible como lo es una conexión eléctrica, uno tiene más consciencia sobre su uso y sus repercusiones, en contraste con lo que pasa con las micropartículas que llegan al mar.

Con sumo Consumo

No obstante, toda esta búsqueda me lleva a la reflexión…Son las personas conscientes de todo el proceso que se necesita para tener un artefacto, por ejemplo una botella de jugo o agua de la llave en la cocina, de todo lo que provoca mantener el calefactor encendido una hora, o de cuánto le cuesta al ambiente tener el pantalón o la blusa de moda (El tratamiento de textiles y sus repercusiones ambientales).

Yo creo que la gran mayoría no lo es, ya que desde la revolución industrial en adelante, poco a poco, nuestra sociedad se ha convertido en una sociedad de consumo.

Este término se utiliza para calificar a una  sociedad que se caracteriza por el consumo masivo de bienes y servicios, disponibles gracias a la producción masiva de estos y a una serie de recursos y estrategias que tienen por objetivo aumentar el consumo y dar salida a la producción. La venta a plazos y tarjetas de crédito, el acortamiento de la vida de los productos, las modas cambiantes, las ofertas, la publicidad y el marketing, favorecen la cultura del consumo.

El medio Question Digital, nos muestra una opinión muy interesante sobre el caso de Venezuela, que pese a que se encuentra en un contexto de crisis política y social, no difiere mucho de lo que pasa en el resto del mundo.

“Hemos pasado meses y meses viendo en VTV colas de gente cargando refrigeradores, cocinas y televisores Haier de 45″. Llevamos años viendo anclas de los medios públicos usando lo más novedoso de la tecnología táctil para leer tuits. El tan necesario discurso contra el consumismo que debe provenir de nosotros los revolucionarios, quedó anulado desde hace tiempo ante lemas como “el vivir bien” o “vivir viviendo” que fueron propios de la necesaria campaña presidencial, pero que además transmitían la equivocada idea de que ser socialista equivale a tener mucho dinero para gastar sin pensarlo mucho, en todo lo que quieras.”

Yo siempre estuve aquí

Cuáles son nuestros esfuerzos?

En Chile,  por tercer año consecutivo se realizó la Encuesta Nacional del Medio Ambiente, cuyo objetivo es caracterizar las opiniones ambientales de la ciudadanía, su comportamiento en esta materia y sus principales preocupaciones con respecto a esta temática.

La Contaminación del Aire se mantiene por tercer año consecutivo como el principal problema ambiental para los chilenoscon un 38.4%, seguido de la basura y suciedad en las calles (20,7%%)los perros vagos y sus excrementos (7,4%), la congestión vehicular (6,6%) y el cambio climático (4,2%).

El ministro del Medio Ambiente, Marcelo Mena, explicó que “lo importante es que se mantiene una preocupación por los problemas ambientales, y probablemente esto es consecuencia, en parte, de la visibilización de contaminación ambiental en el centro-sur de Chile. Hace un par de años un 31% decía que el principal problema era la contaminación del aire, hoy estamos en torno a un 38%. Hoy hay muchas más zonas con plan de descontaminación, lo que implica una mayor conciencia sobre el problema”.

“También – agregó–  hay una alta preocupación por el tema del cambio climático y por la basura. Esta última es más prevalente en el norte como un problema, mientras en el centro y sur es la contaminación atmosférica”.

A la pregunta ¿Cuáles son las acciones más importantes que usted puede hacer a diario para proteger el medio ambiente?  Un 36,7% respondió no botar basura, un 18,9% cuidar la naturaleza, un 18,2% reciclar, un 14,3% no usar estufas a leña y un 11,8% se inclinó por educar a niños y jóvenes. Y a la pregunta ¿Quiénes hacen los mayores esfuerzos por cuidar el medioambiente? Un 62,8% está de acuerdo en que las escuelas están haciendo el mejor esfuerzo y un 58,9% asegura que cada uno está haciendo su mejor esfuerzo.

Asumiendo que efectivamente hagamos lo que decimos, se puede concluir que el chileno ha ido adquiriendo mayor conciencia ecológica y está tomando acciones  en su vida.

Sin embargo, resulta evidente que nos sentimos demasiado conformes con nosotros mismos, que aún estamos muy lejos de ser un país de gente realmente preocupada por la sustentabilidad y tendemos a esperar que sea el resto el que cargue con la mayoría del peso de cuidar el medioambiente.

Escoger transporte más ecológico, utilizar bolsas de género y elegir productos retornables o sin envase al comprar, reciclar o compostar todos nuestros desechos (preocupándonos que efectivamente sean reciclados), reducir nuestro consumo de recursos, mejorar la aislación de nuestros hogares y usar combustibles más ecológicos, son solo algunos de los múltiples actos que deberíamos incorporar a nuestra vida diaria. Mientras no hagamos todo esto, no podemos, realmente, decir que hacemos “nuestro máximo esfuerzo”.

Dentro del  “deber ciudadano” , es decir, la obligación natural de vivir responsablemente, haciendo uso de los beneficios que la madre tierra nos da, sin que ello permita un abuso, la Fundación Habitar desarrolla el Programa de Educación Socioambiental, cuyo objeto es contribuir al debate y transformación sobre las temáticas socio-ambientales y territoriales. Este programa consiste en una serie de talleres educativos basados en la puesta en práctica del método científico, posibilitando la obtención de conocimiento de primera mano, haciendo uso de la escuela y su entorno como laboratorios vivientes.

Esto se sistematizó y además se recopiló la experiencia de los talleres realizados y se editó un manual de transferencia (Manual de Educación Socioambiental-Fundación Habitar,) el cual está a disposición de organizaciones y personas interesadas en la Educación Socioambiental, como un insumo para el desarrollo de instancias educativas en distintos contextos.

Todos podemos aportar a hacer de este mundo, el único que tenemos, un lugar agradable para VIVIR.

Nachhaltigkeit, die Zähne zurück geben

Vereinzelte Handlungsfelder unter dem Deckmantel der Nachhaltigkeit zu vereinfachen, suggeriert einen Konsens den es zu wenig und verschleiert Konflikte, die es zu Genüge gibt. So spricht auch der Rat für nachhaltige Entwicklung (RNE) in seiner beratenden Funktion von einer Wortwolke. Der Begriff läuft nämlich Gefahr, zum beliebigen Füllwort zu werden, mit dem sich alles beschreiben lässt, was irgendwie irgendwann mal besser, grüner und gerechter werden soll. Die Erkenntnis, dass nachhaltige Politik und Lebensweisen keine Luxusprodukte sind, kein Lifestyle-Accessoire, sondern pure Notwendigkeit, hat sich bisher nicht nur in gesellschaftlichen Sphären zu wenig festgesetzt. Auch in der Politik wird noch größtenteils der Versuch unternommen, das Immer-Weiter-So mit grünem, erneuerbarem Anstrich zu verkaufen. Doch woran liegt das? Und vor allem – wie können wir das ändern?

“Wie bekommen wir Nachhaltigkeit in die zentralen politischen Debatten hinein?“ ist eine solcher Fragen, die sich zunehmend viele Menschen in Politik, Wissenschaft und Wirtschaft stellen. Denn obwohl die deutsche Nachhaltigkeitsstrategie international für Aufmerksamkeit sorgt, indem sie eine der ersten Umsetzungsansätze der 2015 im Pariser Klimaabkommen und der Sustainable Devolopment Goals (SDGs) vereinbarten Zielvorgaben darstellt, wird schnell deutlich, dass sie als gesamtgesellschaftliche Aufgabe nach wie vor nicht die nötige politische Durchschlagkraft inne hat. Eine konsequente Einbettung relevanter Bereiche in die Metastruktur politischen Handelns scheitert aber nicht zuletzt nur an der mangelnden Mehrheitsfähigkeit dieser Themen auf der großen Politikbühne unseres parlamentarischen Systems, sondern auch an der bisherig unzureichenden Bereitschaft der Gesellschaft, sie auf eben diese Bühne zu heben. Die Diskrepanz zwischen Handeln und Wissen ist also sowohl ein gesamtgesellschaftliches, wie auch individuelles Problem.

Doch wie kann es gelingen, Nachhaltigkeit als Metathema resonanzfähiger zu vermitteln? Ein Aknüpfungspunkt dabei könnte der Zusammenhang zwischen Nachaltigkeit und Fluchtmigration sein, da die Krise im Umgang mit geflüchteten Menschen in Europa bereits eines der resonanzstärksten Themen der letzten Jahre darstellt. Denn es ist nicht nur die Nicht-Nachhaltigkeit politischer Strukturen in vielen Ländern des Globalen Südens sondern eben die nicht-nachhaltigen Produktions-, Konsum-, Arbeits- und Lebensstilmuster in den sogenannten entwickelten Ländern des Globalen Nordens, die zusammengefasst als imperiale Lebensweisen (Stephan Lessenich) weder ökologisch noch ökonomisch verallgemeinerungsfähig sind. In diesem Zusammenhang sei der geflüchtete Mensch laut Lessenich ein verkörperlichter Ausweis weltgesellschaftlicher Zusammenhänge. Der Bevölkerung diese funktionalen Verkoppelungen aufzuzeigen und das globale Tauschungleichgewicht, das zwischen den Hemisphären liegt, zu vermitteln, könnte demnach eine Sensibilisierung für nachhaltigere Wirtschafts- und Lebensweisen erzeugen.

Es scheint sich allerdings allmählich etwas zu ändern, etwas, das nicht nur von Aktivist*innen der Postwachstumsbewegung vertreten wird, sondern zunehmend auch auf größeren Konferenzbühnen von Wissenschaft und Politik resoniert: Die Erkenntnis, dass es keine nachhaltig entwickelten Länder auf diesem Planeten gibt. Und nachhaltige Praktiken nur daraus entstehen können, wenn das Bewusstsein dafür, in ein Bewusst-Sein auf kollektiver wie individueller Ebene verwandelt wird.

Ein Werkzeug hierfür könnte das Konzept der planetaren Leitplanken sein – den Handlungsspielraum der Menschheit in seinen sozialen und biophysischen Grenzen wahrnehmen zu lernen. Das Planetary Boundary-Konzept wurde erstmals 2009 in einer Studie präsentiert (Vgl. Rockström et. al. 2009) und setzt neun planetare Leitplanken-Indexe fest, deren Stabilität für das menschliche und planetare Wohlergehen innerhalb eines safe operating spaces gewährleistet werden müssen. Derzeit haben wir vier der neun Belastungsgrenzen überschritten.

SGD:PL

Es geht dabei darum, die Konzepte zu re-framen, also die Rahmenbedingungen der Vermittlung neuzukonzipieren, damit sie in Mainstreaming-Prozessen gesellschaftsfähiger aufgenommen werden können. Dabei wird schnell klar: Es mangelt weder an Ressourcen, noch an Wissen, sondern das größte Problem liegt in der Kommunikation, denn: Wörter und Bilder sind eben genau solche Rahmen – Projektionsflächen und Metaphervorlagen, die in der kollektiven Wahrnehmung das Verständnis über und das Interesse für komplexe Themen strukturieren und greifbarer machen können.

oxfam doughnut.png

So auch im Falle des Oxfam-Doughnut von Kate Raworth – eine simple kreisförmige Illustration mit einem Loch in der Mitte, um die planetaren Grenzen auf der Außenseite, die sozialen Grenzen auf der inneren Seite und den Zwischenbereich als sicheren und gerechten Handlungsspielraum für die Menschheit zu vermitteln. Auch die Übertragung dieses Sinnbildes auf die 17 SDGs kann eine sinnvolle Ergänzung sein, um die Verbindungen und gegenseitigen Abhängigkeiten der Ziele aufzuzeigen. Und vorallem ein Gefühl dafür zu vermitteln, was für ökologische Ökonomen seit Jahrzehnten Kernbestand ihrer Arbeit ist: Dass alles menschliche Handeln, alle Konsum- und Produktketten – kurz: die gesamte Sozial- und Wirtschaftssphäre – ihren Ursprung in der Natur hat. Und diese zunehmend an ihre Belastungsgrenzen gerät.

––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––

Dieser Artikel erschien zuerst in längerer Fassung beim transform Magazin – Das Magazin fürs Gute Leben (http://bit.ly/2s3vVpI)