Internationale Sommeruniversität „Relate“ 2021/22
Es ist das Narrative der Objekte, also das, was die Objekte erzählen, das helfen soll, die globalen soziokulturellen Optionen des Überlebens der Menschheit auszudeuten. Objekte als narrative Hilfsmittel von Wahrnehmung und Erkenntnis können möglicherweise intensiver zur Metamorphose der beharrlichen, gewohnten Weltbilder und -sichten – einschließlich des Metabolismus Mensch-Natur und einschließlich der Trennung von Mensch und Natur – beitragen, als die rein rationalen Emperien der Wissenschaften. Und es ist Bei aller Kontroverse – es geht um eine „große Erzählung“.
Design Fiction wird in diesem Projekt die methodische Grundlage für künstlerische Forschung auf der Basis wissenschaftlichen Wissens zu Phänomenen des Anthropozäns.
Mit Objekten ist die ganze Spannbreite realer Erfahrungserlebnisse, also Gegenstände, Filme, Performances u.a. erfasst und gemeint. Und: Objekte mit ihrem narrativen Fundus sind kulturell, also regional definiert. Nur so können wir verständlich erzählen.
Die Aufgabe des Vorhabens ist es, fiktive Objekte mit Narrationen zu entwerfen und zu produzieren, die, wenn sie zusammenkommen, eine Erzählungenwelt eröffnen. Unser Experiment besteht darin, erzählende Objektdarstellungen von bildenden Künstlern mit theatralen Erzählformen, die von Boal/Freire und Schlingensief/Brasch u.a.
Die Vorarbeit zu den Designprozessen besteht in dem Erarbeiten von wissenschaftlich abgesicherten Szenarien über mögliche Metamorphosen – oder Effekte von ökologischen und sozialen Kipppunkten. Die Fiktion danach oder die Fiktion des Umbruchprozesses ist Gegenstand von Erzählungen. Und in diesen gibt es Objekte, die Erschaffen werden sollen und die dann Träger der Erzählungen sind. Die Erzählungen betreffen die soziokulturellen Handlungsebenen des Anthropozäns.
Methode
- Objekte kreieren, die materialisierten Gedankenexperimenten ähneln. Design von Artefakten möglicher Zukünfte und ihrem soziokulturellen Kontext sowie den möglichen Handhabungen der Artefakte. Dadurch verschwimmen die Kontraste zwischen Wissenschaft, wissenschaftlicher Tatsache und Design Fiction
- Herstellungsprozess einer Fiktion, die sich mit wünschenswerten und alternativen Zukünften befasst.
Design fiction ist eine Methode der kritischen und reflexiven Vorausschau, die zu Wahrnehmungsveränderungen im Alltag und in der Weltsicht führen soll. In unserem Fall soll sie helfen, Prozesse von Metamorphosen/Umbrüchen und Überlebens-Zustände im fortgeschrittenen Anthropozän, vor allem die zentralen Merkmale von Zukünften zu erzählen und zu imaginieren / plastisch zu realisieren und diese in einem Prozess ständig zu revidieren.
„Objekte“ (funktionierende Prototypen) spielen dabei den Kern materieller Repräsentationen möglicher Zukünfte.
Es steht die extreme Herausforderung, substanzielle Dekonstruktionen der realen Welt (Funktionsweise, Voraussetzungen, inhärente Reproduktion und Plausibilität) mit dem Crash/Epochenwandel wahrzunehmen SOWIE sich die zentralen Merkmale und Grundzüge der neuen Kultur vorstellen und diese darstellen zu können.
Design Fictions wird deswegen auch weiträumig auf design-orientierte Zukunftsbilder(design futures / design-oriented futures) ausgerichtet, wobei der Präsentationsstil – die visuelle Darstellung in Form von Bildern, Filmen… – entscheidend ist. Bilder und Videos können innerhalb kürzester Zeit effektiv eine Nachricht transportieren, wofür ein Text oder ein ausgestelltes Objekt deutlich länger benötigt. Auch ist das Provozieren mittels bildlichen und visuellen Darstellungen einfacher, da durch das Design der Artefakte eine Ausprägung und eine Benutzung bereits vorgegeben wird.
In der Sommeruni werden wir transkollektiv und transdiziplinär arbeiten. In der Kongruenz Fiktion und sich schnell und radikal ändernder Wirklichkeit, kann Design Fiction von Wissenschaftlern genutzt werden, die die Entwicklung von Zukünften fördern. Sowie von Designern, die Zukünfte entwerfen, von Künstlern, die Visionen für Zukünfte skizzieren und von Architekten, die spekulative und visionäre Gebäude entwerfen usw.. Es provoziert kreative Ideen für einen iterativen Eintritt möglicher Zukünfte. (indem es die Imagination durch den bewussten Einsatz von haptischen Objekten reizt.) Die Objekte sind bewusst als Artefakte oder Visualisierungen einer Zukunft geschaffen und in einer Narration eingebunden, die ihre Ursprünge in den soziokulturellen Technologien oder Systemen der Gegenwart besitzen. Diese dadurch evozierte gegenwartsbezogene Reflexion fordert ein Denken in Zukünften ein.
Mit Design Fiction kann mittels einer Fiktion ein Vokabular oder Symbole geschaffen werden, mit deren Hilfe sich Experten und interessierte Laien über Anwendungsfälle und mögliche Erwartungen austauschen können. So wird der entstehenden Technologie eine weitere Entwicklungsebene hinzugefügt, die traditionelle und wissenschaftliche Methoden nicht generieren konnte.
„Die produktive Vermischung von wissenschaftlichem Fakt, Kunst und Science-Fiction ist vielleicht der einzige Weg für die Wissenschaft über sich selbst hinauszuwachsen und mehr als inkrementelle Formen der Innovation zu erreichen.“ Es kann zu neuen Fragen führen, die in der Gegenwart noch nicht gestellt werden konnten.: Ziel ist es die „Was wäre, wenn…“ Frage umzusetzen und einen neuen Blickwinkel auf die Entwicklung zu schaffen, welcher umgehend in einen Rückkopplungsprozess zur Entwicklung eingegliedert werden kann. Science-Fiction Prototyping ermöglicht dadurch Anwendungsfälle einer Idee in einer Narration und ihrem Kontext zu testen.
