Gleichwertige Lebensverhältnisse in Stadt und Land

Die Bundeszentrale für politische Bildung veranstaltet seit mehreren Jahren die Montagsgespräche. Viele der behandelten Themen berühren oder betreffen unmittelbar die nachhaltige Entwicklung. Am 25. Februar ging es um „Ländlicher Raum – Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse in Stadt und Land“.

Zu der aktuellen Ausgabe der Montagsgespräche waren als Vortragende und Gäste der Podiumsdiskussion geladen Dr. Tobias Federwisch vom Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung, der einen einführenden Vortrag hielt sowie Ministerialrat Brockhaus vom Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft, Benjamin Schaarwächter vom Hof Prädikow und Christine Wenzel, Bürgermeisterin des Ortes Quetzdölsdorf. Moderiert wurde die Diskussion von Cornelius Adebahr, Politikberater aus Berlin.

Der Ankündigung zur Veranstaltung war zu entnehmen, dass Begriffe und Vorstellungen wie „Landflucht und Sehnsucht nach ländlicher Idylle, Geisterdörfer und frischer Wind“ einem „immer schnelleren Auseinanderdriften der Lebensverhältnisse, der politischen Präferenzen und der Kulturen in Städten und ländlichen Regionen“ entgegenstehen. Der Checkpoint widmete sich den „Möglichkeiten und Herausforderungen ländlicher Räume, sowohl für Alteingesessene und neu Zugezogene“. Ein zentrale Frage war, „wie ist politische und kulturelle Teilhabe möglich (ist), wenn öffentliche Einrichtungen schließen, kaum Busse fahren und das Internet sehr langsam ist?

Im Vortrag von Dr. Tobias Federwisch wurde vor allem betont, dass technische, ökonomische, digitale und soziale Innovationen notwendig sind, um für gute Lebensverhältnisse auf dem Land zu sorgen. Eine solche Innovation sei etwa das Smart Farming, der Einsatz moderner Informations- und Kommunikationstechnologien in der Landwirtschaft. Ferner wurde die Relevanz der Kommunikation hervorgehoben. Innovation ist kaum möglich, wenn die Akteure vor Ort, die etwas verändern und bewegen wollen, nicht angemessen miteinander kommunizieren.

Montagsgespräche Checkpoint der Bundeszentrale für politische Bildung

Fotos: Thomas Klein

Dies bestätigte sich in der Podiumsdiskussion. Wenn sich Menschen zusammenfinden, um etwas zu bewegen wie auf dem Hof Prädikow ist Kommunikation von essentieller Bedeutung. Allerdings wurde nicht darauf eingegangen (was häufig der Fall ist, wenn es um Komunikation geht), was beim Kommunizieren beachtet werden muss, also wie kommuniziert werden kann, um Projekte erfolgreich umsetzen zu können. Um Projekte ging es natürlich vielfach, ‚Projekt‘ hat sich geradezu zu einem Zauberwort entwickelt, das aber schnell wieder entzaubert wird, wenn es darum geht, was von einem tollen Projekt nach Ablauf der Projetklaufzeit noch übrig bleibt.

Dies gilt mit Sicherheit auch für die vorgestellten Projekte Otto – der Bus, Dorfkino einfach machbar und Smart Village oder die Projekte, die in Quetzdölsdorf initiiert wurden. Die Ortsbürgermeisterin Christine Wenzel wies an einer Stelle auch darauf hin, dass die Fortsetzung eines Projektes unklar sei, weil die eigens dafür eingestellten Mitarbeiter den Ort vermutlich wieder verlassen werden.

Ein Höhepunkt der Diskussion war der Hinweis von Ministerialrat Brockhaus, dessen Referat im Ministerium „Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse in ländlichen Räumen“ heißt, dass gemäß § 1 ROG (Raumordnungsgesetz) Gleichwertigkeit nicht das bedeute, was häufig mit dem Begriff ausgedrückt werde. Das schien viele Anwesende zu überraschen. Tatsächlich herrschte wohl auch in der Vergangenheit schon Uneinigkeit darüber, was mit Gleichwertigkeit gemeint ist (siehe Studie). Ein Blick auf die Webseite des Beauftragten der Bundesregierung für die neuen Bundesländer zeigt allerdings ein breites Spektrum an Themen, die unter Gleichstellung subsumiert werden. Einige der Themen wurden auch durchaus in der Diskussionsrunde aufgegriffen, doch vor dem Hintergrund, dass es ja vornehmlich um neue Bundesländer (vor allem Brandenburg) ging, wäre eine stärkere Rahmung noch angebrachter gewesen. Denn hier (oder auch Mecklenburg-Vorpommern, wo der Filmclub Güstrow e.V. ansässig ist oder auch Malchin, wo das KMGNE vielfach tätig ist) handelt es sich ja um strukturschwache Gebiete, die andere Voraussetzungen aufweisen, als strukturstarke ländliche Regionen, die es ja auch gibt.

Dies wurde in der Diskussion immerhin benannt: Es gibt nicht den einen ländlichen Raum. So wurden in der sehr gut moderierten Diskussion viele interessante Bereiche des Themas ländlicher Raum aufgegriffen, die noch vertiefend zu diskutieren sind.

Text und Layout: Dr. Thomas Klein

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