Klima trifft Theater

In der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin fand am Abend des 30. Oktober die Konferenz „Klima trifft Theater – Zur theatralen Erzählbarkeit der Klimakrise“ statt. Was kann das Theater zum Diskurs der Klimakrise beitragen?

Veranstalter der Fachtagung waren die Heinrich-Böll-Stiftung, das Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung IASS, Potsdam, nachtkritik.de, der Theaterdiscounter und die Dramaturgische Gesellschaft.

Im Ankündigungstext zur Veranstaltung heißt es:

Das Theater ist seit Aristoteles mit menschlichem Handeln befasst und mit den Auswirkungen dieses Handelns – auf Mitmenschen. Tun, Leiden, Lernen, so geht der Kreislauf zwischen Mensch und Mensch. Aber genügt diese anthropozentrische Sichtweise auf handelnde Menschen heute noch? Wie umgehen mit den weiterreichenden, externen Effekten dieses Tuns und Leidens? Im Anthropozän sind der Mensch und seine Hervorbringungen zum bestimmenden und hochriskanten Umweltfaktor geworden. Die menschgemachte Klimakrise bedroht die Ökosphäre und das Leben künftiger Generationen von Pflanzen, Tieren, Menschen. Dürren, Fluten, Stürme ziehen herauf, Regionen werden unbewohnbar, Verteilungskämpfe nehmen zu. Gibt es Erzählweisen, die solche Prozesse für das Theater aufschließen? Lässt sich eine Dramatik für die Klimakrise finden? Wie können mathematisch beschreibbare globale Vorgänge mit den Mitteln des Theaters konkret sinnlich erfahrbar gemacht werden? Diesen Fragen geht die Veranstaltung ‚Klima trifft Theater‘ nach. In der Begegnung von Wissenschaft, Politik und Theater sollen die Herausforderungen der Klimakrise für die Bühnenkunst diskutiert und einzelne Pilotprojekte vorgestellt werden.

Als 1960 Keeling seine CO2-Kurve entdeckte, begann die Menschheit den Klimawandel zu begreifen. Ab 1979 mit der ersten Klimakonferenz in Wien wusste sie Bescheid. Und doch fand die Klimakrise in der Politik, in den Medien, bei den Künsten und Intellektuellen, in der Wissenschaftskommunikation nicht statt. Ich meine: nicht adäquat zur Herausforderung und der Grundsätzlichkeit, die aus dem Risiko irreversibler Veränderungen (Kipppunkte) erwächst. Stattdessen ein wachsender Kampf gegen Wissen.

Screenshot des YouTube Videos der Dokumentation durch nachtkritik.de

Die Fachtagung war ein guter Auftakt für die Annäherung von Theater an die adäquate Erzählung der Klimakrise. Man könnte – nimmt man die Atmosphäre bei den Teilnehmenden zum Indikator – es auch als Wachwerden beschreiben. Wenngleich es noch keine klaren Antworten geben konnte, so kurz nach dem Aufwachen fanden sich doch schon hellwache Fragen, die sich sowohl an das Theater als auch an die Wissenschaft richten: Z.B. wie lassen sich Deutungsmuster, komplexe Relationen von Phänomenen, Prozessen und Akteuren erkennen und darstellen, die mit limitierenden und dichotomisch gedachten Begriffen wie Natur, Kultur, Technik etc. nicht hinreichend beschreibbar sind? Wie ist das terrestrische Moment erfahrbar zu machen? Welche Mittel des Widerstandes oder des Selbstschutzes stehen der zivilen Gesellschaft zur Verfügung, wenn die „großen Entscheider“ über gesellschaftliche Strukturen, Spielregeln und Entwicklungspfade seit Jahrzehnten die „great acceleration“ vorantreiben – entgegen ihrer eigenen Zielvereinbarungen (Pariser Abkommen z.B.)? Sie ähneln denen, die auf der Internationalen Sommeruniversität in Karnitz im August diesen Jahres gestellt wurden.

Video-Aufzeichnungen der Vorträge, des Podiumsgesprächs und der Präsentationen von Pilotprojekten diverser Theaterinstitutionen finden sich auf der Webseite des Online-Theatermagazins nachtkritik.de.

Hingewiesen sei an dieser Stelle auch auf Thomas Kleins Blogbeitrag für das Open Book Nachhaltigkeitskommunikation „Theater der Nachhaltigkeit“ vom 1. Januar 2018 zur Theatersaison 2017.

Text: Joachim Borner

Redaktion: Thomas Klein

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