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Citizen Science | Gipfelerfolge der Wissenschaft und ihr Basislager

Mit dem Bild einer Bergexpedition beschreibt der Wissenschaftstheoretiker Peter Finke in seinem soeben erschienenen Buch „Citizen Sciene – Das unterschätzte Wissen der Laien“ (2014) das Verhältnis von akademischer Wissenschaft (Professional Science) und Citizen Science: Die spektakulären anspruchsvollen Forschungsergebnisse der etablierten Wissenschaft brauchen das „Basislager“, den Erfahrungsraum und das Wissen der BürgerInnen.

Citizen Science, ein Begriff, der mit Bürgerwissenschaft nur unzulänglich übersetzt ist, (Finke 2014: 37ff, 217) bezeichnet die aktive Beteiligung von BürgerInnen an Wissenschaft und Forschung. Mit ihren intellektuellen Leistungen, Kompetenzen und Erfahrungswissen tragen die gesellschaftlichen Akteure zu einem robusten, in der Gesellschaft verankerten Wissen bei. Insbesondere Themen von hoher Komplexität, Zukunftsorientierung und wachsender gesellschaftlicher wie politischer Relevanz – etwa Demografischer Wandel, Klimafolgen, ökonomische Krisen – erfordern eine Vielfalt an Wissensformen.

Citizen Science verfährt eher bescheiden, informell und unkonventionell, ohne aber qualitativ schlechter zu sein als die professionelle Wissenschaft. „Laien sind nicht dumm“ lautet daher die These, mit der Finke sein Plädoyer für die längst überfällige Anerkennung der Citizen Science einleitet und in vier weiteren, ebenfalls anschaulich geschilderten Kapiteln fortführt.

„Der Apfelbaum“ steht für „Lebensnähe als Prinzip“ (Finke 2014:56ff): nicht nur die „hoch hängenden Wissensfrüchte“, sind es wert „gepflückt“ (Finke 2014:59) zu werden, versprechen doch gerade die niedrig schwellig erreichbaren Wissensformen einen Gewinn an Lebensnähe und gesellschaftlicher Einbindung.

Citizen Science | Wissenspyramide

Citizen Science | P. Finke Präsentation 2014-03-18

Auch in der traditionellen Vorstellung, dass Wissen wie ein Haus organisiert sei, bleibt Citizen Science gleichsam in den unteren Etagen lokal und regional basierter Wissensfelder. (Finke 2014:112) Sie bilden das Fundament und den unausweichlichen Übergangsbereich, der auf dem Weg in die „oberen Etagen“ durchschritten werden muss und in den alles Wissen verständlich zurück vermittelt und transparent legitimiert werden muss.

Citizen Science | P. Finke Präsentation 2014-03-18

Citizen Science | P. Finke Präsentation 2014-03-18

Die „Wissenspyramide“ (Finke 2014: 182) schließlich variiert das Bild der Citizen Science als Fundament, indem sie das Bürgerwissen einer gebildeten Zivilgesellschaft versinnbildlicht, die mit einem demokratischen Bildungsangebot einen breiten und offenen Zugang zu Wissen und Bildung sicher stellt, wie er die Voraussetzung für eine zukunftsfähige Gesellschaft ist. Citizen Science bildet keine Alternative zur professionellen Wissenschaft, aber ihre unverzichtbare einfache, breite Basis.(Finke 2014: 209)

Im April wird die Plattform www.buergerschaffenwissen.de online gehen, um eine bürgerfreundliche Kommunikation und den aktiven Austausch zwischen Wissenschaftlerinnen und Bürgerinnen zu fördern. Citizen Science Projekte können sich vorstellen und werden über Social Media verbreitet.


Peter Finke (2014): Citizen Science – Das unterschätzte Wissen der Laien, Mit einem Nachwort von Erwin Laszlo, München, oekom Verlag

Plattform www.buergerschaffenwissen.de [2014-03-19]

Green Paper on Citizen Science: Citizen Science for Europe – Towards a better society of empowered citizens and enhanced research. Socientize consortium. (2013-12-01) [2014-03-19}

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