DiV Santiago: Mittwoch, 11.01.2017

Heute ging es zunächst in Form eines Panels um Umweltkonflikte, wobei schon in der anschließenden Diskussion eine Überleitung zum Thema Bildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung stattfand. Am Nachmittag präsentierten die Arbeitsgruppen der Teilnehmenden auf verschiedenste Art und Weise Zukunftsvisionen für 2050, für die von ihnen gewählten Orte.

mittwoch-11-01-2017-46Der Tag begann im Auditorio Paulo Freire mit einer Paneldiskussion von Raúl González, Marilú Trautmann und Daniela Escalona (NIDAS / UAHC) zum Thema Umweltkonflikte. Letztere sprach vor allem auch in vielen anderen Bereichen auftretende Kommunikationsprobleme an. Umweltkonflikte ließen oftmals ganz verschiedene Akteursgruppen, wie indigene Bevölkerungsgruppen, Wirtschaftsunternehmen, lokale Politiker, sowie auch Vertretende international agierender Nichtregierungsorganisationen aufeinandertreffen. Alle diese Gruppen hätten unterschiedliche Ziele, verschiedene Denk- und Ausdrucksweisen, was die Verständigung erschwere.

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Gruppenarbeit in den Pausen

Marilú Trautmann machte in ihrem Beitrag vor allem deutlich, dass die technische Weiterentwicklung nicht die fundamentalen Umweltprobleme lösen werde. Nicht die Technik sei das Problem, sondern wie sie genutzt würde, worin sie indirekt auf den Rebound-Effekt einging. Joachim Borner griff diesen Gedanken am Nachmittag bei der Zusammenfassung der Gruppenpräsentationen noch einmal auf. Alle Gruppen hätten in ihren Präsentationen der Visionen für 2050 vor allem Lebensstile und Werte der Menschen gezeigt. Zu diesen Werten und Lebensvorstellungen seien die notwendigen technischen Mittel und politischen Rahmenbedingungen zu suchen, und nicht das sich die Menschen der Technik und Politik anzupassen hätten. Marilú Trautmann hob weiterhin Aspekte von Verdrängung und Zerstörung durch Infrastruktur- und Ressourcenförderungs-Maßnahmen in entlegenen Regionen hervor, für die es dort – im Gegensatz zu städtischen Gebieten – keine Ausgleichsmaßnahmen gäbe. Sie griff damit die Geschichte Juan Pablo Orregos vom Vortag auf, bei dem der mögliche oder stattfindende Verlust von Heimat und Lebensraum besonders Vertretende indigener Gruppen zu Gewalt, bis hin zu Selbstmord treibt.

Ein Gedanke von Raúl González beschrieb, dass Umweltkonflikte, wie auch andere kleinere Konflikte, alle Ausdrucksweisen vom fundamentalen Konflikt zwischen den Gesellschaftsklassen seinen, die durch den Kapitalismus geschaffen bzw. zementiert würden.

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Es gibt auch positive Seiten von Umweltkonflikten

Umweltkonflikte könnten aber auch positive Auswirkungen haben, so bildeten sie laut Daniela Escalona Ausgangspunkte für Beteiligung und Demokratie, wobei das Grundrecht auf transparente Informationen fundamental sei. Laut Raúl González könnten sie den freien Markt auch zur Entwicklung nachhaltigerer, umweltfreundlicherer Produkte beeinflussen. Weiterhin könnten Umweltkatastrophen auch einen positiven Einfluss zur Umgestaltung formaler Bildungssysteme haben, welche derzeit laut einem Teilnehmenden die Klassenzugehörigkeit ebenfalls zementierten. Ein anderer Teilnehmender brachte als Beispiel zur Überwindung der Mensch-Natur-Abgrenzung das bei den Quechua praktizierte binäre Bildungssystem aus formaler Schulbildung und indigener Traditionsweitergabe an.

Interessant war in der folgenden Diskussion die Unterscheidung zwischen Umweltproblemen, wie z.B. der Luftverschmutzung, und Umweltkonflikten, wenn z.B. die Luftverschmutzung Akteure mobilisiere, sich dagegen einzusetzen. Umweltprobleme verfügten über eine zeitliche, räumliche, politische und soziale Dimension, welche beeinflussten, ob sie zu Umweltkonflikten würden. So könne ein Umweltproblem, wie z.B. die Luftverschmutzung zur Zeit der Industrialisierung ein Problem bleiben, während es z.B. heutzutage einen Konflikt auslöse.

mittwoch-11-01-2017-43Nach dem Plenum folgte ein Vortrag von Rodrigo Arrue (opción sostenible) über das UNESCO Programm Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) und die Umsetzung in Chile. Dieser warf viele Fragen über die Abgrenzung zu Umweltbildung, den Nutzen und Notwendigkeit von BNE allgemein, sowie in verschiedenen Kulturen und Ländern wie z.B. Ecuador im Gegensatz zu den Ländern des Westens auf. Hinterfragt wurde auch, ob ein Programm, welches zum Nachdenken über andere mögliche Systeme wie z.B. Bildung, in vorgegebenen, relativ starren Systemen, wie der Schule, überhaupt funktioniere.

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Präsentation als Theaterstück

Am Nachmittag präsentierten die Gruppen ihre Zukunftsvisionen für 2050 in Form personalisierter Geschichten, als Theaterstück bzw. klassische Poster Präsentation. Alle Gruppen überschritten dabei aktuelle vorherrschende Spielregeln bestehender Systeme und integrierten „Wild Cards“, also mögliche Brüche und Eruptionen in ihre Visionen. Anschließend wurde die Methode des Backcasting als Aufgabe für die kommenden Tage, sowie Grundelemente der zu erstellenden Visualisierungen in Form von Mini-Trailern erklärt. Vielfalt in der Umsetzung war, sicher auch aufgrund der verschiedenen soziokulturellen Hintergründe der Teilnehmenden, auf jeden Fall bisher schon gegeben.

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