Jetzt wird’s unbequem

Am 29. März war ich zum dritten Mal auf einem Fridays for Future Klimastreik. Schon auf dem Weg zum Invalidenpark bemerkte ich mehr Polizeipräsenz als sonst – kein Wunder, denn Greta Thunberg war nach Berlin gereist, um zusammen mit Aktivist*innen der Bewegung aus verschiedenen Ländern Europas für mehr Klimaschutz zu demonstrieren.

Solche Aktivitäten finden schon seit 15 Wochen statt. Eine junge Generation, die Veränderung fordert, dafür die Schule freitags verweigert und überproportional weiblich ist. Das macht vielen konservativen Status-Quo Denkern Angst. Die Demo begann um 10:00 Uhr mit dem obligatorischen Aufwärmen von Franzi und Luis, ebenfalls zwei bekannten Gesichtern der Fridays for Future Berlin Gruppe. Nach ein paar „Hopp hopp hopp, Kohle stopp“ Ausrufen folgte ein Redebeitrag des Schülers Jakob Blasel aus Kiel, der die momentane Situation als Generationenkonflikt beschrieb und gemeinsam mit der Masse sofort eine Botschaft an Verkehrsminister Scheuer sandte. „Es gibt kein Recht, ein SUV zu fahren“, brüllten wir gemeinsam in seine Handykamera.

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Das Klima verändert sich, warum nicht wir?

 

Mir erschien der Streik dynamischer, diverser und vernetzter denn je. Luisa Neubauer, Initiatorin der Klimastreiks in Deutschland, betonte, wie politisch und großartig unsere Generation sei. Und wie wenig das unserem Planeten bis jetzt nütze. Laut ihr gibt es drei Gründe für die Fortführung der Streiks:

  1. Wir sind die Generation, die es schaffen kann. Wir sind globaler und vernetzter, als es je eine Bewegung war.
  2. Wir haben die Wissenschaft auf unserer Seite. 23 000 Wissenschaftler*innen stehen hinter uns und sagen: „Die haben Recht!“.
  3. Wir MÜSSEN jetzt Handeln, es ist keine Option zu warten.

Eindrücke von den Streiks aus anderen Ländern und Solidarität im gemeinsamen Kampf gegen die Klimakrise brachten Redner*innen aus der Schweiz, Polen, Großbritannien, Frankreich, Belgien, Dänemark und Schweden. Auch sie stießen nicht nur auf wohlwollendes Schulterklopfen. Aber gerade der Angriff auf die Bequemlichkeit sei wichtig und die teils hasserfüllten Reaktionen zeigten die Stärke der Bewegung, betonte eine Rednerin aus England.

„We have to start making people uncomfortable. Young people uniting is an uncomfortable concept. It threatens the traditional way in which society operates and that discomfort is our power!“

Rednerin aus Großbritannien

Trotz des ernsten Themas sorgten die musikalischen Beiträge für gute Laune und nach circa eineinhalb Stunden brach der Streik vom Invalidenpark in Richtung Brandenburger Tor auf. Ich war wieder mal begeistert von den vielen kreativen Schildern und der Masse an sehr jungen Menschen, die Spaß daran hatten, gemeinsam für die Klimagerechtigkeit auf die Straße zu gehen.

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Auf dem Weg erhielten wir viel Aufmerksamkeit von Bewohner*innen und die Menschen hinter den Fenstern der Abgeordnetenbüros winkten freundlich. Unsere Antwort im Chor: „Bürger lasst das Glotzen sein, reiht euch in die Demo ein!“

Angeführt wurde der Marsch von den jungen europäischen Klimaaktivist*innen, darunter auch Greta. Erst gegen 13:30 Uhr erreichten wir die Bühne am Brandenburger Tor, wo die eigens für die Bewegung zusammengekommene Band „Funkies for Future“ politische Songs spielte. Es wurde über den Zusammenhang von Klimawandel und Migration gesprochen und Timo aus Essen betonte: „Kein Mensch sollte gezwungen sein wegen Trinkwasser zur Waffe zu greifen.“

Danach folgten weitere internationale Beiträge von Aktivist*innen, einer Vertreterin von Scientists for Future und ein Sänger spielte einen selbst geschriebenen Song über Fridays for Future. Wir bekamen die Nachricht, dass 25 000 Menschen in Berlin zusammen gekommen waren. Es war europäischer denn je und der Appell lautete entsprechend: lasst uns die europäischen Wahlen zu Klimawahlen machen! Geht wählen und falls ihr zu jung seid, redet mit euren Eltern und Bekannten darüber. Wir dulden keine Partei, die in ihrem Wahlprogramm keinen Klimaschutzplan hat.

Wohlwissend, dass alle die Rede der schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg erwarteten, sprach diese als letzte. Sie bekam den größten Applaus, alle jubelten und Greta schien oft sprachlos. Sie sprach sehr kurz aber machte deutlich, wie wenig die jungen Menschen und die Klimakrise ernst genommen werden und ermutigte gleichzeitig, weiter zu streiken.

„The older generations have failed tackling the biggest crisis humanity has ever faced. When we say to them that we are worried about the future of our civilisation they just pet on our heads saying: everything will be fine, don’t worry.“

Greta Thunberg

Zum Abschluss kamen alle Klimaaktivist*innen auf die Bühne. Gemeinsam, mit einer  Europaflagge in der Hand, hielten sie die Faust in die Luft und zeigten ihre Entschlossenheit. Ich war auch entschlossen – diese Bewegung ist groß und sie darf nicht aufhören.

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Luisa Neubauer ruft ins Mikrofon: „We are not letting borders separate us. And we are not letting them steal our future!“

 

Text und Fotos: Nina Ziller

 

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