Reallabore im Vergleich mit dem Reallabor Canvas

Workshop auf der 4. Energy & Society Conference in Exeter, UK, September 2018: Reallabore sind ein innovativer Bottom-up-Ansatz, um Bürger*innen und Change Agents, Forscher*innen und politische Akteur*innen gleichermaßen in die Gestaltung und Navigation der Energiewende einzubeziehen. Forschung in und mit Reallaboren ist dabei keineswegs auf den deutschen Raum beschränkt. Auf der Energy & Society Konferenz stellten Forscher*innen aus ENavi einen Ansatz vor, um über nationale Grenzen und wissenschaftliche Disziplinen hinweg gezielt über diese Form der transdisziplinären Forschung ins Gespräch zu kommen.

Wissenschaftliche Institutionen suchen gemeinsam mit Praxispartner*innen in Forschungsprogrammen wie dem Kopernikusprojekt Energiewende-Navigation (ENavi) nach Orientierung, Steuerungs- und Gestaltungsmöglichkeiten für die Energiewende.

Innovative Bottom-up-Ansätze, um Bürger*innen und Change Agents, Forscher*innen und politische Akteur*innen gleichermaßen einzubeziehen und kooperative Übergangskonzepte zu gestalten, befördern die Umsetzung der Energiewende auf lokaler und regionaler Ebene. Reallabore sind dabei in aller Munde: als Testfeld, Kommunikations- und Aushandlungsraum sind sie Innovationsorte für die Energiewende.

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Teilnehmer*innen des Workshops wenden den RWL-C in Arbeitsgruppen auf Reallabore bei der gesellschaftlichen Gestaltung der Energiewende an.

Forschung in und mit Reallaboren ist dabei keineswegs auf den deutschen Raum beschränkt. Auch international wird in solchen transdisziplinären Forschungsansätzen gearbeitet. Der Workshop „Real-world laboratories as a tool for a participatory energy transition: advances, methods and international cases“ auf der 4. Energy and Society Konferenz (3.-5. September 2018, Exter, UK) sollte daher eine Plattform bieten, Reallabore im internationalen Vergleich zu systematisieren sowie Ergebnisse und methodische Ansätze vergleichbar zu machen. Die Reallabor-Methode wird in der Praxis sehr unterschiedlich ausgestaltet und umgesetzt. Die Vergleichbarkeit und die Ableitung von Lernerfahrungen werden dadurch erschwert. Im Workshop wurde daher eine Adaption des Business-Model-Canvas (BMC) für diese komparative Aufgabe angeboten. Dieses Konzept stammt aus der Betriebswirtschaftslehre und wird eingesetzt, um Geschäftsmodelle zu entwickeln, hinsichtlich ihrer Tragfähigkeit zu prüfen und vergleichbar zu machen. Im Vorfeld wurde das Konzept so angepasst, dass es auf die Merkmale von Reallaboren anwendbar ist. Hierdurch sollte ein Einzelfall übergreifender Diskurs angeregt werden (Real-world-lab canvas – RWL-C).

Nach einer Einführung in das Konzept des RWL-C gaben drei Input-Vorträge Einblicke in Fallstudien u.a. aus Kanada, Deutschland, Großbritannien, den Niederlanden und Finnland. Die thematische Breite dieser Einblicke reichte von dialogischen Ansätzen zwischen Wissenschaft und Praxis über Energiewendethemen und Netzwerkaufbau, bis zur konkreten CO2-Reduktion durch gezielte Verhaltensänderungen in Einzelhaushalten. Die Vorträge wurden durch die Teilnehmenden auf Basis des RWL-C diskutiert. Verglichen wurden dabei die spezifischen empirischen Inhalte der Reallabore, die beteiligten Akteursgruppen die Kommunikations- und Disseminationsstrategien, sowie Maßnahmen der Verstetigung jeweiligen Reallabore. Im Anschluss wurde die grundsätzliche Anwendbarkeit des RWL-C auf transdisziplinäre Forschungsprojekte und Reallabore kritisch reflektiert.

Die Erkenntnisse fließen in die praktische Reallabor-Arbeit in ENavi ein. Der Workshop hat gezeigt, dass eine transparente Außendarstellung über die Ausrichtung des Projektes essentiell für die Legitimation gegenüber Betroffenen ist. Beteiligungs- und Kommunikationsformate müssen auf verschiedene Akteur*innen zugeschnitten werden. Eine breite Aufstellung des Akteursnetzwerk kann dabei aber der Handlungsfähigkeit des Reallabors entgegenstehen. Reallabore bieten die Chance für Wissenschaft und Praxis, Energiewendethemen kollaborativ zu erarbeiten und die oftmals technische Perspektive durch soziale Aspekte zu ergänzen. Gleichzeitig ist es eine große Herausforderung (Interessen-) Konflikte produktiv zu nutzen.

Im interaktiven Workshop-Format ließ sich darstellen, dass weltweit innovative Energiewende-Ansätze in Reallaboren erprobt werden. Sie geben wichtige Einblicke in Zukunftsprojekte zum Thema Energie. Der RWL-C ist ein pragmatischer Ansatz, um über nationale Grenzen und wissenschaftliche Disziplinen gezielt über diese Zukunftsansätze ins Gespräch zu kommen.

AUTOR*INNEN: Annika Arnold (ZIRIUS), Anne Kraft (Kolleg für Management und Gestaltung nachhaltiger Entwicklung – KMGNE) und Johannes Venjakob (Wuppertal Institut)

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