ENavi und KMGNE |Forschung trifft Alltag: Kooperationen im Reallabor (Modell-) Region Mecklenburg

Das Kopernikus-Projekt „Energiewende-Navigationssystem“ (ENavi) ermöglicht es  Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft gemeinsam in den nächsten zehn Jahren technologische, soziale und wirtschaftliche Lösungen für den Umbau des Energiesystems vor Ort zu entwickeln. Vertretende des KMGNE begleiten dabei zwei  Modellregionen. Beim Treffen am 16./17.10.2017 in Wismar ging es darum, wie die lokalen Administrationen, Engagierten und  Wissenschaftler in den nächsten Jahren zusammenarbeiten wollen, um gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung nach Lösungen für ein zukunftsfähiges Energiesystem und ein gutes Leben in den ländlichen Regionen zu suchen.

Direkt am Hafen in den Container-Räumen des  Technologie- und Gewerbezentrums Wismar versammelten sich Stadtvertreter aus den Gemeinden Rhena und Röbel sowie Wissenschaftler aus dem ENavi-Projekt.

Okt17_Wismar Workshop MV
KOMOB mit Blick auf den Hafen in Wismar (c) A.Kraft

Zunächst ging es um die Einbettung der Modellregionen in  die Kopernikus-Forschungsprojekte. Udo Onnen-Weber vom Kompetenzzentrum ländliche Mobilität sagte, Wissenschaft müsse politikfähig sein, um in konkreten Situationen operieren zu können, beispielsweise bei einer konkreten Investitionsentscheidung für erneuerbare Energien beraten zu können. Eine Hauptherausforderung sei allerdings vor allem die Akzeptanz der lokalen Bevölkerung für getroffene Maßnahmen. Das Ziel von ENavi ist daher, gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung für sie nützliche Maßnahmen zu suchen, welche u.a. von jedem einzelnen umgesetzt werden können. Die Betrachtungen müssen insofern auch über die Frage der Energieversorgung hinausgehen und mögliche Rückfinanzierung, Nahmobilitätsangebote und andere Faktoren der Daseinsvorsorge einschließen.

Die leitende Verwaltungsbeamtin Lützow-Lübstorf, Iris Brincker, legte aktuelle Klimaschutzaktivitäten wie die Installation einer E-Ladeinfrastruktur und die damit verbundenen Probleme dar.

Yvonne Rowohlt vom Geodatenzentrum Landkreis Nordwestmecklenburg präsentierte das bereits existierende Energieportal Nordwestmecklenburg, welches eine ganze Reihe von Informationen über die Installation erneuerbarer Energien für die Bürger bereitstellt. Kann diese bestehende Struktur im aktuellen Projekt eingebunden werden? Vielleicht über Coaching-Angebote für erneuerbare Energien für Bürger(meister)?

Im Folgenden wurden die Forschungsschwerpunkte vorgestellt. Wie können Stakeholder-Empowerment-Tools im Projekt sinnvoll eingesetzt werden, um in komplexen Entscheidungssituationen Klarheit und Akzeptanz zu fördern? (Reiner Lemoine Institut) Eher technisch war die Frage, wie das Energiesystem über verschiedene Sektoren hinweg auf regionaler Ebene den Bedürfnissen der Menschen und den umweltbedingten Notwendigkeiten angepasst werden kann (BBHC). Wie drückt sich Akzeptanz durch Verhaltensweisen der Bevölkerung aus und wie entwickelt sie sich? (Fraunhofer ISE) Diese Themen wurden am Folgetag in Workshops näher besprochen.

Dr. Joachim Borner vom KMGNE stellte anschließend den zentralen Reallabor-Ansatz vor, der in den Regionen angewendet werden soll. Was ist das Selbstverständnis der Wissenschaftler in den Modellregionen? Wie lässt sich der bisher vernachlässigte ländliche Raum unter Einbeziehung des Wissens der lokalen Bevölkerung nachhaltig stärken? Was ist die Vorstellung der Menschen von ihrer besseren Zukunft? Wie lässt sich diese Zukunft in Bildern, in Erzählungen ausdrücken? Ziel des Vortrags war es, ein gemeinsames Verständnis der Wissenschaft und Praxisakteure über die Vorgehensweise im gemeinsamen Suchprozess zu erreichen. Im Anschluss gab es eine ausführliche Diskussion.

Fazit: Das erste Treffen hat viele neue Fragen aufgeworfen, aber auch Ängste und Sorgen beseitigt. Die Praxisakteure stellten fest, dass diese Reallabor-Arbeitsweise für die Wissenschaftler genauso neu ist wie für sie. So herrschte beim gemeinsamen Abendessen eine lockere Atmosphäre während am Morgen noch alle verhalten der Dinge harrten die da kommen würden. Die Arbeit in den Modellregionen kann losgehen: gemeinsam, auf Augenhöhe, transparent und offen.

Okt17_Wismar Workshop MV (9)
Blick aus den Container-Räumen am Hafen in Wismar (c) A.Kraft

 

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Bildung für Transformation – Stadt und Land zusammen gedacht

Die Erde steht vor Herausforderungen wie Wandel des Klimas, der Bevölkerungszahl und –Struktur, sowie der Notwendigkeit alle ausreichend und nachhaltig zu versorgen. Alle Regionen – ländliche wie städtische – sind dabei von den Veränderungen betroffen. Darum reicht es auch nicht die Herausforderungen lokal begrenzt, z.B. durch den Aufbau einer Smart City, anzugehen. Die Stadt braucht das Land für die Versorgung, genauso wie das Land die Stadt als infrastrukturelles, wie auch soziales Zentrum benötigt. Doch wo fängt man mit der Veränderung an und wo hört man auf?

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Die Workshopleiter der Sommeruniversität 2017 stellen sich vor: Online TV

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Robinson Delgado

Nací y crecí en Santiago de Chile, donde estudié Dirección y Producción de Televisión (Instituto AIEP) entre 1997 y 1999. En el mismo período viajé a Suecia, donde trabajé en Öpna Canalen (canal abierto comunal).

Durante cinco años de mi vida también me dediqué a trabajar en la construcción y en 2005 obtuve un Diplomado en Comunicación (Universidad Internacional de Verano en Santiago). Desde entonces continué mis actividades en la Universidad Internacional de Verano como tallerista en producción audiovisual.

En 2007 comencé mi propia empresa de instalaciones audiovisuales y 3 años después abrí el estudio Crearock (producción musical), donde también realicé todas las instalaciones audiovisuales implementadas con un sistema de televisión.

Durante las dos últimas ediciones de la Expo Universal (Shanghai 2010 y Milán 2015) colaboré en la instalación audiovisual del contenido en los Pabellones de Chile. El Pabellón de Milán fue desarmado y ahora estoy trabajando para su reconstrucción en Temuco (Chile). Recientemente también realicé instalaciones audiovisuales en un barco Royal Caribbean.

Con estudios en Dirección y Producción de Televisión y la experiencia de trabajar en el rubro de construcción, se reúnen las competencias para realizar todos tipos de trabajos en instalaciones audiovisuales y exportar mis conocimientos técnicos en todo el mundo.

En la presente edición da la Universidad Internacional de Verano mi taller se centrará en habilidades y competencias técnicas, tratando de dar a los participantes todas las herramientas necesarias para desarrollar proyectos televisivos, creyendo que la buena calidad del resultado depende mucho del contenido técnico en él.

Die Workshopleiter der Sommeruniversität 2017 stellen sich vor: Video Clip

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Ole Schwarz

Ole Schwarz lebt in Berlin, hat Freie Kunst in Braunschweig, Berlin und New York studiert. Sein Haupttätigkeitsfeld sind künstlerische und kommerzielle Foto- und Videoproduktionen in unterschiedlichen Bereichen.

www.werkstattberlin.de

 

 

 

 

Fabian Cohn

Fabian Cohn wurde 1977 in Basel (CH) geboren. Er arbeitet als freischaffender Pantomime, Regisseur und Choreograph mit Sitz in Braunschweig. Er realisiert eigene Film- und Bühnenprojekte und ist als Drehbuchautor tätig. Seine Ausbildung zum Pantomimen/Mimen absolvierte er an der ETAGE in Berlin.

www.fabian-cohn.ch / www.yetcompany.net

Die Workshopleiter der Sommeruniversität 2017 stellen sich vor: Transmedia Storytelling

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Giovanni Fonseca, Facilitator von Lernprozessen

Hallo! Ich bin Giovanni Fonseca und helfe Lernenden seit 20 Jahren sinnvoller zu lernen. Ich bin ein neugieriger analytischer Beobachter, deswegen lebe ich in einen permanent Lernprozess. Ich liebe es, etwas Neues zu lernen!
Ich habe Elektroingenieur studiert, aber immer im Bereich Bildung gearbeitet, insbesondere Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). Seit mehr als 10 Jahren habe ich sowohl in öffentlichen Bildungsinstitutionen, als auch in privaten gearbeitet, nicht nur in formalen Bildungsprojekten, sondern auch in non-formalen und informellen. Außerdem bin ich seit 4 Jahre als Selbständiger Internationaler Berater für BNE habe ich verschiedene Bildungsprojekte mit Institutionen aus Chile, Deutschland, Indien, Mexiko und Südafrika zusammen entwickelt.
In dieser Sommeruniversität (2017) bin ich mit Thomas Klein Co-Leiter des Transmedia
Storytelling Workshops. Aus meiner Leidenschaft für Bildung werde ich Euch bei der
Realisierung der Produkte unterstützen. Auch werde ich euch zeigen, wie die Technologie ein nützliches Werkzeug ist (kein Ziel), um sinnvollen organischen Lernprozesse zu fördern. Fragen, Kommentare? Teilt sie über Twitter, nutzt die Hashtags: #SUI17 und #TravelTransform, bis bald!
Folgen@giofonseca

Versión en Español | Spanish Version | Version auf Spanisch

¡Hola! Soy Giovanni Fonseca y desde hace 20 años facilito procesos de aprendizaje, es decir, ayudo a aprendices a vivir procesos de aprendizaje más significativos. Soy un curioso y analítico observador, y esto me lleva a vivir en un aprendizaje continuo, ¡me apasiona aprender cosas nuevas!
Estudié Ingeniería Eléctrica Electrónica, pero siempre he trabajado en el sector educativo, en particular en Educación para el Desarrollo Sustentable/Sostenible (EDS). Por más de una década he trabajado tanto en instituciones educativas públicas como privadas, y no sólo en proyectos educativos formales, sino también no-formales e informales. Además desde hace 4 años, como Consultor Internacional Independiente en EDS, he desarrollado conjuntamente diversos proyectos educativos con instituciones de Alemania, Chile, India, México y Sudáfrica. En la presente edición de la Universidad Internacional de Verano (2017) co-facilitaré junto con Thomas Klein, el Taller de Transmedia Storytelling (Relatos o Narraciones Transmediales). Desde mi pasión por la educación les ayudaré en la realización de los productos y les podré mostrar cómo la tecnología puede ser una herramienta educativa (jamás un fin, por sí misma) para fomentar procesos significativos de aprendizaje orgánico. ¿Preguntas o comentarios? Compártelos en Twitter utilizando los hashtags: #SUI17 y
#TravelTransform, ¡hasta pronto!
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English version | Versión en Inglés | Version auf Englisch

Hello! I am Giovanni Fonseca and since 20 years I am a facilitator of learning processes, which means I help learners to learn in a more meaningful way. I am a curious analytic observer and that’s why I live in a permanent learning process, I love to learn something new!
I have a degree in Electrical and Electronic Engineering, but I have worked always in the field of Education, more precisely in Education for Sustainable Development (ESD). Since 10 years I have worked in public educational institutions as well as private ones, not only in formal educational projects but also in non-formal and informal ones. Also, as Freelance
International Consultant in ESD, I have developed different kind of educational projects together with organisations from Chile, Germany, India Mexico and South Africa. During the International Summer University 2017 I will co-facilitate the Transmedia Storytelling workshop together with Thomas Klein. I will help you to make the products from my passion about education and showing you how useful technology is, as a tool – never as objective by itself – to foster more meaningful organic learning processes. Comment or questions? Share them via Twitter using the hashtags: #SUI17 and #TravelTransform, see you all soon!
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Die Workshopleiter der Sommeruniversität 2017 stellen sich vor: Workshop Radio/Podcast

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Sebastian Schöbel-Matthey

Gebürtiger Oranienburger, studierter Berliner, seit 2012 Journalist beim Rundfunk Berlin-Brandenburg und seit Februar 2016 Korrespondent im ARD-Hörfunkstudio Brüssel.
Angefangen habe ich als Autor und Infografiker in der Onlineredaktion des rbb und als Reporter beim Inforadio. Die Kombination von alten und neuen Ausspielwegen gehörte für mich von Anfang an zum  Job dazu, auch wegen meiner multimedialen Ausbildung an der electronic media school in Potsdam-Babelsberg. Jetzt faszinieren mich v.a. die neuen Möglichkeiten für das Radio: Podcasts, besser noch „Audio on demand“ allgemein, bieten völlig neue Möglichkeiten für Radiojournalisten. Für mich als „Öffi-Funker“ dabei natürlich absolutes Vorbild: National Public Radio in den USA.

Twitter: @SebaSchoebel
Email: sebastian.schoebel@hr.de

Die Workshopleiter der Sommeruniversität 2017 stellen sich vor: Workshop Animation

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Human Sharghi Namin

Geboren 1980 in Teheran zu Zeiten der Revolution und des ersten Golfkriegs zog Human Sharghi Namin mit seiner Familie zuerst an die US-amerikanische Ost- und dann Westküste. 1987 ging es dann von San Francisco nach Nordrhein-Westfalen.
Hier studierte er 2001 an der Heinrich Heine Universität in Düsseldorf Amerikanistik und Beat-Literatur bei Klaus Uellenberg sowie Klangmontage an der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf bei Prof. Dr. Elena Ungeheuer. Als Vorgruppe von u. a. Beatsteaks, Datsuns, Hellacopters und Mia verbrachte er Anfang bis Mitte der 2000er mit Rockauftritten in Emo- und Posthardcore Bands und spielte Bass und Gitarre. 2005 studierte er Design und Kunst an der Fachhochschule Düsseldorf und Dortmund bei Prof. Ovis Wende, H. D. Schrader, Prov. Dr. Ralf Bohn und Prof. Dr. Marcus S. Kleiner. 2013 folgte ein Studium der Animation zum audiovisuellen Autorenfilmer bei Prof. Frank Geßner und Prof. Gil Alkabetz an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf.

Schöne Neue Welt? – Die Erde und die Nachhaltigkeits-Agenda 2030

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von Emily Joy Neumann, Madeleine Porr und Silke Schoenwald
Wo die wilden Kerle spielen
Paolo Calleri: “Wo die wilden Kerle spielen” (27.09.2015)

Sollte etwa das einzige nachhaltige Ergebnis der 17 UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDG) das persönliche Glücksgefühl gewesen sein, mit dem sich am 25. September 2015 die 193 Staats- und RegierungslenkerInnen in die Arme fielen? Zu widersprüchlich scheinen nämlich viele dieser Ziele der aktuellen globalen Wirklichkeit gegenüberzustehen.

Die drei Autorinnen kommentieren im Folgenden beispielhaft drei SDG und zeigen die Anforderungen im deutschen bzw. europäischen Kontext auf, damit es auch zu Glücksgefühlen durch das Erreichen dieser drei Ziele kommt.

 

E_SDG_Icons-12SDG Nr. 12: 
„Nachhaltige Konsum- und Produktionsweisen sicherstellen“


Dieses Nachhaltigkeitsziel behandelt hauptsächlich die Bewirtschaftung und Nutzung von Ressourcen, die Abfallvermeidung und das Einsparen von umweltschädlichen Chemikalien. Außerdem verlangt es ein Nachhaltigkeitsbewusstsein der Bevölkerung.

Widersprüche

Was da so nonchalant auf dem 12. Platz daherkommt, ist tatsächlich eine Absichtserklärung ganz grundlegender Art: Menschen ändern ja nur sehr ungern und schwerfällig ihr – mehrheitlich nicht nachhaltiges – Verhalten, ob nun als UnternehmensführerIn, beim persönlichen Einkauf oder beim Essen. Noch dazu, wenn sich im Laufe der Zeit auch gesamtgesellschaftliche Wertvorstellungen und Prioritäten verschoben haben. 

So ist das Gewinnstreben im kapitalistischen Wirtschaftssystem ein anerkanntes Handlungsziel geworden und hat sich damit in eines der Hauptprobleme verwandelt, die dem SDG 12 Beschränkungen auferlegen; denn für viele Unternehmen lohnt es sich – zumindest finanziell – schlichtweg nicht, nachhaltige(re) Entscheidungen zu treffen, solange nicht die tatsächlichen Kosten ihres Handelns bilanziert werden müssen. 

Doch wird das Wachstums- und Gewinnstreben der Unternehmen ja immer nur durch ein entsprechendes KonsumentInnenverhalten gestützt. Bestes Beispiel: der Fleischkonsum. Eine durch künstlich niedrige Preise und gezielte Werbemaßnahmen forcierte Nachfrage liefert den einschlägigen UnternehmerInnen die besten Argumente für Massentierhaltung und großflächigen Anbau von Tierfutterpflanzen – mit den bekannten Folgen: Tierquälerei, verminderte Anbauflächen für Nahrungspflanzen für Menschen, zunehmender Mangel an Trinkwasser für die Menschen, Anstieg des Kohlendioxids in der Erdatmosphäre und ungebremster Temperaturanstieg dort usw. …

Anforderungen für die Umsetzung

Welche Wege stehen uns für das Erreichen von SDG 12 auf deutscher und europäischer Ebene offen bzw. können sofort zu breiten Straßen ausgebaut werden?

  • umfassende generationenübergreifende Bildungs- u. Aufklärungsarbeit, die so genannte Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)
  • verantwortungsbewusster Umgang mit allen unseren Ressourcen – auf persönlicher ebenso wie auf institutioneller Ebene, mit dem Staat in der Vorbildfunktion; insbesondere die Produktion und Verwendung von Plastikverpackungen sanktionieren
  • deutlich sicht- und erfahrbare staatliche Förderung aller Initiativen zu BNE sowie Ressourcen-Schonung und -Effizienz, im privaten wie im unternehmerischen Bereich
  • für die betriebs- und die volkswirtschaftlichen Bilanzen zur Pflicht machen, dass die Folgekosten für Umwelt und Gesellschaft mit eingerechnet werden.

E_SDG_Icons-15SDG Nr. 15: 
„Landökosysteme schützen, wiederherstellen und ihre 
nachhaltige Nutzung fördern, Wälder nachhaltig bewirtschaften, 
Wüstenbildung bekämpfen, Bodendegradation beenden und umkehren 
und dem Verlust der biologischen Vielfalt ein Ende setzen“

Widersprüche

Auch das drittletzte (!) Nachhaltigkeitsziel birgt jede Menge Zündstoff, denn es geht um nichts weniger als um die Rückkehr zu einem respektvollen Umgang mit dem Boden, auf und von dem wir leben. Und auch dieses Ziel steht einer diametral entgegengesetzten gängigen Sichtweise gegenüber: nämlich die Erde als Rohstoffreservoir anzusehen, das nach Kräften und technischen Möglichkeiten geplündert werden kann. 

Dieselbe deutsche Bundesregierung, die die Agenda 2030 mit unterschrieben hat, kann im Politikpapier 8 ihres Wissenschaftlichen Beirats Globale Umweltveränderungen unter dem Titel “Zivilisatorischer Fortschritt innerhalb planetarischer Leitplanken” jetzt den Begriff “Erdsystemleistungen” lesen, wenn von der lebens- und nahrungsspendenden “Mutter Erde” die Rede ist.

Wirtschaftliches Gewinn- und Wachstumsstreben führen auch beim SDG 15 dazu, dass z. B. im Tourismus-Sektor (aktuelles Beispiel Rügen) statt auf Entschleunigung und auf dezentrale touristische Angebote in und mit der Natur zu setzen, die Infrastruktur Schritt für Schritt in Form von großen Straßen und Hotelhochhäusern ausgebaut wird. So geht bei der Flächenausweisung und -nutzung der Zweikampf weiter zwischen Bettenburgen-Investoren einerseits und den Schutzgebieten (u.a. Nationalpark, Biosphärenreservat) andererseits.

Betongegossene Straßen und Plätze drängen hier wie anderswo auch landwirtschaftliche Nutzflächen und umliegende Lebensräume wie Wald- und Wiesenflächen zurück oder zerstören diese nachhaltig. Neben der langfristigen Bodendegradation wird so auch der Verlust der biologischen Vielfalt eher befördert statt, wie anvisiert, darauf hinzuarbeiten, den Verlust zu beenden.

Anforderungen für die Umsetzung

  • Auch für die Umsetzung von SDG 15 brauchen Deutschland bzw. Europa nicht bei Null anzufangen: Schon die Umsetzung existierender internationaler Leitlinien, wie z.B. die Einhaltung der “Guten landwirtschaftlichen Praxis” durch heimische Bäuerinnen und Bauern, zusammen mit dem Blick auf die Anbauerfahrungen in anderen Ländern, birgt großes Potenzial für eine Verbesserung der Situation. 
  • Der Natur abgeschaute Konzepte wie Permakultur, Hauptfruchtanbau mit Unterbau oder ein Zurück zum jährlichen Wechsel der Anbaupflanze wie in der „Dreifelder-Wirtschaft“ sind Beispiele aus einer landwirtschaftlichen „Vergangenheit“, die vielleicht in Vergessenheit geraten sind, aber auch heute noch funktionieren. 
  • Aus Asien und Südamerika grüßen Erfolgsrezepte früherer menschlicher Hochkulturen wie die Terra Preta (hoch fruchtbare menschengemachte, aber sich selbst reproduzierende schwarze Erde) und die vielfältige Nutzung so genannter Effektiver Mikroorganismen.

E_SDG_Icons-09SDG Nr. 9: 
„Eine belastbare Infrastruktur aufbauen, 
breitenwirksame und nachhaltige Industrialisierung fördern 
und Innovationen unterstützen“

Dass es hier die unterschiedlichsten Interpretationen geben wird, dürfte nicht verwunderlich sein – angefangen bei der Übersetzung der englischen Begriffe aus den Originaldokumenten. 

Wird es wirklich um den Aufbau einer “resilient infrastructure” gehen? Und um eine nachhaltige und “inclusive industrialization”? Dann wird wohl z. B. …

  • … flächendeckend in Gebäude und Straßenbeläge aus nicht bodenversiegelnden, “atmenden” und nachwachsenden Rohstoffen wie Bambus, Lehm, Stroh, Reiskleie etc. investiert werden;
  • … konsequent in allen gesellschaftlichen Bereichen dafür gesorgt werden, dass jeder Mensch in seiner Individualität akzeptiert wird und die Möglichkeit hat, in vollem Umfang an ihr teilzuhaben oder teilzunehmen;
  • … in großem Maßstab die Arbeit regionaler ProduzentInnen-KonsumentInnen-Netzwerke für die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln erleichtert und unterstützt werden (über zinslose staatliche Darlehen, vereinfachten Zugang zu den notwendigen Ressourcen, geringe Steuersätze u.v.m.);
  • … transministeriell der Aufbau dezentraler lokal-regionaler Mini-Industrien mit ausschließlich erneuerbaren Ressourcen gefördert werden, die in Zusammenarbeit mit Hochschulen und anderen Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen flexibel und in kurzer Zeit nachhaltige Innovationen umsetzen können; u.v.m.

* * *

Ja, die 193 Staats- und RegierungslenkerInnen müssen wirklich überglücklich gewesen sein, als sie diese drei Nachhaltigkeitsziele zusammen mit den anderen 14 verabschiedeteten. Überglücklich vor allem über ihren offensichlich damit verbundenen Entschluss, endlich dem neoliberalen Denk- und Wirtschaftsmodell den Rücken zu kehren, das ja einem nachhaltigen Leben und Wirtschaften so lange im Wege stand und nun obsolet ist. 

Und richtig nachhaltig überglücklich dürfen sie auch deshalb sein, weil sie wissen, dass ihnen überall – im eigenen Land wie weltweit – kompetente Menschen mit überzeugenden und längst erprobten alternativen Konzepten bei der Umsetzung der SDG zur Seite stehen.


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Der Anfang einer Reise

Nachhaltigkeit zu leben ist eine Herausforderung – ob es um nachhaltigen Konsum, nachhaltige Bildungslandschaften oder nachhaltigen Klimaschutz geht. Das wird uns auch durch den Konsens unserer Alltagsgespräche und durch zögerliches politisches Handeln suggeriert. Die 17 Sustainable Development Goals der UN gelten als globale Ziele zur Sicherung einer nachhaltigen Entwicklung auf ökologischer, ökonomischer und sozialer Ebene. Nachhaltigkeit wird damit in allen Dimensionen forciert und globale Umweltveränderungen werden grundlegend einbezogen. Denn ohne die Bemühungen einer grundlegenden Sicherung an ökologischen Grundlagen, ist auch die Umsetzung hochwertiger Bildung oder die Arbeit an einer nachhaltigen Konsumkultur gar unmöglich.

SDG 13 Climate Action

Die Menschheit ist dabei, ihre Existenzgrundlage zu vernichten. Klingt schlimm, ist es auch. Der Kern dabei: der Verbrauch fossiler Brennstoffe. Die damit einhergehende globale Erderwärmung bedingt einen Wandel des Klimas. Die klimaassoziierten Umweltveränderungen und Auswirkungen betreffen unterschiedliche Länder und Regionen in verschiedenem Ausmaß. Sie sind mehr oder weniger extrem spürbar und werden in den nächsten Jahren sogar noch zunehmen: das erhöhte Risiko von Extremwetterereignissen wie Starkniederschlägen und Hochwasser gefährdet Existenzgrundlagen. Hohe gesundheitliche Belastungen durch verminderte Lebensmittelsicherheit und Wasserqualität nehmen zu, Erkrankungen bahnen sich ihren Weg und sowieso ist die weltliche Infrastruktur in Sachen Sicherheit mürbe.

Aber wir wollen den negativen Kern und das Potenzial einer mittelschweren Sinnkrise an dieser Stelle der Geschichte gar nicht weiter ausführen. Denn viele Länder und Regionen sehen und verstehen das Problem und handeln.

Als SDG 13 verbirgt sich hinter „Climate Action“ das Ziel, anthropogene Einflüsse auf das Klimasystem zu mindern und die globale Erwärmung sowie ihre Folgen zu verlangsamen. Klimapolitisch heißt das insbesondere, den CO2-Ausstoß zu verringern und die 2°C-Grenze der globalen Erderwärmung nicht zu überschreiten. Neben der Nutzung regenerativer Energien wird in nationalen Klimaschutzplänen ein verändertes Verkehrs-, Bau- und Konsumverhalten gefragt. Im Bereich der Klimafolgenanpassung soll die Widerstandsfähigkeit von Orten, Individuen und der natürlichen Umwelt erhöht werden. Hierbei geht es um Gebäudearchitektur, Infektionsschutz, Katastrophenschutz und Notfallpläne.

Um die Transformation voranzubringen, müssen alle an einem Strang ziehen. Jede*r Einzelne kann durch nachhaltiges Konsumverhalten und einen ressourcenarmen Lebensstil Veränderung bewirken. Climate Action heißt dabei auch, sich dem Jetzt bewusst werden und es kommunizieren, um eine geeignete Klimakultur gemeinsam zu gestalten.

SDG 4 Quality Education

Eine Straße voller Hieroglyphen

Könnt ihr euch vorstellen durch die Straßen zu laufen und nur wirre Buchstaben zu sehen? Keine Schriften zu verstehen, Zeitung, Straßenschilder, Anzeigen, Briefe einfach nichts. Es ist für die meisten kaum noch vorstellbar, ein Leben ohne Buchstaben zu führen, ein Leben ohne Lesen und Schreiben. Doch selbst in Deutschland gibt es ca. 7,5 Millionen Analphabeten, die von der Welt der Buchstaben ausgeschlossen bleiben.

Bildung ist die zentrale Voraussetzung für das Mitwirken in der Gesellschaft und in globalen Prozessen. Nur wer die aktuellen Themen der Welt versteht, mitbekommt, was die Politik beschäftigt und wie Prozesse funktionieren, kann dazu seine Meinung preisgeben.

Bildung für Alle ist somit eines der wichtigsten Ziele, eine Transformation unserer Gesellschaft anzuregen. In vielen Schulen werden immer noch die gleichen Fächer unterrichtet wie vor 20 Jahren. Es gibt neue Technologien, neue Wissensgebiete und viel mehr Möglichkeiten, an Informationen zu kommen als es früher möglich war. Daher sollte man anfangen, auch die Strukturen in der Schule zu verändern. Alte Unterrichtsmethoden aufzulockern und neue Themen an die Schüler*innen zu bringen.

Könnt ihr eine Eiche von einer Buche unterscheiden? Und lernt ihr, wie man sein Geld sinnvoll anlegt? Das wahrscheinlich weniger, aber dafür könnt ihr ganz einfach die dritte Ableitung einer Funktion 4-Grades bestimmen oder?

Innerhalb der Grundausbildung sollte der Fokus mehr auf lebensnahen und aktuellen Themen liegen. Ein Basiswissen zum Klimawandel und zur Wertschätzung der Natur sollte angestrebt werden. Nur wer seine Umwelt versteht und diese wertschätzt, kann sich für ihren Schutz einsetzten. Es geht darum, der breiten Bevölkerung eine nachhaltige Lebensweise näherzubringen. Die ersten Grundsteine dazu sollten schon in der Schule gelegt werden. Denn mit Menschen zu kommunizieren, die verstehen was die Probleme unserer Welt sind, macht es viel einfacher, diese auch zu lösen.

Anfangen kann man damit, Fächer einzurichten, deren Schwerpunkte auf globalen Umweltproblematiken liegen, mit den Kindern öfter in Diskussion treten, sie selbst Probleme erkennen lassen und gemeinsam eine Lösung finden. Weg vom puren Frontalunterricht und Schüler*innen unterschiedlicher Meinungen Ansichten diskutieren lassen und diese respektieren. Man sollte öfter nach draußen gehen und die Umwelt kennen lernen, die Natur kennen lernen. Klein anfangen, aber früh anfangen, das ist die Lösung. Bringen die Schüler*innen ausreichend Wissen über nachhaltige Entwicklung und Konfliktlösungen mit, sind sie gut gewappnet, in unserer globalisierten Welt den Transformationsprozess voranzubringen.

SDG 12 Responsible Consumption and Production

2. August 2017 – Earth Overshoot Day: ab diesem Tag verbrauchen wir weltweit mehr Ressourcen als nachwachsen können. Jedes Jahr rückt dieser Tag im Kalender ein wenig weiter nach vorne. Vor 30 Jahren haben wir mit unseren Ressourcen noch so gehaushaltet, dass diese erst am 19. Dezember verbraucht waren – also 139 Tage später. Obwohl die Problematik des Klimawandels schon damals bekannt war – mit der Agenda 21 fand das Leitbild der Nachhaltigkeit immerhin schon 1992 in Rio Einzug in die internationale Politik – geht der Ressourcenverbrauch nicht zurück. Im Gegenteil: er beschleunigt sich scheinbar unaufhaltsam Jahr für Jahr.

Mit SDG 12 Responsible Consumption and Production haben die Staaten nun erneut die Relevanz ressourcenschonenden Konsums und Produktion anerkannt. Neben der Umsetzung des 10-Jahres-Rahmens von Programmen zu nachhaltigen Konsum- und Produktionsmustern von 2012 werden die effiziente Nutzung natürlicher Ressourcen, die Eindämmung der Nahrungsmittelverschwendung, ein umweltverträglicher Umgang mit Chemikalien, Unternehmensverantwortung sowie Bildung für Nachhaltige Entwicklung forciert.

Auch auf individueller Ebene besteht Handlungsbedarf. Sei es der Sonntagsbraten, Kleidertauschparties, Do-It-Yourself, Upcycling, Reparaturwerkstätten, Mitfahrgelegenheiten, Wohnkooperativen – die Möglichkeiten, sich dem Teufelskreislauf des Konsums zu entziehen, sind vielfältig. Seit 2017 schafft Schwedens Regierung beispielsweise durch Steuerreduzierungen Anreize, Dinge zu reparieren und wirkt damit der Wegwerfgesellschaft entgegen. Getreu dem Motto Sharing is Caring sollten wir unsere täglichen Konsumentscheidungen überdenken und uns unserer Wirkungskraft bewusst werden. Und vielleicht ist Zeit doch schöner als Geld, gemeinsam schöner als allein, teilen schöner als festhalten.

Ja, Nachhaltigkeit zu leben ist eine Herausforderung. Aber der Anfang der Reise hin zu einer nachhaltig lebenden Gesellschaft ist auch spannend, voller interessanter und neuer Möglichkeiten und insbesondere: dringend notwendig.