CCCLab und Projekthof Karnitz e.V. als herausragende Bildungsinitiativen ausgezeichnet

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Das CCCLab und der Projekthof Karnitz e.V. wurden in den Kategorien Netzwerke und Lernorte als herausragende Bildungsinitiativen für nachhaltige Entwicklung geehrt.

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Nationale Konferenz am 23. März – Umsetzung nachhaltiger Konsum in Deutschland: Vom Ver- zum Gebraucher?

Anlässlich der 2015 beschlossenen Agenda 2030 der Vereinten Nationen, deren Sustainable Development Goals (SDGs) entwicklungs- und umweltpolitische Ziele einer globalen nachhaltigen Entwicklung vorgeben, entwickelte die deutsche Bundesregierung ein Nationales Programm für nachhaltigen Konsum. In dessen Rahmen wurde am 23. März in Berlin das Kompetenzzentrum Nachhaltiger Konsum eingeweiht, das unter Obhut des Umweltbundesamtes als ressort-  und akteurübergreifende Vernetzungs- und Koordinationssplattform ausgebaut werden soll.

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Drehbuchideen-Wettbewerb für Klimakurzfilme

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Autokinos gibt es nur noch wenige. Dafür gibt es seit einigen Jahren Fahrradkinos. Kino zum Selber Machen. Wird in die Pedale getreten, erscheint der Film auf der Leinwand. Vom Kinovorführer führt der Weg auch zum Kinoautor. Deshalb wurde der Drehbuchideen-Wettbewerb “Dein Drehbuch im Kino – Der Stoff aus dem die Träume sind” ins Leben gerufen. Am 01.09.2016 ist er gestartet. Er wird von Solare Zukunft e.V. und Unahängiges Institut für Umweltfragen (UfU) e.V. durchgeführt. Einsendeschluss ist der 31.12.2016.

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Black Planet

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Die große Transformation und das Schweigen der Medien

Tagung, 20. / 21. Juni 2016, Evangelische Akademie Berlin
Vortrag von Dr. Joachim Borner zum Thema “Der Versuch, Zukunft zu kommunizieren”

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Studie über zeitgenössische Serienformate und Nachhaltigkeit

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Es ist ein schönes Beispiel dafür, was aus der Sommeruniversität entstehen kann: 2014 nahm KMGNE-Fellow Eva Staudhammer an der Sommeruniversität des CCCLab teil. Direkt im Anschluss begann sie ihren einjährigen Bundesfreiwilligendienst beim KMGNE. Aus der Sommeruniversität ging die Idee hervor, eine transmediale Webserie zu entwickeln. Damit kristallisierte sich auch das Thema für die Abschlussarbeit ihres Studiums Medien und Kommunikation an der Hochschule Offenburg heraus: „Populärkultur und Umweltschutz. Eine Analyse des Potentials zeitgenössischer Serienformate zur Thematisierung von Nachhaltigkeit“. Die Arbeit wurde von Joachim Borner mitbetreut.

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Forschungsprojekt CLIMART

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Im Rahmen der Forschungskooperation mit der Universität Trontheim und den weiteren Partnern aus GB und den USA hat Lisa Pahlke das Forschungsdesign für Wirkungsforschung zu audiovisuellen Kommunikaten zum Klimawandel (CCCLab) entwickelt.

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ClimArt Goes to Summerschool | Wie kommuniziert man Nachhaltigkeit?

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Klimawandel ist in aller Munde und schon längst ist das Thema – von der Öffentlichkeit mehr oder weniger wahrgenommen – von der Wissenschaft in der Kunst (u. a. Cape Farewell) angekommen. Eine der spannendsten Fragen ist in diesem Zusammenhang: Wie muss Klimakommunikation gestaltet werden, damit Menschen nicht nur aufgerüttelt werden, sondern auch ihr klimaschädigendes Verhalten ändern? Wissenschaftliche Fakten vermochten dies bisher nicht. Welche Kommunikationsarten und –mittel können die „Große Transformation“, also den Wandel der derzeitigen auf fossilen Brennstoffen beruhenden Wirtschaft in eine nachhaltige klimafreundliche Welt,  beschleunigen? Diese Fragen stellen sich Forscher*innen aus Norwegen, den USA und Deutschland bis 2018 in dem internationalen und trans-disziplinären Forschungsprojekt ClimArt.

Wordle

Wie kommuniziert man am effektivsten eine nachhaltige Zukunft?

Ende diesen Jahres findet mit Paris COP21 der größte Weltklimagipfel – und vielleicht der entscheidendste auf dem Weg in eine nachhaltigere Zukunft – statt. Anlässlich des Gipfels werden derzeit zahlreiche Aktionen von Künstlergruppen, Umweltaktivisten und vielen mehr geplant. Wirtschaft und Politik, aber vor allem auch der Bevölkerung  muss die Dringlichkeit zur Veränderung klar gemacht werden, damit sie daraufhin Nachhaltigkeit aktiv in ihrem Alltag leben.

Dazu wurden im Rahmen von ClimArt zunächst existierende Klimakommunikationsformen und –Projekte untersucht. Im Prinzip soll handlungsauslösende „Werbung“ für eine grüne Zukunft erforscht und später verwirklicht werden. Anders als in der Werbung wird jedoch nicht zum Kauf eines bestimmten Produktes aufgefordert, sondern zu verändertem Verhalten z. B. Rad statt Auto, Recyceln statt Neukauf etc. Die Methoden zur Erforschung der „Werbewirkung“ sind allerdings ähnlich und so sollen u. a. Eye-Tracking und Fragebögen verwendet werden. Im Anschluss an das Forschungsprojekt wird ein Stipendium an eine*n Künstler*in zur Verwirklichung effektiver „ClimArt“ vergeben.

ist zwar total Kaff hier_aber ich_mag es!

Kunst im Rahmen der Sommeruniversitäten 2014

Das KMGNE ist Mitinitiator von ClimArt und veranstaltet zwei jährlich in Karnitz (Neukalen, Mecklenburg-Vorpommern) stattfindende Sommerunis, die in diesem Jahr entscheidend zum Forschungsprojekt beitragen werden. In den zahlreichen Workshop wird es vor allem um transmediales Storytelling im Bereich Klima- und Nachhaltigkeitskommunikation gehen. Die Wirkung der in Gruppenarbeit erstellten Arbeiten soll dann in einem der umliegenden Orte an einer breiten Bevölkerungsschicht getestet werden. Gleichzeitig wird die Wirkung der persönlichen Erfahrungen im Vergleich zu sonst stark kognitiv geprägter Wissensvermittlung ergründet. Die gewonnenen Erkenntnisse werden in Form von Essays und Dokumentation der Reaktionen auf die  Klima-Kunst in das Forschungsprojekt mit eingebracht.

Innerhalb von ClimArt spielen auch alternative Zukunftsszenarien eine Rolle. Die Zentrale Frage hier ist, wie wollen wie als Menschheit bis in 30 oder 50 Jahren  gelebt haben wollen? Während des  am 12.09.2015 stattfindenden JugendKreativFestivals, über mögliche Zukunftsszenarien von Mecklemburg-Vorpommern aus Sicht von Jugendlichen, wird ein Kunstwerk entstehen, welches auf diesen Aspekt Antworten geben kann und in das Forschungsprojekt mit einfließen soll.

CfA | Open Book zur Nachhaltigkeitskommunikation

Die AG-Medien der UN-Dekade „Bildung für Nachhaltige Entwicklung“ hat ein open book zur Nachhaltigkeitskommunikation gestartet und jetzt die Dialogphase  eröffnet: wir laden ein zum Kommentieren, Ergänzen, Weiterentwickeln und Beteiligen, Vernetzen und Widersprechen der Artikel. Auch neue Beiträge sind willkommen.

Die Beiträge des openbook zeigen die Unterschiedlichkeit von Zugängen, Perspektiven und Darstellungsformen für eine Nachhaltigkeitskommunikation und demonstrieren das große Potenzial der medialen Möglichkeiten. Im Rahmen der jetzt zu Ende gehenden UN-Dekade „Bildung für Nachhaltige Entwicklung“ (BNE) wurden in der “Arbeitsgruppe Medien“ Konzepte, Strategien, Projekte, Erfahrungen für eine nachhaltige Kommunikationspraxis diskutiert.

open book Nachhaltigkeitskommunikation

Intensive Kommunikationsprozesse sind gefordert angesichts der gewaltigen Herausforderung, die der „Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung
Globale Umweltveränderung“ (WBGU) als “Große Transformation” beschrieben hat: Klimawandel, Ressourcenverknappung, Artenschwund, Bevölkerungswachstum und Umweltverschmutzung sind die Schlagworte, die auf einen globalen Wandel der Lebensverhältnisse hinweisen.  Nur im öffentlichen Dialog können die erforderlichen gesellschaftlichen Veränderungen gestaltet werden. Digitale und soziale Medien bieten neue Wege für Interaktion, Beteiligung und Vernetzung.

Presseinfo 01.Dez. 2014

Jutta Franzen | Mit Transmedia Storytelling Nachhaltigkeit kommunizieren

Was bringt Transmedia Storytelling für die Kommunikation von Nachhaltigkeit und Transformation?

Dieser Frage bin ich in meinem Beitrag zum Fachworkshop Nachhaltigkeit. Klimawandel. Transformation. Mediale Kommunikationskonzepte und Kommunikationspraxis.  nachgegangen.

Ansatzpunkte sind für mich die Eigenschaften, die Transmedia Storytelling auszeichnen und von anderen Erzählweisen unterscheiden.

Transmedia Storytelling

… ist das Erzählen von Geschichten über mehrere Medien hinweg – online wie offline.

… entspricht der Vielfalt alltäglicher Erfahrung und der heutigen Medienlandschaft und –nutzung.

… erreicht ein aktives Publikum, das am Erzählen partizipiert.

[1]

  • Transmedia Storytelling ist das Erzählen von Geschichten über mehrere Medien hinweg.

Es wird nicht eine Geschichte in drei Akten – Anfang, Krise, (Happy End) – erzählt, sondern Transmedia Storytelling ist serielles Erzählen, dessen Dramaturgie über vielfältige Geschichten und Medien entwickelt wird.

Jede der Geschichten trägt einen anderen Inhalt oder Aspekt zu einer gemeinsamen Geschichtenwelt bei. Erst aus diesen vielfältigen Geschichten fügt sich eine big story zusammen, die nicht als einzelner, linearer, in sich abgeschlossener Text vorliegt.

Transmedia Storytelling

Das ist der Unterschied von Transmedia zu Multimedia oder Crossmedia, wo eine identische, bereits abgeschlossene Geschichte über verschiedene Medien nur mehr verbreitet wird.

Transmedial werden innerhalb einer gemeinsamen Geschichtenwelt einzelne, vielfältige Geschichte erzählt und zwar in dem Medium, das ihren Inhalt am besten zu vermitteln mag.

So kann z.B. eine persönliche Geschichte als Blogbeitrag erzählt werden, das Erlebnis einer Reise als Foto – Album, ein Gespräch als Podcast und eine Aktion im Video. Offline Medien, wie Zeitung, Flyer, Poster, Bild- Postkarte und auch das Event vor Ort, ein Spiel, eine Performance oder eine Aktion gehören ebenfalls zur Medienvielfalt, in der die Geschichten erzählt werden.

Online und offline Medien unterstützen sich wechselseitig, indem sie aufeinander verweisen.

Die Herausforderung bei einem Transmedia – Projekt ist, die Geschichtenwelt so zu umreißen, dass sie offen genug ist, um Vielfalt der Geschichten, Ergänzungen und Vertiefungen zu ermöglichen und zugleich eine „big story“ entstehen zu lassen, die mehr als die Summe ihrer Teile.

Hierzu wird ein Kanon entwickelt. ein Set von Regeln, das die Geschichtenwelt umreißt und auf das sich alle Geschichten beziehen.

Dazu zählen Angaben zu Zeit, Ort, Personen, Ereignissen, aber auch Meinungen, Botschaften, Tonalität oder eine gemeinsame Metapher. So kann z.B. eine Person, eine Heldin oder Held, in allen Geschichten auftreten und das auch offline, indem sie etwa eine Aktion leitet oder für ein Gespräch zur Verfügung steht.

Der Kanon ist Grundlage für eine implizite Dramaturgie, die den seriellen Zusammenhang der Geschichten erkennen lässt und den einzelnen Geschichten Authentizität verleiht.

Die Rezipienten können Bezüge zu ihrem Wissen, ihren Erfahrungen und Emotionen herstellen. Sie werden motiviert, sich in die Geschichten einzulassen, indem sie sich z.B. mit Personen, aber auch mit Botschaften identifizieren. Hieraus können sich Übertragungen in den eigenen Alltag und Veränderungen in Denkmustern und Handlungsweisen ergeben.

[2]

  • Transmedia Storytelling ist eine Erzählweise, die alltäglicher Erfahrung und der heutigen Medienlandschaft und –Nutzung entspricht:

Alltag wurde schon immer vielfältig erlebt und kommuniziert: von Angesicht zu Angesicht, über Ort und Zeit hinweg in Mund-zu-Mund Erzählungen, als geschriebenes Wort, in Bildern, in Liedern, Musik etc.

Durch die technologische Entwicklung hat sich diese Vielfalt so gesteigert, dass wir potentiell 360°, d.h. überall und immer von Medien umgeben sind. (Jenkins 2006; 2009)

Wir können der Medienvielfalt und Informationsfülle nur mit verteilter Aufmerksamkeit (Löffler 2013) und einer aktiven Auswahl begegnen.

Transmedia Storytelling kommt als Erzählweise diesem Verhalten entgegen, indem es mit den verschiedenen Medien optionale Zugänge in seine Geschichtenwelt anbietet („entry points“/ „rabbit holes“), die einem rundum und jederzeit begegen können.

„ … a story that exists all around you all of the time … On your laptop, your mobile phone, on your sidewalks, as a secret message hidden in your favorite song or while standing at the bus stop on your way to work.“ Tom Kring, Conspiracy For Good 2010

Die NutzerInnen können wählen, den Geschichten in ihrem bevorzugten Medium zu folgen, aber auch Verknüpfungen („bridges“) zwischen den Geschichten und Medien aufgreifen, so dass sich die „big story“ auf unterschiedlichen Pfaden erschließt.

[3]

  • Transmedia Storytelling spricht ein aktives Publikum an.

Durch die Medienvielfalt der Geschichten werden unterschiedliche Nutzergruppen erreicht und zum Einstieg in die Geschichtenwelt bewegt.

Je mehr NutzerInnen die Geschichten aktiv teilen und durch eigenes Erzählen zur „big story“ beitragen, umso überzeugender und in ihren Botschaften wirksamer kann diese werden.

Eine genauere Vorstellung der Ziel-/Interaktionsgruppen, die man mit Transmedia- Projekt erreichen möchte, lässt sich mit dem Persona – Konzept entwickeln.

Wie ein Profiler entwirft man eine idealtypische Person, die man mit der Geschichtenwelt ansprechen und zur Partizipation motivieren möchte.

Basierend auf empirischen Daten (Studien, Statistiken, User Experience)  beschreibt man die Persona so realistisch wie möglich, indem fiktionale Elemente ergänzt werden:

Die Persona erhält einen Namen und ein Bild; ihr werden Interessen an Aktivitäten und Themen zugeordnet, und es wird über ihre bevorzugte Mediennutzung nachgedacht.

Mit dieser Beschreibung der Persona vor Augen, erfolgt die Überlegung: Welche Geschichten können für diese Persona „entry points“, Zugänge in die Geschichtenwelt sein? Mit welchem Medium erreiche ich sie? Welcher Inhalt spricht ihr Interesse an?

In einem weiteren Schritt kann eine Persona auch Teil des Kanons werden, indem sie in jeder Geschichte als Akteur oder Nebenfigur auftritt. Damit wird nicht nur die Kohärenz der Geschichte und das Bilden der „big story“ unterstützt, , sondern die Authentizität der Geschichten verstärkt und die Bereitschaft zum „Eintauchen“ in die Geschichtenwelt.

[4]

  • Transmedia Storytelling – was bringt es für die Kommunikation von Nachhaltigkeit und Transformation?

Als Geschichtenwelt umrissen, bleibt das Themenfeld Nachhaltigkeit und Transformation offen für Ergänzungen, Diskussionen und Partizipation. Die „big story“ wird durch das Erzahlenvon vielen und ihr vielfältiges Wissen gemeinsam entwickelt. (Collective Intelligence, Robustes Wissen)

Komplexe Sachverhalte werden in einzelnen, überschaubaren Geschichten vermittelt, die durch Authentizität und Alltagsbezug überzeugen, zum Mitdenken und –handeln motivieren, Zukunftsvisionen ermöglichen.

Vielfältige Zielgruppen werden durch Medienvielfalt erreicht und über ihre Interessen, Aktivitäten angesprochen und aktiv in die Geschichtenwelt Nachhaltigkeit und Transformation eingebunden.

Literatur

Henry Jenkins (2006): Convergence Culture, N,Y,/London, NYU Press

Henry Jenkins (2009): New Media Landscape, Highest Common Denominator Media Group [2014-09-15]

Christine Lang (2011): Implizite Dramaturgie in der Fernsehserie Breaking Bad [2014-09-15]

Petra Löffler, Verteilte Aufmerksamkeit. Eine Mediengeschichte der Zerstreuung. Zürich, Berlin: Diaphanes 2014

Die Zielgruppe erkennen mit dem Persona-Konzept , marktding.de, 2014 -05-15 [2014-09-15]

Mehr:

Jutta Franzen, Storytelling | Chance für die Nachhaltigkeitskommunikation. Vortrag. [pdf] Fachkonferenz Qualitäten der Nachhaltiogkeitskommunikation, Hochschule der Populären Künste HdpK, Berlin, 29.01.2015

Zotero KMGNE Library Transmedia Storytelling (TMS)

Joachim Borner | Bestimmung des Standpunktes

Die Suche nach der richtigen Frage für die „ große Transformation“ ist die Bestimmung des Standpunktes.
Eine Idee, entstanden nach dem Lesen von Tobias Hering, Der Standpunkt der Aufnahme. Point of View, 2014, Archive Books und Arsenal

In Prozessen der „großen Transformation“ – also dem Abschreiten der Roadmap“planung“ und der der iterativen und kontroversen Prüfung des szenarischen Leitbildes (dem Orientierungswissen) gibt es ein Grundthema:

  • Wie heißen die „richtigen“ Fragen um die Zukunftsalternative – die spezifische Form der Klimakultur, die durch die Transformation gestaltet werden soll, szenarisch zu entwerfen?

StandpunktWelche Tiefe und welche Komplexität (und Folge-Folge-Folge…Wirkungen) wollen und werden mit der Frage erreicht werden? Welche Transformationsgeschwindigkeiten, also Umbruch-Zumutungen in Zeitabschnitten an Bevölkerung, Wirtschaften, Governance-strukturen etc. werden damit initiiert? Wie radikal und grundsätzlich sind „Entwertungen“ gewohnter Strukturen, Leitbilder, Institutionen und Spielregeln?

„Richtig“ steht nicht „falsch“ gegenüber sondern „problem- und problemfolgegerecht“ und schließt die Entscheidung ein, welchen Komplexheitsgrad man dem Problem (oder dem neuen Leitbild) zubilligt. Es schließt die überlegte /abgewogene Entscheidung ein, wieviel der Problemfolgen und der von transformativem Handeln ausgelöste Folgen mit ins Visier und welche Folgen nächsten Entscheidergenerationen und –anlässe zugemutet werden.

Dazu Kommunikationen (also Kommunikate, Kampagnen, Agenda-settings, Artikel etc.) zu gestalten, heißt politische Kommunikation oder Kommunikation politisch zu gestalten und hat wahrscheinlich drei Bestandteile:

  • Der erste ist der Inhalt: Was soll es zu hören, zu sehen, zu verstehen geben? Wovon und warum sollte mensch betroffen sein (ob er sich betroffen fühlt und wie, mit welcher Handlungsreaktion auf die Betroffenheit, liegt souverän im individuellen Handlungsmuster)?
  • Der zweite sind die Bedingungen des Verstehens: das, was Bildungsstand heißt und Denkstile, Milieunormen und –werte, Regeln und Sprachcodes von Subsystemen aber auch Aufschreibesysteme mit ihrer Logik sowie Gegenentwürfe (Utopien).
  • Der dritte Bestandteil ist die Form oder Ästhetik, die angebotene Methode der Erkenntnis, die mit dem „Standpunkt“ der Kamera, des Zeichenstifts – aber eher noch des Autoren – eingeläutet wird. Der Standpunkt der Kamera bezeichnet auch die politische „Einstellung“.
    Soweit.

In klimakommunikativen Fragen zumindest ist es nun so, dass es um eine offene Suche und weniger darum geht, einen Standpunkt zu haben, als ihn immer wieder neu zu finden, neu zu kuratieren um daraus zu einer Bewegung zu kommen, ins Offene, ins Freie. Der Großteil der Arbeit besteht eben darin, die epistemischen Klisches der Erklärung zu umgehen oder zu sprengen. Dialektik ist gefragt, was heißt, nichts ist zu sagen oder zu zeigen, was nicht die Möglichkeit des Gegenteils als Widerstand mit aufzeigt. Standpunkt ist Standpunkt – aber eben in gewollter oder akzeptierter Kontroverse. Widerstandsästhetik (wie sie von Peter Weiss und Alfredo Jaar inszeniert wurde) heißt, in Bildgestaltung, Einstellungen, Kamerabewegung jeweils nach dem Gegenteil und dem Widerstand zu suchen. Natürlich nach dem Gegenteil und Widerspruch, der im Inhalt selbst lebt. Nicht im Widerstand an sich.

Wenn wir die Narrationen der Klimakultur suchen ist es ein passendes „Spiel“, in Bildgestaltung, Einstellung und Kamerabewegung (oder in Weltbild, Perspektive, Standpunkt) nach dem Gegenteil und dem Widerstand zu suchen!

Ist damit alles zur Klimakommunikation gesagt?

Mitnichten. Es fehlt die Ebene der Rezipienten. Die Option, eine Kommunikation politisch zu sehen hängt davon ab, dass die Rezipienten die drei Bestandteile wahrnehmen wollen und wahrzunehmen vermögen. Das Politische muss immer gegen eine Politik der Entpolitisierung durch Filmkritiker, Nachhaltigkeitsexperten, Journalisten, Politiker u.a. erobert werden. Das Konzept „direct cinema“, das Transparenz erzeugen will – ist ein Konzept der Entpolitisierung. Dagegen ist das französische Ansinnen des Cinema vérité ein Dialogversuch: der subjektive Standort wird thematisiert in einem Themenfeld, wo es noch nicht viel Klarheit gibt, wo die Klugheit gefragt ist richtige Fragen zu finden und diese Klugheit durch Kontroverse und Deliberation vieler entsteht. Wir bekommen hier eine Überschreitungs-Linie zwischen „Wahrnehmen, Anschauen, Betrachten“ und „ Teilhabe, Teilnahme“ sowie zwischen „Geben“ und „Nehmen“.

Kittlers Aufschreibesysteme zeigen die Wünsche, die mit der Technik verbunden waren – von Schmalfilm, zu Video, zu Handy – immer war es die Hoffnung auf Demokratisierung, auf Repolitisierung.
Im Klimakontext könnte das heißen, Kommunikate zu produzieren, die aus der Perspektive der Polizisten, der Demonstranten, der Akteure gegen die der Protest läuft, der Akteure, die den Konflikt schlichten sollten, der Akteure die das Hintergrundwissen liefern, Objekte, die die Veränderung erleben (Städte, Landschaften etc.) … das Thema bearbeiten.

Juni 2014