ENavi und KMGNE |Forschung trifft Alltag: Kooperationen im Reallabor (Modell-) Region Mecklenburg

Das Kopernikus-Projekt „Energiewende-Navigationssystem“ (ENavi) ermöglicht es  Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft gemeinsam in den nächsten zehn Jahren technologische, soziale und wirtschaftliche Lösungen für den Umbau des Energiesystems vor Ort zu entwickeln. Vertretende des KMGNE begleiten dabei zwei  Modellregionen. Beim Treffen am 16./17.10.2017 in Wismar ging es darum, wie die lokalen Administrationen, Engagierten und  Wissenschaftler in den nächsten Jahren zusammenarbeiten wollen, um gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung nach Lösungen für ein zukunftsfähiges Energiesystem und ein gutes Leben in den ländlichen Regionen zu suchen.

Direkt am Hafen in den Container-Räumen des  Technologie- und Gewerbezentrums Wismar versammelten sich Stadtvertreter aus den Gemeinden Rhena und Röbel sowie Wissenschaftler aus dem ENavi-Projekt.

Okt17_Wismar Workshop MV
KOMOB mit Blick auf den Hafen in Wismar (c) A.Kraft

Zunächst ging es um die Einbettung der Modellregionen in  die Kopernikus-Forschungsprojekte. Udo Onnen-Weber vom Kompetenzzentrum ländliche Mobilität sagte, Wissenschaft müsse politikfähig sein, um in konkreten Situationen operieren zu können, beispielsweise bei einer konkreten Investitionsentscheidung für erneuerbare Energien beraten zu können. Eine Hauptherausforderung sei allerdings vor allem die Akzeptanz der lokalen Bevölkerung für getroffene Maßnahmen. Das Ziel von ENavi ist daher, gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung für sie nützliche Maßnahmen zu suchen, welche u.a. von jedem einzelnen umgesetzt werden können. Die Betrachtungen müssen insofern auch über die Frage der Energieversorgung hinausgehen und mögliche Rückfinanzierung, Nahmobilitätsangebote und andere Faktoren der Daseinsvorsorge einschließen.

Die leitende Verwaltungsbeamtin Lützow-Lübstorf, Iris Brincker, legte aktuelle Klimaschutzaktivitäten wie die Installation einer E-Ladeinfrastruktur und die damit verbundenen Probleme dar.

Yvonne Rowohlt vom Geodatenzentrum Landkreis Nordwestmecklenburg präsentierte das bereits existierende Energieportal Nordwestmecklenburg, welches eine ganze Reihe von Informationen über die Installation erneuerbarer Energien für die Bürger bereitstellt. Kann diese bestehende Struktur im aktuellen Projekt eingebunden werden? Vielleicht über Coaching-Angebote für erneuerbare Energien für Bürger(meister)?

Im Folgenden wurden die Forschungsschwerpunkte vorgestellt. Wie können Stakeholder-Empowerment-Tools im Projekt sinnvoll eingesetzt werden, um in komplexen Entscheidungssituationen Klarheit und Akzeptanz zu fördern? (Reiner Lemoine Institut) Eher technisch war die Frage, wie das Energiesystem über verschiedene Sektoren hinweg auf regionaler Ebene den Bedürfnissen der Menschen und den umweltbedingten Notwendigkeiten angepasst werden kann (BBHC). Wie drückt sich Akzeptanz durch Verhaltensweisen der Bevölkerung aus und wie entwickelt sie sich? (Fraunhofer ISE) Diese Themen wurden am Folgetag in Workshops näher besprochen.

Dr. Joachim Borner vom KMGNE stellte anschließend den zentralen Reallabor-Ansatz vor, der in den Regionen angewendet werden soll. Was ist das Selbstverständnis der Wissenschaftler in den Modellregionen? Wie lässt sich der bisher vernachlässigte ländliche Raum unter Einbeziehung des Wissens der lokalen Bevölkerung nachhaltig stärken? Was ist die Vorstellung der Menschen von ihrer besseren Zukunft? Wie lässt sich diese Zukunft in Bildern, in Erzählungen ausdrücken? Ziel des Vortrags war es, ein gemeinsames Verständnis der Wissenschaft und Praxisakteure über die Vorgehensweise im gemeinsamen Suchprozess zu erreichen. Im Anschluss gab es eine ausführliche Diskussion.

Fazit: Das erste Treffen hat viele neue Fragen aufgeworfen, aber auch Ängste und Sorgen beseitigt. Die Praxisakteure stellten fest, dass diese Reallabor-Arbeitsweise für die Wissenschaftler genauso neu ist wie für sie. So herrschte beim gemeinsamen Abendessen eine lockere Atmosphäre während am Morgen noch alle verhalten der Dinge harrten die da kommen würden. Die Arbeit in den Modellregionen kann losgehen: gemeinsam, auf Augenhöhe, transparent und offen.

Okt17_Wismar Workshop MV (9)
Blick aus den Container-Räumen am Hafen in Wismar (c) A.Kraft

 

DiV Santiago: Mittwoch, 11.01.2017

Heute ging es zunächst in Form eines Panels um Umweltkonflikte, wobei schon in der anschließenden Diskussion eine Überleitung zum Thema Bildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung stattfand. Am Nachmittag präsentierten die Arbeitsgruppen der Teilnehmenden auf verschiedenste Art und Weise Zukunftsvisionen für 2050, für die von ihnen gewählten Orte.

mittwoch-11-01-2017-46Der Tag begann im Auditorio Paulo Freire mit einer Paneldiskussion von Raúl González, Marilú Trautmann und Daniela Escalona (NIDAS / UAHC) zum Thema Umweltkonflikte. Letztere sprach vor allem auch in vielen anderen Bereichen auftretende Kommunikationsprobleme an. Umweltkonflikte ließen oftmals ganz verschiedene Akteursgruppen, wie indigene Bevölkerungsgruppen, Wirtschaftsunternehmen, lokale Politiker, sowie auch Vertretende international agierender Nichtregierungsorganisationen aufeinandertreffen. Alle diese Gruppen hätten unterschiedliche Ziele, verschiedene Denk- und Ausdrucksweisen, was die Verständigung erschwere.

dienstag-10-01-2017-38
Gruppenarbeit in den Pausen

Marilú Trautmann machte in ihrem Beitrag vor allem deutlich, dass die technische Weiterentwicklung nicht die fundamentalen Umweltprobleme lösen werde. Nicht die Technik sei das Problem, sondern wie sie genutzt würde, worin sie indirekt auf den Rebound-Effekt einging. Joachim Borner griff diesen Gedanken am Nachmittag bei der Zusammenfassung der Gruppenpräsentationen noch einmal auf. Alle Gruppen hätten in ihren Präsentationen der Visionen für 2050 vor allem Lebensstile und Werte der Menschen gezeigt. Zu diesen Werten und Lebensvorstellungen seien die notwendigen technischen Mittel und politischen Rahmenbedingungen zu suchen, und nicht das sich die Menschen der Technik und Politik anzupassen hätten. Marilú Trautmann hob weiterhin Aspekte von Verdrängung und Zerstörung durch Infrastruktur- und Ressourcenförderungs-Maßnahmen in entlegenen Regionen hervor, für die es dort – im Gegensatz zu städtischen Gebieten – keine Ausgleichsmaßnahmen gäbe. Sie griff damit die Geschichte Juan Pablo Orregos vom Vortag auf, bei dem der mögliche oder stattfindende Verlust von Heimat und Lebensraum besonders Vertretende indigener Gruppen zu Gewalt, bis hin zu Selbstmord treibt.

Ein Gedanke von Raúl González beschrieb, dass Umweltkonflikte, wie auch andere kleinere Konflikte, alle Ausdrucksweisen vom fundamentalen Konflikt zwischen den Gesellschaftsklassen seinen, die durch den Kapitalismus geschaffen bzw. zementiert würden.

montag-09-01-2017-19
Es gibt auch positive Seiten von Umweltkonflikten

Umweltkonflikte könnten aber auch positive Auswirkungen haben, so bildeten sie laut Daniela Escalona Ausgangspunkte für Beteiligung und Demokratie, wobei das Grundrecht auf transparente Informationen fundamental sei. Laut Raúl González könnten sie den freien Markt auch zur Entwicklung nachhaltigerer, umweltfreundlicherer Produkte beeinflussen. Weiterhin könnten Umweltkatastrophen auch einen positiven Einfluss zur Umgestaltung formaler Bildungssysteme haben, welche derzeit laut einem Teilnehmenden die Klassenzugehörigkeit ebenfalls zementierten. Ein anderer Teilnehmender brachte als Beispiel zur Überwindung der Mensch-Natur-Abgrenzung das bei den Quechua praktizierte binäre Bildungssystem aus formaler Schulbildung und indigener Traditionsweitergabe an.

Interessant war in der folgenden Diskussion die Unterscheidung zwischen Umweltproblemen, wie z.B. der Luftverschmutzung, und Umweltkonflikten, wenn z.B. die Luftverschmutzung Akteure mobilisiere, sich dagegen einzusetzen. Umweltprobleme verfügten über eine zeitliche, räumliche, politische und soziale Dimension, welche beeinflussten, ob sie zu Umweltkonflikten würden. So könne ein Umweltproblem, wie z.B. die Luftverschmutzung zur Zeit der Industrialisierung ein Problem bleiben, während es z.B. heutzutage einen Konflikt auslöse.

mittwoch-11-01-2017-43Nach dem Plenum folgte ein Vortrag von Rodrigo Arrue (opción sostenible) über das UNESCO Programm Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) und die Umsetzung in Chile. Dieser warf viele Fragen über die Abgrenzung zu Umweltbildung, den Nutzen und Notwendigkeit von BNE allgemein, sowie in verschiedenen Kulturen und Ländern wie z.B. Ecuador im Gegensatz zu den Ländern des Westens auf. Hinterfragt wurde auch, ob ein Programm, welches zum Nachdenken über andere mögliche Systeme wie z.B. Bildung, in vorgegebenen, relativ starren Systemen, wie der Schule, überhaupt funktioniere.

mittwoch-11-01-2017-12
Präsentation als Theaterstück

Am Nachmittag präsentierten die Gruppen ihre Zukunftsvisionen für 2050 in Form personalisierter Geschichten, als Theaterstück bzw. klassische Poster Präsentation. Alle Gruppen überschritten dabei aktuelle vorherrschende Spielregeln bestehender Systeme und integrierten „Wild Cards“, also mögliche Brüche und Eruptionen in ihre Visionen. Anschließend wurde die Methode des Backcasting als Aufgabe für die kommenden Tage, sowie Grundelemente der zu erstellenden Visualisierungen in Form von Mini-Trailern erklärt. Vielfalt in der Umsetzung war, sicher auch aufgrund der verschiedenen soziokulturellen Hintergründe der Teilnehmenden, auf jeden Fall bisher schon gegeben.

DiV Santiago: Dienstag, 10.01.2017

Der 2. Tag begann mit einem Vortrag des Umweltaktivisten Juan Pablo Orregos (Ecosistemas) über die Extraktion von Rohstoffen in Chile.Nach der Mittagspause wurden die Ergebnisse der ersten Gruppenarbeit präsentiert. Anschließend vermittelte die Journalistin Paulina Acevedo (Observatorio Ciudadano) ihre Erfahrungen über Umweltaktivlamia. 

mittwoch-11-01-2017-55
Intensiver Austausch in den Pausen

Juan Pablo Orregos erzählte von seinen Reisen zu und mit Vertretenden verschiedener indigener Gruppen in Ecuador, Mexiko und Chile. Besonders ausführlich ging er auf das Wissen dieser Gemeinschaften ein, welches zwar nicht den akademischen Graden in westlichen Zivilisationen entspricht, aber genauso von unschätzbarem Wert ist. Besonders interessant waren die Beschreibungen der zahlreichen Zeremonien, die u.a. zu dem Zweck durchgeführt werden, durch andere Bewusstseinszustände die Beziehung vom Menschen zur Natur, sowie die Ordnung in der Welt zu hinterfragen und die Natur als etwas Allumfassendes zu begreifen. Viele der Bilder wurden vor Jahrzehnten gemacht und einige dieser Kulturen existieren in der Form schon nicht mehr. Grund sind u.a. Rohstoffförderungen und industrielle Forst- und Landwirtschaft, welche die Ökosysteme zerstören und damit die Lebensgrundlage der indigenen Völker. Diese sehen sich mit Vertreibung, Nahrungs- und Wasserknappheit, sowie neuen Krankheiten durch die vergiftete Umwelt konfrontiert. Manche Vertreter haben sich als Umweltaktivisten zusammengeschlossen, um politisch und gesellschaftlich Gehör zu finden, doch für einige Kulturen ist es schon zu spät. Der Vortrag war sehr aufrüttelnd und fesselnd und rückte das Selbstverständnis der Teilnehmenden, welche größtenteils in westlichen Zivilisationen leben, in ein neues Licht.

dienstag-10-01-2017-29Die Gruppen gingen bei der Vorstellung der von ihnen für die Szenarienarbeit gewählten Orte – viele davon in Südamerika – teils naturwissenschaftlich-, teils ökonomisch-analytisch vor. Alle beschrieben lokale Krisen und Konflikte in den Regionen. Diese analytischen Beschreibungen seien ein wichtiger Ausgangspunkt, sagte Joachim Borner, jedoch würden sie nicht vermitteln, wie sich die Orte und das Lebensgefühl dort anfühlten, denn dafür brauche es Geschichten und Bilder, die den Zuhörer an den betreffenden Ort versetzten. Für die Szenarienarbeit sei es außerdem wichtig, sich aktuelle Tendenzen auszuwählen, und mögliche, wünschenswerte Zukünfte zu beschreiben, welche die Grundlage für die Backcasting-Methode bilden. Die Arbeit in den Gruppen wird in den kommenden Tagen fortgeführt.

dienstag-10-01-2017-45
Die Journalistin Paulina Acevedo

Als Tagesabschluss erklärte die Journalistin Paulina Acevedo (Observatorio Ciudadano) Strategien, um innerhalb gesetzlicher Einschränkungen Botschaften in der Öffentlichkeit Gehör zu verschaffen. Auch wenn ihr Vortrag besonderen Fokus auf Chile legte, sind die Methoden Flashmob, Social-Media und Massenmedienkampagnen, sowie Schirmherrschaft wichtiger Akteure universell.

 

DiV Santiago: Montag, 09.01.2017

Heute war der erste Tag der Sommeruni in Santiago de Chile. Wir, das sind Menschen aus Spanien, Griechenland, Mexiko, Ecuador und Deutschland, werden die kommenden zwei Wochen intensiv mit Menschen aus Chile zu Kultur und Kommunikation für Nachhaltigkeit zusammenarbeiten. Für viele ist es das erste Mal in Chile, bzw. in Südamerika überhaupt. Die Hochschule Universidad Academia de Humanismo Cristiano (UAHC) ist recht klein, was hilft sich zu orientieren und auch anderen Studierenden zu begegnen.

montag-09-01-2017-12
Viele neue Denkanstöße

Die ersten beiden Vorträge von Raúl González (UAHC) und Joachim Borner (KMGNE) beleuchten die Entwicklung der Sommeruni, die nun schon seit 14 Jahren hier in Chile stattfindet. Sehr interessant ist, wie sich auch das Selbstverständnis der Partnerinstitutionen gewandelt hat. Die Vertretenden aus Deutschland verstanden sich zunächst als eine Art „Entwicklungshelfer“ zum Thema Nachhaltigkeit, verstanden aber schnell, dass Deutschland mindestens genauso viel von Chile und den zahlreichen indigenen Gruppen Südamerikas lernen kann. Es wurde im Verlauf mit verschiedenen Kommunikationsformaten gearbeitet wie z.B. Werbespots, Comedy – was zum Thema „Klimawandel“ weniger gut funktionierte, Radio-Formaten, Geschichten und vor allem Filmen. Im Verlauf des Vormittags bekamen die Teilnehmenden auch einige dieser Kurzfilme zu sehen. Viele der Anwesenden haben an der Sommeruni 2016 in Karnitz in Mecklenburg-Vorpommern teilgenommen und Wissen um den intensiven Entwicklungsprozess solcher Formate. Über die Jahre ging es in der Sommeruni immer weniger um das formale Fakten vermitteln, sondern mehr um die Kunst fesselnde Geschichten zu erzählen und so Bilder zu transportieren, die die Menschen zum Nachdenken über gesellschaftliche Grundfragen anregen. Eine besondere Herausforderung sei in diesem Zusammenhang das Aufkommen von postfaktischer Kommunikation.

mittwoch-11-01-2017-29
Joachim Borner und Anne Mette beim DiV 2017

Anschließend präsentierten Anne Mette und Joachim Borner die in diesem Diplomado international de Verano (DiV) verwendete Methode der Szenarienarbeit. Als vorbereitende Aufgabe galt es jeweils eine andere Person zu interviewen und anschließend vorzustellen, was aufgrund kultureller Unterschiede wie auch sprachlicher Barrieren eine positive Herausforderung für alle darstellte. Durch das Teilen persönlicher Dinge wie Lieblingsfilm, den für einen persönlich schönsten Ort und die Zukunftsvision der eigenen Heimat, wurde eine sehr persönliche Ebene und auch Verbindung durch ähnliche Vorstellungen zwischen den Teilnehmenden geschaffen.

Der Tag wurde beendet durch den Beginn der Erarbeitung von wünschenswerten, möglichen Zukunftsszenarien in international wie sprachlich – Deutsch, Englisch, Spanisch – gemischten Gruppen. Der erste Schritt hierzu war die Beschreibung eines bestimmten Ortes, der Konflikte und Akteure.

montag-09-01-2017-13

Raus aus der Komfortzone| Wie Klimakunst das Handeln beeinflussen kann

FeaturedHandlungsalternativen

Klimakunst ist eine Kunst, nämlich die Kunst, Menschen aus ihrem täglichen Tun aufzuwecken und zum alternativen Handeln anzuregen. Das Leben vieler Menschen wird vor allem von kognitiver Dissonanz beherrscht, also dem Handeln wider besseren Wissens. Wir Rauchen, obwohl wir wissen, das es Krebs verursacht; wir schlemmen Süßes, obwohl Zucker die Eigenschaften von Drogen nachgesagt werden; und wir konsumieren, obwohl die Ressourcen weltweit bald erschöpft sind. Haben die ersten beiden Beispiele nur Einfluss auf uns als Individuum, gefährden wir im letzten Punkt unseren gesamten Planeten.

Die Aufgabe

Begriffe zur TransformationKlimakunst soll über verschiedene Wissenschaftsdisziplinen bis hin zur Praxis Fakten vermitteln und zur Verständigung beitragen.

Klimakunst soll globale Prozesse erklären und veranschaulichen.

Klimakunst soll ein Medium zum Diskurs und Dialog über alternative Zukunftsszenarien sein.

Klimakunst soll alltagstaugliche Handlungsalternativen aufzeigen und den Transformationsprozess vom Jetzt zu einer klimaverträglichen Zivilisation aufzeigen.

Klimakunst soll ein massentauglicher Trend werden, mit neuen Bildern, Metaphern und Symbolen.

Die Theorie

Es gibt viele Gründe, nicht so zu handeln, wie es die Ratio verlangt. Aussagen wie…

  • Ich sehe keine Alternative.
  • Ich weiß nicht wie.
  • Ich habe keine Lust und Motivation.
  • Das geht mich nichts an.
  • Das spielt in meinem Umfeld keine Rolle.

…kennt sicher der ein oder andere.

Handlungsalternativen
Handlungsalternativen aufzeigen

Dreht man diese Aussagen um, müssen…

  • Konkrete Alternativentwürfe gefunden werden,
  • Informationen zur Technik und Verhalten veranschaulicht werden,
  • Akzeptanz, Verantwortung und Teilhabe müssen gestärkt werden und
  • Die Menschen müssen für das Thema sensibilisiert werden.

Der Weg

Schon längst ist die Erkenntnis, das Praxis einprägsamer als Theorie ist, von der Schule bis zur Universität im Bildungssektor angekommen. Diesen Ansatz verfolgen auch die zwei Sommerkurse des Climate Communications Lab (CCCLab). Es geht darum, Fragen zu stellen, die an Jostein Gaarders Roman “Sofies Welt” und die Metapher mit dem Kaninchenfell erinnern: Die Fähigkeit, sich über die Welt wie sie momentan ist zu wundern, und Fragen zu stellen.

  • Begriffe wie Tipping Points, Black Swans und Irreversibilität sollen in diesem Zusammenhang in eine massen taugliche und allgemein verständliche Sprache übersetzt werden.
  • Zukunftsszenarien werden erarbeitet und visuell dargestellt.
  • Eine Roadmap für die “große Transformation” soll erarbeitet werden.

Die Sommerkurse #future cities und #focusland werden vom KMGNE veranstaltet und bilden Teil des internationalen und transdisziplinären Forschungsprojetes ClimArt.

Internationales Forschungsprojekt ClimArt 2014 – 2018

Ch. Klöckner/E. Hertwich, Universität Trondheim (N), J. Borner/ M.Zienert, KMGNE (D), E. Kintisch, Science-Magazin (USA), Sam Jury, D. Buckham Cape Farewell (UK),J. Swimm, Pensilvania State Universität (USA), P.C. Stern, Nationale Akademie der Wissenschaften (USA), P. Huybers, Harvard-Universität (USA).

ClimArt Goes to Summerschool | Wie kommuniziert man Nachhaltigkeit?

FeaturedWordle

Klimawandel ist in aller Munde und schon längst ist das Thema – von der Öffentlichkeit mehr oder weniger wahrgenommen – von der Wissenschaft in der Kunst (u. a. Cape Farewell) angekommen. Eine der spannendsten Fragen ist in diesem Zusammenhang: Wie muss Klimakommunikation gestaltet werden, damit Menschen nicht nur aufgerüttelt werden, sondern auch ihr klimaschädigendes Verhalten ändern? Wissenschaftliche Fakten vermochten dies bisher nicht. Welche Kommunikationsarten und –mittel können die „Große Transformation“, also den Wandel der derzeitigen auf fossilen Brennstoffen beruhenden Wirtschaft in eine nachhaltige klimafreundliche Welt,  beschleunigen? Diese Fragen stellen sich Forscher*innen aus Norwegen, den USA und Deutschland bis 2018 in dem internationalen und trans-disziplinären Forschungsprojekt ClimArt.

Wordle
Wie kommuniziert man am effektivsten eine nachhaltige Zukunft?

Ende diesen Jahres findet mit Paris COP21 der größte Weltklimagipfel – und vielleicht der entscheidendste auf dem Weg in eine nachhaltigere Zukunft – statt. Anlässlich des Gipfels werden derzeit zahlreiche Aktionen von Künstlergruppen, Umweltaktivisten und vielen mehr geplant. Wirtschaft und Politik, aber vor allem auch der Bevölkerung  muss die Dringlichkeit zur Veränderung klar gemacht werden, damit sie daraufhin Nachhaltigkeit aktiv in ihrem Alltag leben.

Dazu wurden im Rahmen von ClimArt zunächst existierende Klimakommunikationsformen und –Projekte untersucht. Im Prinzip soll handlungsauslösende „Werbung“ für eine grüne Zukunft erforscht und später verwirklicht werden. Anders als in der Werbung wird jedoch nicht zum Kauf eines bestimmten Produktes aufgefordert, sondern zu verändertem Verhalten z. B. Rad statt Auto, Recyceln statt Neukauf etc. Die Methoden zur Erforschung der „Werbewirkung“ sind allerdings ähnlich und so sollen u. a. Eye-Tracking und Fragebögen verwendet werden. Im Anschluss an das Forschungsprojekt wird ein Stipendium an eine*n Künstler*in zur Verwirklichung effektiver „ClimArt“ vergeben.

ist zwar total Kaff hier_aber ich_mag es!
Kunst im Rahmen der Sommeruniversitäten 2014

Das KMGNE ist Mitinitiator von ClimArt und veranstaltet zwei jährlich in Karnitz (Neukalen, Mecklenburg-Vorpommern) stattfindende Sommerunis, die in diesem Jahr entscheidend zum Forschungsprojekt beitragen werden. In den zahlreichen Workshop wird es vor allem um transmediales Storytelling im Bereich Klima- und Nachhaltigkeitskommunikation gehen. Die Wirkung der in Gruppenarbeit erstellten Arbeiten soll dann in einem der umliegenden Orte an einer breiten Bevölkerungsschicht getestet werden. Gleichzeitig wird die Wirkung der persönlichen Erfahrungen im Vergleich zu sonst stark kognitiv geprägter Wissensvermittlung ergründet. Die gewonnenen Erkenntnisse werden in Form von Essays und Dokumentation der Reaktionen auf die  Klima-Kunst in das Forschungsprojekt mit eingebracht.

Innerhalb von ClimArt spielen auch alternative Zukunftsszenarien eine Rolle. Die Zentrale Frage hier ist, wie wollen wie als Menschheit bis in 30 oder 50 Jahren  gelebt haben wollen? Während des  am 12.09.2015 stattfindenden JugendKreativFestivals, über mögliche Zukunftsszenarien von Mecklemburg-Vorpommern aus Sicht von Jugendlichen, wird ein Kunstwerk entstehen, welches auf diesen Aspekt Antworten geben kann und in das Forschungsprojekt mit einfließen soll.

#fokusland | SDGs & Ländlicher Raum

FeaturedWaldkauzästling

Anfang des Jahrtausends wurden die Milleniumsentwicklungsziele von der UN und anderen Organisationen beschlossen, um eine Orientierung für die globale Politik zu schaffen. Einige Ziele, wie die Halbierung des globalen Hungers, wurden erreicht – andere nicht. Neue globale Herausforderungen verlangen nun nach neuen Leitlinien und Perspektiven. Darum werden Ende dieses Jahres die Sustainable Development Goals (SDGs) die alten Ziele ablösen. In diesem Beitrag wollen wir einige ausgewählte SDGs, die uns am Wichtigsten erscheinen, näher beleuchten.


SDG 3: Ein gesundes Leben sicherstellen und das Wohlergehen aller Menschen in allen Altersgruppen fördern

(Katja)

Dieses Thema haben wir gewählt, weil es zwei in unserer Gruppe wichtig erschien. Das Ziel, ein gesundes Leben und Wohlergehen aller Menschen in allen Altersgruppen zu fördern, klingt erstmal her und wird sicher von wenigen als nicht erstrebenswert angesehen. Es degradiert aber auch schnell zur Sprachblase und muss mit konkreten Überlegungen mit Leben gefüllt werden. Es ist ein Thema, das viele andere Ziele miteinschließt, weil z. B. ein gesundes Leben bei hohen Schadstoffbelastungen in der Umwelt nicht möglich ist und auch relativ ausgewogener Ernährungsgewohnheiten bedarf. Dem weiten Begriff des allgemeinen Wohlergehens gerecht zu werden verlangt auch eine demokratische Gesellschaft in der Menschen auf verschiedenste Weise andersartig sein können. Eine Gesellschaft, die jedem  Menschen unabhängig von seinen Gaben oder gesellschaftlicher Herkunft die Möglichkeit gibt, sich zu beteiligen, und Unterstützungsformen hierfür schafft.

Sind wir in Deutschland diesem Ziel in den letzen 30, 40 Jahren näher gekommen? Oder ist es eher umgekehrt und wir verlernen immer mehr, was es heißt, sich wohl zu fühlen?

Stethoscope
Gesundheit Krankenhaus Stethoskop @Pixabay

Die Zahl der Langzeiterkrankungen nimmt nicht ab, sondern zu. Den Menschen fällt es schwer, bis 65 Jahren im Arbeitsleben zu bleiben. Immer mehr Kinder bekommen Ritalin verschrieben, um schulfähig zu bleiben, immer mehr Erwachsene nehmen Aufputsch- oder Beruhigungsmittel, um fit für den Beruf zu bleiben. Alte Menschen vereinsamen. Kinder vielleicht auch. Jedenfalls kommen bis zu 30 % von Mobbing Betroffene in der Schule nicht von ungefähr.

Wohlstand und Wohlbefinden – bezeichnen diese Worte zwei Pole einer möglichen Entwicklung? Oder muss Wohlstand etwas lernen, um in Bewegung gesetzt zu werden, und sich zu Wohlbefinden zu entwickeln?

Der Lebensraum Land bietet viele Voraussetzungen, damit Menschen sich wohlfühlen und gesünder werden. Begegnungsflächen, überschaubare Zugehörigkeitsmöglichkeiten, Möglichkeiten zur Verwirklichung und Lebensraum. Doch in den letzten 30 Jahren ist dort vermehrt Infrastruktur abgebaut worden und wenn kein Umdenken geschieht, verschwinden in vielen ländlichen Regionen in den nächsten 10 Jahren noch mehr Basisstrukturen. Gesundes Leben und Wohlergehen aller Menschen in allen Altersgruppen ist nicht möglich ohne  eine flächendeckende Versorgung mit Lebensmittelläden, Krankenhäusern und Notfalldiensten Es fehlt an genügend Personal für die Betreuung von älteren Menschen. Außerdem gibt es immer weniger Kinder,  Betreuungsangebote für die verbliebenen tragen sich oft finanziell nicht und werden eingestellt, ein Grund für die Eltern, wegzuziehen in die Stadt. Sporteinrichtungen werden geschlossen und  zweckentfremdet.

Noch mehr Grund wegzuziehen, es ist ja nichts mehr los. Es braucht neue Konzepte einer Wohn- und Helfer-Kultur in Stadt und Land. Wie kommen wir zusammen und wie sorgen wir dafür, dass es allen gut geht? Letztendlich sieht dies in der Stadt nicht anders aus. Auch da braucht es kleinräumige Organisationen, damit die Menschen sich wiederfinden können. Bücherei, Sport und Begegnungsstätten müssen mehr oder weniger fußläufig zu erreichen sein, wenn sie denen  zugänglich sein sollen, die sie am meisten brauchen. In Bezug auf diese Fragen gibt es sicher schon einiges an Ideen, vieles wurde ausprobiert und es gibt damit Erfahrungen, was im größeren Rahmen funktionieren könnte und was nicht. Dass wir in Deutschland in vielen Fragen des allgemeinen Wohlbefindens nicht weiter sind als vor 30 Jahren zeigt, dass wir  in dieser Beziehung voll Entwicklungsland sind. Neue Wege, neues Denken brauchen. Wir sollten vorsichtig sein, wenn wir anderen Ländern vorzuschreiben versuchen, wie sie ihre Entwicklung gestalten sollen. Deutschland ist selbst erst auf dem Weg in eine nachhaltigere Entwicklung.


SDG 13: Unverzüglich Maßnahmen gegen den Klimawandel und seine Folgen ergreifen

(Anne)

Globaler Focus

Der Klimawandel stellt eine aktuelle, reale Gefahr für die Menschheit und den aktuellen Lebensstil unzähliger Menschen dar. Einige Prozesse sind bereits unaufhörlich voran geschritten.

Der Meeresspiegel steigt bereits jedes Jahr um einige Millimeter, mancherorts wurden bereits große küstennahe Gebiete vom Meer verschluckt.

Die Temperatur hat sich seit der Industrialisierung bereits um 1°C erhöht und Bauern, Naturschützer und Fischer sind die ersten, die die Auswirkungen spüren.

Langsam fangen auch die Städter in ihren künstlichen Konsumtempeln an zu realisieren, dass es da draußen eine hausgemachte Bedrohung gibt, die größer, mächtiger, gefährlicher und unsicherer ist, als jeder Terrorist oder Krimineller es je sein wird.

  • Wenn abzusehende Bedrohungen und Gefahren bereits jetzt angegangen werden, können schlimmere Folgen für Leib und Leben besonders der Menschen in den südlichen Ländern eingedämmt werden.
  • Wenn der CO2-Ausstoß jetzt verringert wird, kann ein extremerer Temperaturanstieg noch abgemildert werden.

Jedes Grad Temperaturanstieg, welches verhindert wird, ist ein Gewinn.

Focus ländlicher Raum in Deutschland (Mecklenburg Vorpommern)

Windparklandschaft in Mecklenburg
Windparklandschaft in Mecklenburg @Philipp Hertzog

Deutschland sieht sich gern als Vorreiter der globalen Klimapolitik und versucht mit der “Energiewende” ein Zeichen zu setzten. Dieses Programm bezieht sich oft leider nur auf technische Maßnahmen. Darüber hinaus gibt es noch viele weitere Möglichkeiten dem Klimawandel entgegenzutreten.

Die Moore in Mecklenburg-Vorpommern müssen geschützt bzw. in ihren Ursprungszustand zurückversetzt werden.

Flächen von Tagebauen müssen renaturiert bzw. eine weitere Zerstörung der Böden durch Minen verhindert werden.

Häuser nahe Überflutungsgebieten von Flüssen usw. dürfen nicht gestattet werden, um spätere finanzielle Hilfen durch den Staat im Katastrophenfall zu vermeiden.

Nicht nachhaltig bewirtschaftete Landwirtschaftsflächen sollten durch Förderungsprogramme in Ökolandbetriebe umgewandelt werden, die weniger Treibhausgase ausstoßen.

Eine medizinische flächendeckende Versorgung, sowie andere Notdienste und die Erstellung von Hitzewellen- sowie Kälteeinbrüche-Reaktionsstrategien sind essenziell.

Bereits durch diese Maßnahmen, als Ergänzung zur Energiewende, kann der ländliche Raum in Deutschland dem Klimawandel den Wind aus den Segeln nehmen.


SDG 15: Terrestrische Ökosysteme bewahren und wiederherstellen und ihre nachhaltige Nutzung fördern, Wälder nachhaltig bewirtschaften, die Wüstenbildung bekämpfen, Landdegradation und den Verlust der Artenvielfalt beenden und umkehren 

(Susanne)

Artenvielfalt ist die Grundlage unserer Ernährung: Tausende miteinander in Verbindung stehende Arten bilden das lebendige Netz der Biodiversität innerhalb der Ökosysteme, auf denen die Lebensmittelproduktion beruht. Mit dem Verlust der Biodiversität verlieren wir die Möglichkeit, uns Veränderungen wie Bevölkerungswachstum und Klimawandel anzupassen.

Globaler Kontext

1992 hat die Weltgemeinschaft das UN-Übereinkommen über die biologische Vielfalt (Convention on Biological Diversity, CBD) verabschiedet mit dem Ziel, weltweit dem dramatischen Verlust an Arten, Lebensräumen und genetischer Diversität zu begegnen. Im Fokus sind Tiere, Pflanzen, Lebewesen in Gewässern sowie die Ökosysteme der Böden und Wälder.

Die  Vereinten  Nationen  haben  die  Jahre  2011-2020  zur  UN-Dekade  der  biologischen  Vielfalt  ausgerufen.  Durch  vielfältige  Maßnahmen  und  Programme  sollen mehr Menschen für die Erhaltung der biologischen Vielfalt sensibilisiert werden. Das gesellschaftliche Bewusstsein für den Wert der biologischen Vielfalt und die Verantwortung  für  deren  Schutz  und  nachhaltige  Nutzung  soll  gefördert  werden.  Ziel  der UN-Dekade  zur  biologischen  Vielfalt  ist  es,  dass  staatliche  und  nicht-staatliche  Akteure  gemeinsam  dazu  beitragen,  die  biologische  Vielfalt  auch  für  die  Zukunft  zu bewahren. Im Verlauf der UN-Dekade soll international und national Bilanz gezogen werden.

Fokus Deutschland

Deutschland hat im Jahr 2007 die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt im Bundeskabinett beschlossen (BMU 2007). Der Indikatoren Bericht 2014 zur Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt dokumentiert, wie weit wir in Deutschland von der Erreichung der selbstgesteckten Ziele entfernt sind.

Maßnahmen

  • Förderung des ökologischen Landbaus

Der ökologische Landbau trägt in besonderem Maße zur Erhaltung der biologischen Vielfalt  sowie  zur  Förderung  regionaltypischer  Kulturlandschaften  bei.  Die  ökologische Bewirtschaftung  führt  u.a.  zu  einer  höheren  biologischen  Aktivität  im  Boden, schont  das  Bodengefüge  und  verringert  Bodenverluste.  Die  dadurch  gesteigerte Wasserspeicherkapazität  des  Bodens  trägt  zusätzlich  zum  Schutz  vor  Hochwasser bei und die Erosionsgefahr sinkt.

  • Marktwirtschaftliche Instrumente nutzen

Labelling bis hin zur Förderung von Akteurs Kooperationen und freiwilligen Selbstverpflichtungen (inklusive große Handelsketten) zu Unterstützung der  Agrobiodiversität. Im Bereich der verarbeitenden Industrie und des Handels liegt die wesentliche Herausforderung darin, deren Nachfrage nach einer größeren Tier- und Pflanzendiversität anzuregen. Kooperationen entlang der Lebensmittelkette, beispielsweise von Unternehmen und Erhaltungsinitiativen, können diese Nachfrage befördern.

  • Sensibilisierung der Gesellschaft

Die Verankerung des Themas in Schulen, in der landwirtschaftlichen Ausbildung und in der allgemeinen Öffentlichkeit ist daher ein weiteres Element einer Vorsorgestrategie. Modellhöfe (z.B. Schelphof in Bielefeld), Hofbesichtigungen, Verkostungen

  • Entwicklung ländlicher Räume und regionaler Tourismuskonzepte 
  • Agrarpolitischen Rahmenbedingungen

Beispielsweise würde ein vollständiges Grünlandumbruchverbot einen wirksameren Schutz des Grünlands ermöglichen. Hier möchte ich Einspruch erheben und um Änderung bitten. Dauergrünland ist wichtig aber Grünlandumbruch ist oft eine sinnvolle Maßnahme gerade um Grünlandbetriebe produktiv zu halten und noch mehr um Humusaufzubauen.

Grünlandumbruch ist zwar isoliert gesehen humusabbauend aber nur wenn Grünland in der Ackerfläche rotiert kann Humus effektiv aufgebaut werden. Die in Deutschland praktizierte Trennung von Dauergrünland und Ackerland hat dazu geführt, dass die wichtigste und effektivste  Maßnahme des Humusaufbaus, mehrjähriges Kleegras in der Fruchtfolge hier nur wenig praktiziert wird und man allgemein davon ausgeht, das Humusaufbau nur in sehr geringen Schritten möglich ist.

Komposteinsatz unterstützt den Humuseinsatz aber ersetzt nicht die Fruchtfolgewirkung mit integrierter Fruchtfolge. Da die Artenvielfalt sich gerade in Randgebieten manifestiert wäre eine mindestens ebenso wirksame Maßnahme die Etablierung von ordentlichen Schutzstreifen am Ackerrand. Das dient dann auch gleichzeitig dem Gewässerschutz.

Mir bleibt echt jedes Mal das Herz stehen wenn ich sehe wie in Deutschland immer noch bis Geldrand gepflügt wird. 1m Schutzstreifen sollte Minimum sein, drei Meter wäre besser ( mit Ausgleichszahlungen) Auch müssen die ökologischen Vorrangflächen auf dem Acker sowohl quantitativ als auch qualitativ hinsichtlich ihrer Wirkungen auf relevante Arten hin optimiert und ambitionierte Vorgaben für die Anbaudiversifizierung gemacht werden.

Neben der Artenvielfalt ist es wichtig die Sortenvielfalt sicherzustellen und zu fördern. da sieht es sowohl im Tier und Pflanzenreich gerade sehr schlecht aus. Solange die Landwirte nach größter Menge bezahlt werden wird das sich nur verschlimmern, weil die Ertragsreichsten Sorten einfach am interessantesten bleiben. Dies gilt auch für den Ökolandbau, der seinem Anspruch auf Erhalt der Artenvielfalt nur noch begrenzt gerecht wird.

Erste Hilfe würde die Einführung einer Ausgleichszahlung bringen die Ökobetriebe zahlen müssen, wenn sie nicht Ökosorten oder Ökotiere einsetzen. Durch diese Ausgleichszahlung würde der Teufelskreis unterbrochen, der seit Jahren dazu führt das Ökobetriebe nicht Ökosaatgut und Tiere einsetzen. Die sind billiger und erwirtschaften oft auch mehr.

  • Finanzmittel in ausreichendem Umfang für ein biodiversitätsförderndes Management agrarisch genutzter Flächen bereitstellen
Waldkauzästling
Waldkauzästling @bartbblom/Flickr/uil

Mit Maßnahmen auf Ackerstandorten kann die kleinstandörtliche Heterogenität erhöht werden. Dies kann mit Hilfe von Pufferstreifen  (Ah da sind sie ja.-) um Landschaftselemente und Äcker oder die Integration von Extensiv-Flächen in leistungsfähige konventionelle und ökologische Nutzungssysteme geschehen.

Umgekehrt kann auf Böden mit niedrigen Bodenpunkten („schlechtere landwirtschaftliche Böden“) das gezielte Management von Ackerbrachen einen wirksamen Beitrag zur Erhaltung der Biodiversität gerade in Grenzertragsregionen leisten. In allen Fällen müssen aber mit den Förderprämien deutlich höhere finanzielle Anreize gesetzt werden.

  • Erhaltung artenreichen Grünlandes 

Durch extensive Weidehaltung mit Schafen, Ziegen und Rindern.

  • Naturnahe Wälder

Mehr Alters- und Zerfallsphasen zulassen, bei der Baumartenwahl die potenzielle natürliche Vegetation vermehrt zu berücksichtigen und Totholz gezielt weiter anzureichern. Die Anzahl von Biotopbäumen muss erhöht werden. Die finanzielle Honorierung von Naturschutzleistungen muss hierfür auch für Waldflächen in Privatbesitz Anreize setzen, da knapp die Hälfte des Waldes Privatwald ist.

Darüber hinaus ist die Etablierung von Wäldern mit natürlicher Entwicklung hin zu 5 % der Waldfläche weiter umzusetzen. Zudem ist auf eine ausreichende Vernetzung ungestörter und naturnaher Wälder im Rahmen des Biotopverbundes hinzuarbeiten, wie er im Bundesnaturschutzgesetz für 10 % der Fläche vorgesehen ist. Damit wird Arten mit großen Raumansprüchen wie z. B. Luchs und Wildkatze eine Möglichkeit gegeben sich auszubreiten.

  • Bau von Grünbrücken und anderen Querungshilfen

Mit dem Bau von Grünbrücken und anderen Querungshilfen können erfolgreich Lebensräume wieder miteinander verbunden und Gefahrenstellen für den Straßenverkehr entschärft werden. Aus diesem Grunde ist es wichtig, das im Februar 2012 von der Bundesregierung beschlossene Bundesprogramm Wiedervernetzung schnellstmöglich umzusetzen und dafür zu sorgen, dass von dem bestehenden Straßennetz keine erheblichen Beeinträchtigungen auf die biologische Vielfalt mehr ausgehen.

  • Gewässerstrukturen verbessern

Die Längsdurchgängigkeit für Fische und andere Organismen muss wiederhergestellt und die Auen wieder an die natürliche Wasserführung der Flüsse (Hoch- und Niedrigwasser) angebunden werden. Ehemalige Auenflächen, die durch Deichbau oder durch Vertiefung der Gewässer von der Dynamik des Flusses abgeschnitten worden sind, müssen durch möglichst großflächige Deichrückverlegungen oder durch Anhöhungen der Gewässersohle wieder angeschlossen werden

 Der Punkt mit den Gewässerstrukturen ist sicher wichtig, aber irgendwie habe ich das Gefühl, das so ausgedrückt gleichzeitig Lebensraum von Menschen etc. genommen wird. Deiche sind ja auch wichtig damit die Menschen die dahinter wohnen sich sicher fühlen können. Könnte es da helfen Auen-Gebiete auszuweisen die nicht im Widerspruch sind, z. B. durch Renaturierung von Flussläufen?

  • Die Anerkennung zusätzlicher Biosphärengebiete durch die UNESCO kann helfen, dem SDG 15 näher zu kommen.
  • Netzwerke und Initiativen unterstützen

Für Ökologie und Nachhaltigkeit muss man nicht zwingend das Rad neu erfinden: Gesunder Menschenverstand und die Unterstützung von bzw. das Engagement in bereits bestehenden Organisationen und  Initiativen können hier weiterhelfen: 2015 ist z.B. das UN-weite Jahr des Bodens, um eben die fortschreitende Zerstörung dieser Lebensgrundlage einzudämmen. Slow Food ist eine inzwischen internationale Initiative, die sich für die Aspekte des SDG 15 einsetzt. Es gibt das Europäische Netzwerk von Biokommunen: Die Bio-Städte, -Gemeinden und -Landkreise setzen sich zum Ziel, den Ökolandbau, die Weiterverarbeitung und die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln mit kurzen Transportwegen und regionaler Wertschöpfung verstärkt zu fördern.

Gesellschaftlichen Initiativen wie Urban Gardening, Lebensstile wie der der LOHAS (Lifestyle of Health and Sustainability) können genutzt werden, um das Bewusstsein für die Förderung der Vielfalt der Arten und Ökosysteme zu nutzen.

Und im Zweifel hat jeder ein Fleckchen Erde, auf dem er eine bedrohte Pflanzen- oder Tierart anbauen oder halten kann, Paten werden. . .


Das Wohlergehen aller Menschen, die Bekämpfung des Klimawandels und weitestgehender Arten- und Naturschutz bilden für uns das Fundament zukünftiger globaler Politik. Ohne die Vielfalt der Arten werden Nischen der Ökosysteme nicht mehr bedient, stocken Kreisläufe und kollabieren letztlich Ökosysteme, die das Fundament für das Wohlergehen der Menschen bilden. Wird jetzt nichts gegen den globalen Klimawandel getan, ist die Lebensgrundlage aller Wesen auf diesem Planeten bedroht.

Wir hoffen, dass die neuen Leitlinien nicht nur die globale Politik beeinflussen, sondern auch die Wertschätzung und das Bemühen der Menschen um eine nachhaltige Nutzung der Ressourcen  stärken.

Eine unbequeme Wahrheit | Anne K.

FeaturedBerlin | Business-as-Usual trotz Klimawandel

Seit dem Film von Al Gore vor 10 Jahren hat sich die gesellschaftliche Diskussion über den Klimawandel und den globalen Wandel insgesamt gewandelt. Als Kind der “Generation Y” frage ich mich nicht nur, wie will ich in Zukunft arbeiten und wie will ich leben – ich frage mich auch, wie werden und wollen wir alle  – damit meine ich die Spezies Mensch insgesamt – leben!

Schüler, Student, Change Agent

Ich studierte zunächst Wirtschaftskommunikation in meiner Heimatstadt Berlin und lernte die komplexen Beziehungen und Prozesse zwischen Wirtschaft, Medien und Gesellschaft kennen. Die Macht der Medien und der Wirtschaft auf Politik – und damit die Zukunft meiner Generation empfand ich erst als erschreckend. Warum nicht Medien und Wirtschaft nutzen, um selbst mit zu gestalten?

In meinem derzeitigen Studiengang Global Change Management in Eberswalde, geht es vor allem um das Begreifen komplexer Systeme und globaler Veränderungen. Die Anthroposphäre und Ökosphäre sind nicht getrennt, sondern eins. Die Gesellschaft und Wirtschaft sind auf die Umwelt angewiesen und können ohne sie nicht existieren. Der Wald braucht dagegen keine Förster und funktioniert trotzdem.

Die Party geht weiterBerlin | Business-as-Usual trotz Klimawandel

Die Welt ist mit der Globalisierung unübersichtlicher geworden und  zahlreiche Prozesse haben sich beschleunigt. Im Fernsehen geht es darum wie man die beste Figur auf dem Laufsteg macht, in Zeitschriften wie man fit für den Sommer wird, in der Zeitung um den neuesten Promi- oder Politiker-Skandal und im Internet um Handzeichen der jungen Elisabeth II. Aber wer redet von morgen?

In Bonn wurden und in Paris werden dieses Jahr Weichen für unser aller Zukunft gestellt. Es geht um Fragen wie:

  • Wie können mehr Menschen weniger konsumieren?
  • Wie bekommen wir 10 Mrd. Menschen satt?
  • Wohin siedeln wir die vom Meeresspiegel-Anstieg bedrohten Menschen hin um?
  • Wie sollen die Menschen in Städten versorgt werden?
  • Welche Tier- und Pflanzenarten sind noch zu retten?
  • Wohin mit all dem Müll?
  • Was muss gegen den Klimawandel getan werden, damit es uns in 100 Jahren noch gibt?
  • Was sind wir bereit aufzugeben, um zu retten, was noch zu retten ist?

Ist es Ignoranz, dass keiner darüber redet? Sind diese Fragen und die damit verbundenen Forderungen zu “unbequem”? Man läuft durch Berlin, bekannt durch seine Partys und im Moment großer Touristenmagnet: Den Blick auf ihre Smartphones gesenkt rennen viele zur nächsten Party, zum nächsten Event, zum nächsten “Place-to-be”.

  • Sieht jemand die vertrocknenden Bäume in der Stadt, die unter Schädlingen ächzen, weil es in Berlin schon jetzt trockener und bald ca. 2°C wärmer ist?
  • Entscheiden sich Wohnungssuchende für Wohnungen mit Blick zum Innenhof, weil Dachgeschosse zu Backöfen werden?
  • Denken die Menschen in den Autokolonnen morgens 7:00 auf der Frankfurter Allee über das Absaufen der Malediven und den Kollaps der Meere nach?
  • Denken die KaDeWe Kunden am Nespresso-Stand über den Müllstrudel im Pazifik nach?

Zurück auf Null

Für mich ist es an der Zeit wirklich umzudenken, auch wenn ich gern in den Urlaub fliege etc. pp. Die Party ist vorbei, was nicht heißen soll, dass nun der Spaß aufhört! Spaß mit Verantwortung, mitgestalten und kooperieren, kommunizieren und austauschen, umdenken, neu denken und umschmeißen – das müssen unsere Parolen sein!

Während meines Praktikums bei KMGNE möchte ich meinen Beitrag zur kreativen Neugestaltung der Zukunft leisten und weiterhin so viel wie möglich über unsere Welt lernen. Andere aufzuklären und aufmerksam zu machen ist dabei auch ein Beitrag. Zukunft und nachhaltige Entwicklung gestalten kann jeder – los geht´s!